Selbstliebe, Rollenbilder und die Angst. Eine Antwort an Flying Daddy George

Vorab: Es folgen -abermals- sehr persönliche und intime Zeilen. Ich sage damit etwas über mich aus, nicht über jemand anderen. Ich bleibe bei mir und muss mir von der Seele schreiben, was mich bewegt. Ich muss zugeben, ich bin immer wieder eingeschüchtert und demotiviert. Vor allem von anderen Frauen. Nicht Mamas.

Als Mama bin ich mir meiner Sache mittlerweile recht sicher (was nicht heißt, dass ich mich nicht weiter entwickeln will und werde).

Aber eben als Frau. Ja, als Frau bin ich manchmal richtig eingeschüchtert. Heute habe ich das erste mal beim Anblick einer Zeitschrift und Bildern eines Events gedacht „Das wirst du nie haben, weil du nicht hübsch genug bist. Oder stylisch. Du wirst nie dazu gehören.“ BÄM. Das tat weh, sag ich euch.

Dieser Artikel von Georg* (ihr könnt dort meinen Kommentar nachlesen) hat mich bei diesen Gedanken abgeholt, die mich schon seit Wochen immer wieder begleiten. Immer wieder wollte ich etwas zu diesem Thema schreiben, ohne recht zu wissen wie und worauf es hinauslaufen soll. Das weiß ich aktuell immer noch nicht. Ich möchte nicht erbärmlich wirken. Oder so, als würde ich in Selbstmitleid baden. Denn beides mag ich nicht und beides bedeutet kostbare Energie zu verschenken. Ich möchte aber einmal mehr ehrlich schreiben, was in mir vorgeht. Das versuche ich jetzt:

Ich glaube in fast allen Bereichen des Lebens benötigen Frauen bestimmte Eigenschaften, um akzeptiert, anerkannt und honoriert zu werden. (Männer ebenso, wie ihr es Georgs Artikel entnehmen könnt). Dazu gehören vor allem Aussehen, ein Händchen für Stil (Mode und Einrichtung), Fitness und etwas, das ich kaum beschreiben kann. Ich bin niemand, der sich gut vernetzt. Meine Beziehungen zu anderen bleiben oft oberflächlich, weil ich einfach keinen Draht spannen kann. Obwohl ich schnell in kleine, kurze Gespräche komme oder auch schriftlich irgendetwas herstellen kann.

Ich möchte so gern ‚mehr‘, ohne genau zu wissen, wovon eigentlich. Ich glaube am ehesten lässt es sich mit Anschluss und dem menschlichen Bedürfnis einer Gemeinschaft anzugehören identifizieren. Ich möchte dazu gehören- in einer digitalen Welt. Das klingt irgendwie paradox ist aber wahr. Ich würde mich gern mehr austauschen, Menschen wirklich kennenlernen, wissen und erfahren, wer hinter tollen Blogs und Profilen zu finden ist und auch Austausch über dieses ‚Bloggerding‘ pflegen.

Und ich glaube vor allem das geht über das Aussehen. Mir scheint Es, Wer schön ist, sich in Szene setzen kann, einem bestimmten Typ entspricht (der mitunter sehr verschieden sein kann), findet schneller Anschluss und wird eher in eine bestehende Gruppe aufgenommen. – Vor allem auf einer Plattform wie Instagram, die vom schönen Sein (und auch Schein) lebt. Versteht mich nicht falsch: ich liebe schöne Bilder und arrangiere ebenfalls gerne. Ich sehe im Prinzip nichts verwerfliches daran, so lange es immer noch meiner Lebenswirklichkeit entspricht. Am Ende bleibt jedes Bild auf jedem Account hier nur eine (manchmal mehr und manchmal weniger) sorgfältig ausgewählte Momentaufnahme. Wer was und wie viel zeigen will, wägt jeder Nutzer -egal ob mir oder ohne Gewerbe- immer wieder sorgfältig für sich selbst ab.

Ja, als Frau bin ich manchmal richtig eingeschüchtert. Heute habe ich das erste mal beim Anblick einer Zeitschrift und Bildern eines Events gedacht _Das wirst du nie haben, weil du nich
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Ist das nur meine Wahrnehmung? Tue ich damit anderen Unrecht? – ich behaupte keinesfalls, dass schöne Menschen weder innerlich schön sind, noch dass sie es nicht verdient hätten! Ich glaube nur, sie haben es leichter und Fakt ist: Erfüllt ein Mensch (egal ob Mann, Frau oder etwas dazwischen) diese äußeren Anforderungen, erhält sie beispielsweise mehr Lohn und höhere Positionen im Job – darüber gibt es Studien und das finde ich irgendwie erschreckend, nein beängstigend. Weil ich Angst habe auf der Strecke zu verbleiben und zu versagen – trotz meiner Fähigkeiten, die man nicht an ungezupften Augenbrauen erkennt.

Dass das Thema Selbstfürsorge eine Sache ist, die mir schwer fällt, habt ihr vielleicht schon auf dem Blog gelesen.

„Ich wurde autoaggressiv und misshandelte mich selbst über einige Jahre. Meinen Körper und meine Seele. Und ich sehe heute noch einen ehemaligen Mitschüler vor mir sitzen und vor der versammelten Klasse zu mir sagen: „Ach Antonia halt doch die Klappe und schneid dir die Arme auf!“ – die Lehrerin sagte nichts. „

Auszug aus: Selbstliebe?! Von Körpergefühl & Selbstzweifel PART 1

Auf meine Seele und meinen Körper zu hören, mich zu umsorgen, zu pflegen- all das sind keine Selbstverständlichkeiten für mich. Es fällt mir oft genug noch schwer und das ich seit nicht ganz einen Jahr täglich dezentes make up (halt irgendwie. Ich habe wirklich keine Ahnung was ich da tue!) auftrage und im Urlaub mit 29 Jahren die erste Massage und Gesichtsmaske bekommen habe, ist für die meisten weiblichen User hier glaube ich nicht nachvollziehbar. Aber ich kenne es nicht anders, bin unsicher und immer wieder demotiviert.

Dann kam der Artikel von Georg und mit ihm die Gewissheit, dass nicht jeder diesem Bild der Mehrheit entsprechen kann und muss, kam langsam zurück. Aber diesmal verdrängt sie das andere Gefühl nicht ganz. Ich glaube es hängt mit der gewerbeanmeldung zusammen. Denn ich werde deswegen nie so erfolgreich sein, wie andere. Weil ich mich nicht gut vernetzen kann. Weil ich den Anforderungen nicht entspreche. Weil ich nicht dazu gehöre und dass – so mein Eindruck- in dieser Branche zwingend notwendig ist. Jedoch weiß ich die meiste Zeit, dass ich das gar nicht muss. Und doch gibt es da etwas in mir, dass in diesen Punkten gerne angepasster wäre: denn diese Frauen suggerieren mir, dass sie so im reinen mit sich sind. Und glücklich. Und ich glaube danach sehne ich mich wirklich. Egal ob mit oder ohne unreiner Haut. Egal ob mit oder ohne Lipödemen. Egal ob mit oder ohne einem tollen Outfit oder Frisur.

Ich war nie eine Feministin, bis ich auf einmal verstanden habe, worum es geht. Dass diese Gedanken in mir so tief verwurzelt sind, ist garantiert kein Einzelfall. (Ich meine damit keinesfalls einen gesunden Lebensstil mit Sport, gepflegtem äußeren usw.!) Aber diese offensichtlichen (und versteckten) Anforderungen durch unsere Gesellschaft, machen dieses Ding mit der Selbstliebe nicht einfacher. Es macht krank.

Zu sich selbst zu finden, sich anzunehmen und dann all das auszustrahlen verlangt mir persönlich viel ab und ich weiß nicht, ob ich diese Lebensaufgabe jemals so bewältigen werde, dass es mir wirklich so gut geht, wie es mir beispielsweise während meiner Schwangerschaft ging. Bis dahin hoffe ich einfach, dass die Gesellschaft sich weiter ändert, dass jeder einzelne etwas dazu beiträgt. Denn immer öfter lese ich auch davon, wie abgedroschen Geschlechterklischees sind (auch wenn es sicherlich bestimmte Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, zB hormoneller Natur).

„Als meine Seelenpflege begann, lehnte ich meinen Körper und mein Sein weiterhin ab. Ich dachte immer nur: Wäre ich doch nur dünner. Wäre ich doch nur hübscher. Wäre ich doch nur beliebter. Angenommener. Integrierter. Ich definierte mich die meiste Zeit meines Lebens über die Zuneigung anderer und tat alles dafür. „

Auszug aus: https://tandaradei.blog/2017/05/04/selbstliebe-von-koerpergefuehl-selbstzweifel-part-2/

Ich hoffe für meine Tochter, dass ich einen gesunden Weg für mich finde, um ihr dies vorleben zu können. Und noch mehr, dass sie ihren eigenen Weg findet, um wirklich mit sich im reinen zu sein und sich nicht von Bildern fremder Menschen und Menschengruppen beeinflussen lässt. Egal ob sie nun weibliche oder männliche Attribute aufweist. Vielleicht sind wir in zwanzig Jahren schon viel weiter – immerhin galt doch vor knapp 120 Jahren auch noch Rot als Jungen- und blau als Mädchenfarbe.

Hand aufs Herz: bin ich damit allein?

PS: Ich finde Georg ist einer der männlichsten Männer auf Instagram und das meine ich ernst. Wieso? Er vergöttert seine Frau und seine zauberhaften Kinder und sorgt für und sich um seine Familie! Und das ist doch etwas, dass alle an ihrem Partner schätzen – egal ob er nach Vanille oder Moschus duftet. Oder?

Herzlichst, Antonia

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