8 Tipps zur Begleitung der Eingewöhnung

Feste Wurzeln und große, starke Flügel – das wollen wir unserer Tochter mit ins Leben geben. Die Betreuung von anderen Personen zeigte uns das erste Mal, wie sicher gebunden und stark unser Kind ist. Die Eingewöhnung ist für uns erfolgreich abgeschlossen und neben den Tipps, wie ihr euch auf die Eingewöhnung vorbereiten könnt (hier), möchte ich nun mit euch teilen, was uns diesen Prozess erleichtert hat. Auch hier gilt wieder: Es sind persönliche Erfahrungswerte, die nicht zu jedem passen. Einiges habe ich bei anderen ebenso beobachtet, anderes haben wir für uns selbst entwickelt. Ich hoffe ihr könnt euch etwas mitnehmen!

1. Rituale vor der Kita

Bevor wir am Morgen in die Kita gehen, packen wir gemeinsam mit Greta ihren Rucksack. Darin findet ihre geliebte Maus (ihr Übergangsobjekt) Platz. Geht die Maus in den Rucksack, weiß Greta also, dass es in die Kita geht. Ebenso räumen wir ihr genug Zeit am Morgen zum Spielen ein. Das ist für sie wichtig: Aufstehen, spielen, irgendwann das restliche Morgenprogramm und den Rucksack packen. Dann erzählt sie bereits, wen wir wohl alles erzählen. Das greife ich auf und wir überlegen, welcher Erzieher und welche Kinder wohl da sein werden. Es gibt auch Einrichtungen, die um ein kleines Fotoalbum mit wichtigen Personen/Tieren/Gegenständen bitten, um dies während der Eingewöhnung zu nutzen. (Du wünschst dir ein DIY dazu? Schreib es in die Kommentare!) Dies kann ebenso jeden Morgen (auch wie die Brotdosen) in den Rucksack gepackt werden.

2. Lass das mal den Papa machen, der Papa macht das gut!

Oft fällt es Kindern schwer sich von der Hauptbezugsperson zu lösen und noch häufiger fällt es anderen potentiellen neuen Bindungspersonen schwer, neben dem unangefochtenen Star in der Bindungshierarchie des Kindes zu bestehen. (etwas über Bindungstheorie findet ihr hier) In meiner Arbeit habe ich oft erlebt, dass die Eingewöhnung (also der Bindungsaufbau zu den neuen Personen) leichter fiel, wenn der Papa oder die Großeltern das ganze übernommen haben. Wir haben uns arbeitsbedingt aufgeteilt: Mal übernahm der Papa das ganze, mal ich. Unsere Tochter gewöhnte sich also daran, dass wir beide sie brachten und abholten. Auch Großeltern oder andere vertraute Bindungspersonen könnten die Eingewöhnung übernehmen. Unseren Erfahrungsbericht findet ihr unten verlinkt.

3. Raum lassen für neue Bindung & sicherer Hafen sein

Und damit befinden wir uns in einem klassischen Spannungsfeld der Sozialen Arbeit, dem ich mich beruflich tagtäglich gegenüber sehe. Aber das braucht euch nicht zu interessieren, zurück zur Eingewöhnung und dem Problem mit der Nähe und Distanz: Greta hat es sehr geholfen, dass wir uns während der Eingewöhnung zurück gezogen und ihr und den Bezugspersonen Raum für Interaktion gegeben haben. Ich habe mich also sobald sie sich gelöst hat, zur Seite gesetzt (immer in Sicht) und ihr gesagt: „Ich setze mich dort rüber, du kannst mit XY spielen.“ Kam Greta zu mir, um mir etwas zu zeigen, schaute ich es an und animierte sie dann Kontakt aufzunehmen („Zeig das doch mal XY!“). Aber, wenn sie mich brauchte, war ich da: Bei Verunsicherung, weil jemand geweint hat, wenn sie ergriffen oder aufgeregt war. Die Schwierigkeit hier liegt eindeutig dabei, den richtigen Zeitpunkt für den Absprung zu schaffen: Wären wir zu lang geblieben, hätte Greta die Kita als gemeinsamen Raum für gemeinsame eingeordnet. Wären wir zu früh gegangen, hätte die Eingewöhnung nicht so gut laufen können. Hier war der nächste Punkt ganz wichtig:

4. Mit den ErzieherInnen im Gespräch bleiben und Vertrauen haben

Das Spiegeln meines und Gretas Verhalten war für mich wichtig. Manchmal unterschätze ich sie. Manchmal übertrage ich meine Geschichte und Gefühle auf sie. (In welchem Punkt mir das aufgefallen war und wie ich damit umgegangen bin, habe ich euch hier beschrieben.) Ich hatte im Vorfeld die ErzieherInnen genau darum gebeten: Mir zu sagen, wann Greta ihrer Meinung nach bereit für eine Trennung sei. Wir haben jeden Tag die gemeinsame Zeit dort kurz und das weitere Vorgehen besprochen.

Im Aufnahmegespräch werden meist Fragen zum Alltag und Gewohnheiten der Kinder gestellt. Treten neue Situationen während der Eingewöhnung auf, ist es hilfreich auch diese immer wieder zu besprechen. Auch das weitere Vorgehen: Soll euer Kind beispielsweise bald länger ohne euch bleiben, wird bei Kleinkindern irgendwann das Wickeln eine Rolle spielen. Bittet die ErzieherInnen gemeinsam zu wickeln: Erst stehen sie daneben und das Kind kann sich an diese neuen Personen in einer intimen Situation gewöhnen. Wir haben auch darauf hingewiesen (und bestanden), dass Greta immer gefragt wird, ob sie gewickelt werden will bzw. das jedes „Nein“ hier von ihr akzeptiert wird. Das wurde auch so umgesetzt. (Später haben wir erfahren, dass Greta anfangs mehr „Nein“ gesagt hat und das mittlerweile kaum mehr macht. Sie ist nun scheinbar mehr zur Kooperation fähig und bereit.) Warum mir das wichtig war? Weil ICH die Expertin für mein Kind bin. In einer guten Elternarbeit ist dies den Pädagogen auch klar. Natürlich verfügen sie über sehr viel wertvolle Erfahrung und persönliche Fähigkeiten, jedoch sollte den Eltern eben immer gespiegelt werden, dass diese die Experten für ihr Kind sind. Wenn sich später neue Rituale entwickeln (was sie zweifelsohne tun), ist das okay, gut und wertvoll.

Genauso wichtig wie das Vertrauen in EURE Elternfähigkeiten ist aber auch das Vertrauen in euer Kind und die neuen Bindungspersonen. Ich hatte große Angst vor dem Mittagsschlaf. Aber ich habe darauf vertraut, dass die Erzieher mich zur Not anrufen und auch, dass Greta in der Lage ist sich mit der neuen Situation zu arrangieren und eine neue Strategie für die Bewältigung zu entwickeln. Beim ersten Mittagsschlaf hat sie nach Milch gefragt und ihr wurde erklärt, dass es diese in der Kita nicht gibt. Das war für sie okay. Meine Tränen an diesem Tag hätten also gar nicht sein müssen.

5. Ein Codewort für euer Kind einführen

Diese Idee habe ich von Wiebke (euch bekannt als Piepmadame) übernommen: Als ich Greta das erste Mal allein ließ, habe ich ihr gesagt, dass ich einen Termin hätte und gleich wieder käme. Ich habe ihr später weder gesagt, dass ich nach Hause gehe (sonst hätte sie mitkommen wollen), noch habe ich sie angelogen und behauptet, ich würde arbeiten gehen. (Ich will sie nicht anlügen.) Wichtig ist, dass ihr euch immer von euren Kindern verabschiedet! Warum das so fundamental ist, könnt ihr hier beim Blog Gewünschtestes Wunschkind nachlesen.

6. Die Trennung positiv gestalten

Ich habe erst an eine Trennung gedacht, als Greta bereits zu Hause von den ErzieherInnen gesprochen und mit diesen vor Ort vertraut interagiert hat. Neben den Pädagogen hatte sie ihre Maus, die ihr Halt gab. Ich habe mich von ihr kurz und knackig verabschiedet, gesagt, dass ich einen kurzen Termin hätte und gleich wieder da wäre. Ich bin immer dann zurück gekommen, wenn es ihr gut ging. Auch die anderen Eltern kamen immer dann in den Raum zurück, wenn die Kinder gut drauf waren (außer sie haben so sehr geweint, dass sie sich nicht beruhigen ließen). Die Trennung war für meine Tochter während der Eingewöhnung immer zu allen Zeitpunkten positiv oder wenigstens „okay“.

eingewöhnung begleitung7. Mit den Kindern sprechen

Wir haben Greta morgens immer erzählt, dass wir bald in die Kita gehen. Als wir den Raum verlassen haben, haben wir ihr immer gesagt, wann wir wieder kommen würden. Einmal hat das mein Mann vergessen und hatte ihr nicht erklärt, dass sie nach dem Vesper nochmal zum Spielen geht. An diesem Tag kullerten Tränchen, da sie mit uns eher gerechnet hatte. Wir sagen ihr also immer, nach welchem Tagesordnungspunkt wie sie abholen. Die „Nachbesprechungen“ sind meiner Meinung nach genauso wichtig, wie die vorbereitenden Gespräche. Alle Gesprächsfetzen wurden von uns aufgegriffen. Dazu ist es wichtig, den Tagesablauf bzw. die Erlebnisse zu erfragen, die man als Eltern nicht erlebt hat (Hallo Privatleben!). In unserer Krippengruppe hängt jeden Tag ein Bericht aus, welche Kinder sich womit beschäftigt haben. (Wir haben oft darüber hinaus gefragt.) Auch das Essen kann zum Thema gemacht werden. Hier können Gefühle aufgefangen und besprochen werden. Dieses (gemeinsame) Besprechen ist übrigens auch in jedem Alter sinnvoll.

Uns hat es auch stets gut getan den Tag miteinander oder anderen zu besprechen und zu reflektieren. Denn auch Elterngefühle wollen besprochen werden.

8. Wenn es dann doch mal nicht gut läuft…

…kann jederzeit ein Schritt zurück gegangen werden. Manche Trennungen sind zu schnell oder zu schnell zu lang. Es ist nicht schlimm, wenn man beispielsweise nach einer langen krankheitsbedingten Pause, noch mal einen Schritt zurück geht. Dazu braucht es natürlich Zeit.

Was hat euch während der Eingewöhnung geholfen? Hinterlasst eure Ergänzungen doch einfach in den Kommentaren direkt hier!

Herzlichst, Antonia


Tipps zur Vorbereitung vor der Eingewöhnung findet ihr:

Unsere Vorbereitungstipps für die Eingewöhnung 

Hier findet ihr die theoretische Reihe, unsere Erfahrung und spannende Gastbeiträge zum Thema Fremdbetreuung:

Teil 1: Fremdbetreuung und Bindungstheorie

Teil 2: Bindung in der Betreuung

Unsere Erfahrung:

UNSERE EINGEWÖHNUNG – WENN DAS KIND EIN PRIVATLEBEN HAT

UNSERE EINGEWÖHNUNG TEIL 2: TRÄNEN UND GLÜCK

Gastbeiträge:

GB Kita: Von „Hin und weg“ zu hin…und weg!

GB Fremdbetreuung – Missbrauchtes Vertrauen

GB Fremdbetreuung „Du hast’s gut-du hast schon Feierabend!“

Teil 3: Erfahrungsberichte Fremdbetreuung

Ein Kommentar zu „8 Tipps zur Begleitung der Eingewöhnung

  1. Deine Tipps sind unglaublich toll und wertvoll. Es ist Wahnsinn, wie unheimlich reflektiert und souverän du mit deiner Tochter umgehst. Wie du im Vorfeld Dinge durchdenkst und zu ihrem Wohl gestaltest. Das ist unvergleichbar. Ich lasse mich so gerne von dir inspirieren…weiter so!💕

    Ich habe auch schon mal davon gehört, dass Eltern ein Plakat/Album mit Fotos aus der Kita vorbereiten, vom Essen, Wickeltisch, Spielarea, den Erziehern usw. und das dann zuhause gemeinsam ansehen, um das Kind vorzubereiten. Fand ich auch toll 💕Bin übrigens sehr an einem DIY über das Fotobuch von zuhause interessiert!

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