Auf der Suche nach einer Kita – meine Fragen

Irgendwann kommt für die meisten Eltern der Zeitpunkt, an dem wir eine Betreuungsmöglichkeit für unsere Kinder suchen müssen. Da laufen Telefone oft schon während der Schwangerschaft heiß, Kitas werden abgeklappert oder man versucht eine Besichtigungstermin zu bekommen. Denn viele Eltern wollen wissen, wie die spätere Betreuung aussehen wird. Das ist nur verständlich: Immerhin geben wir unsere geliebten Kinder in (vorerst) unbekannte Hände und das oft für viele Stunden am Tag. Da sollen sie so gut es geht betreut sein. Für viele Eltern ist ausserdem der Bildungsaspekt immer wichtiger, während andere den Schwerpunkt auf Bindung und freies Spiel setzen. Am Ende ist jedoch wichtig, dass sich das Kind wohl fühlt. Egal welches Zertifikat an der Wand der Einrichtung hängt: Fühlt sich das Kind nicht geborgen und wohl, kann es davon nicht profitieren. Ich vertrete – wie viele andere Pädagogen, Ärzte, Eltern und auch ausgewiesene Experten – die Meinung, dass Bindung immer vor Bildung zählt. Ohne eine vertrauensvolle Bindung zu den Erziehern bzw. dem pädagogischen Personal ist keine Bildung möglich.

Hier könnt ihr in meiner kleinen Reihe zur Fremdbetreuung etwas zur Bindungstheorie nachlesen und hier zum Thema Bindung und Bildung.

Wie sind wir vorgegangen?

  1. Auflistung

Wir haben eine Liste mit Einrichtungen in unserer Stadt gesucht. Hierbei müsst ihr beachten, dass es Einrichtungen öffentlicher Träger (der Stadt/Landkreis) gibt und oft zahlreiche freie Träger (freie Wohlfahrtspflege, private Vereine, Kirche). Es lohnt sich alle Kindertagesstätten aufzulisten und dann abzuarbeiten, welche in Frage kommen. Auch wenn du nicht religiös bist, kann dein Kind einen Platz in einer evangelischen Kindertagesstätte bekommen und sich dort pudelwohl fühlen. Hier könnt ihr bereits folgende persönlichen Schwerpunkte mit einbeziehen:

  • Ist mir die Nähe zum Wohnort wichtig?
  • Kann die Kita auf dem Weg zur Arbeit liegen? Wessen Arbeitsstelle?
  • Sind vielleicht Verwandte/Freunde in der Nähe, die dort auch einen Platz haben oder das Kind mal abholen können/wollen/müssen?
  • Ist mir eine bestimmte pädagogische Ausrichtung (Montessori, Waldorf, Waldkindergarten…) wichtig?
  • Ist mir eine konfessionelle Bindung wichtig?

Es lohnt sich Freunde und Bekannte nach Erfahrungen zu fragen. Ebenso zu schauen, wo vielleicht die Kinder aus der Nachbarschaft hingehen – vielleicht können sich so Fahrgemeinschaften oder festere Freundschaften für klein und groß entwickeln.

2. Ans Telefon klemmen, Termine machen und vorbei schauen!

Wir haben bereits während der Schwangerschaft Kitas besichtigt und uns mit Bleistift vormerken lassen. Dies ist eigentlich nicht erlaubt (?), jedoch gängige Praxis. Kitas die eine Vorabbesichtigung nicht ermöglichen wollten bzw. konnten, haben wir gleich wieder gestrichen. Ich möchte mein Kind nicht in einen unbekannten Kindergarten geben. Auch Kitas, in denen wir uns ohne Personal einfach während der Öffnungszeiten ohne Begleitung umsehen sollten, kamen uns eher seltsam vor. Möchte ich, dass mein Kind völlig unkontrolliert Fremden begegnet? Nein. Viele Termine waren schwer zu kriegen, da hilft es manchmal persönlich vorbei zu sehen, um einen auszumachen. Manchmal wurden wir auch vorab zu Festen eingeladen. Diese Offenheit und Möglichkeit hat uns gut gefallen und wir haben sie genutzt.

3. Unsere Fragen

Ich habe einen Fragenkatalog für uns erstellt. Einige Fragen erübrigen sich natürlich, wenn man in die Bildungsprogramme der jeweiligen Länder schaut (wie beispielsweise Betreuungsschlüssel), jedoch kann das zeitweise schwanken und diese Fragen bieten Anknüpfungspunkte für weiterführende Fragen. Ich füge euch die Fragen mit kurzen Anmerkungen hier ein:

  • Organisatorisches 
  • Öffnungszeiten
  • Hol- und Bringzeiten (manchmal sind diese strikt festgelegt)
  • Essen- und Schlafzeiten (für spätere Stundenplanung wichtig)
  • tägliche Routine (Morgenkreis/Mittagskreis? – das hilft euch Einblick in den Ablauf zu bekommen)
  • Betriebsferien und eventuelle Ausweichmöglichkeiten (nicht bei jeder Einrichtung gibt es Urlaubsvertretungen)
  • Brückentage u. Weiterbildungen (Findet gemeinsame Arbeit im Team statt? Bilden sich die ErzieherInnen weiter?)
  • realer Betreuungsschlüssel Krippe und Kita (Hohe Krankenstände im Team können auf hohe Arbeitsbelastung hinweisen –> das führt zu größerem Stress, was sich auf die Stimmung der Kollegen auswirkt)
  • Zusammensetzung des Teams? (Nach Ausbildung, Geschlecht -wir haben das Glück einige männliche Pädagogen in der Einrichtung zu haben!, ZusatzQualifizierung)
  • Wie lange sind die Pädagogen im Team? (Ist jemand viele Jahre dabei, weist das auf gutes Arbeitsklima hin und höhere Zufriedenheit ist vermutbar)
  • Gesundmeldungen (ab wann ist ein Zettel vom Arzt notwendig?)
  • Impfungen (Manche Träger fordern bestimmte Impfungen)
  • Essenanbieter/Kosten (Frühstück/Vesper/Getränke extra? Wie wird abgerechnet? Was wird gekocht und wo?)
  • Strafzahlungen bei zu spätem Abholen? (Das ist bei vielen Einrichtungen üblich und interessant zu wissen)
  • Einbeziehung Eltern (Elternrat, Nachmittage, Möglichkeiten aktiver Mitgestaltung)
  • Träger (Wofür steht er? Ziele/Konzepte des Trägers?)
  • Pädagogisches
  • Konzept (Ich wollte eines ausgehändigt haben)
  • Ist die Einrichtung offen/geschlossen? (Gibt es Gruppen oder bewegen sich die Kinder frei durch das Haus?)
  • heterogene/homogene Altersgruppen
  • Übergang Krippe/Kita (Wie wird dieser gestaltet? Gehen Erzieher mit in neue Bereiche? Werden Kinder langsam daran geführt?
  • Partizipation der Kinder (Kinderrat? Themen? Tagesgestaltung?)
  • Eingewöhnung (Konzept? Individuell? Bei starren Eingewöhnungskonzepten bin ich skeptisch. Jedes Kind, jede Eltern sind anders. Ziel sollte ein sicheres, kein schnelles, Ankommen sein.)
  • Gibt es vor dem eigentlichen Start Krabbeltreffs o.ä.?
  • Handhabung Essen („Probierkleis“ – ich will NICHT das mein Kind zum Probieren oder Essen gezwungen wird.), Sauberwerden, Schlafen (Müssen die Kinder schlafen oder können sie nach Ruhephase aufstehen?)
  • Kooperation Schule (Zusammenarbeit mit Grundschulen vor Ort -wir haben Einzugsgebiete- erleichtert Kindern den herausfordernden Übergang)
  • Gibt es Waldtage?
  • Welche gesonderte Angebote sind möglich? (Musikschule, Sport)
  • Wie ist das Bezugserziehersystem?
  • Häufigkeit Wechsel Erzieher? (Kinder brauchen verlässliche Betreuung! Natürlich gibt es Schichten, Krankheit/Urlaub usw.)
  • Gibt es feste Gruppen und Zimmer?
  • Ausflüge – ab welchem Alter? (Ich möchte, dass mein Kind befähigt wird an Ausflügen teilzunehmen)
  • Garten  Krippen- Kitabereich oder zusammen? (Manchmal ist ein eigener Bereich für die Kleinsten sinnvoll)
  • Weiterbildungsrhythmus der Erzieher?

Für mich waren all diese Fragen wichtig. Unser Kind wird am Ende die Einrichtung besuchen, bei der sich die Leiterin über eine Stunde Zeit für uns und unsere Fragen genommen hat. Und das in einer vertrauten und zugewandten Atmosphäre. Auch wenn nicht alles so ist, wie ich es mir erträume, ist es hoffentlich dennoch die beste Wahl für meine Tochter. Denn über eines solltest du dir bei der Suche nach einer Betreuung für dein Kind im Klaren sein: Die eierlegende Wollmilchsau gibt es hier nicht. Nicht alles ist perfekt, nicht mit allem wirst du einverstanden sein. Wichtig ist am Ende eine Einrichtung zu wählen, die für dein Kind (nicht dich/euch!) richtig ist und passt. Ich wollte ursprünglich unbedingt eine Montessorieinrichtung. Aber nach der Führung gab es einige Punkte, die mir absolut Bauchschmerzen bereiteten und uns am Ende dazu bewegten, eine andere Kita für unser Kind zu wählen. Auch deswegen lohnt es sich nach Konzeption, Arbeitsweise und Alltag zu fragen: Nur weil beispielsweise Montessori drauf steht, ist nicht 100% Montessori drin, wie ihr es für richtig haltet.

kitasuche4. In Kontakt bleiben

Das ist für mich wohl der wichtigste Punkt, der sich über die gesamte Kitazeit ziehen wird: Ihr und das Fachpersonal vor Ort müsst stets in Kontakt bleiben, damit es eurem Kind gut geht. Vorab müsst ihr euch immer wieder melden und Interesse bekunden, somit bleibt ihr in guter Erinnerung und erhalten eventuell Punkte auf einer Liste (wird unterschiedlich gehandhabt). Und auch wenn ihr euren Vertrag in der Hand habt: Bleibt dran. Geht zu den Elternabenden, engagiert euch, seid verfügbar und nehmt Gesprächstermine wahr. Denkt daran, dass ihr ein Team mit gemeinsamen Ziel seid. Denkt daran, dass auch die Angestellten dort Menschen mit persönlichen Geschichten und einem eigenen Alltag sind. Und bitte lasst euch von Listen streichen, wenn ihr kein Interesse mehr an einem Platz habt.

Und ihr Lieben: Wenn sich euer Kind NICHT wohlfühlt, versucht es zu ergründen und ggf. die Einrichtung zu wechseln. Unsere Kinder verbringen oft eine komplette Arbeitswoche in einem Haus voller lauter, wuseliger Kinder. Mit teilweise fremden Erwachsenen um sich herum. Das ist anstrengend, unsere Kinder verbringen Höchstleistungen – egal wie alt sie dabei sind. Sie müssen sich wohlfühlen!

Ich hoffe einigen von euch mit meiner Liste helfen zu können.

Herzlichst, Antonia

4 Kommentare zu „Auf der Suche nach einer Kita – meine Fragen

  1. Wir haben ja Dank Geschwisterplatzregelung für Hannah einen Platz bekommen.
    Lukas oben hat einfach die besten Erzieherinnen sie es gibt.
    Aber bei Hannah ist nur noch Ärger.
    Wir und viele ander Eltern stehen sogar schon mit Eigenbetrieb Jugendamt und Aufsichtsbehörde in Kontakt.
    Da sind unzumutbare Zustände und keiner fühlt sich verantwortlich und zum Wohle der Kinder handelt da auch keiner.
    Und die einzige Erzieherin sie sich um die Kinder sorgt wird kategorisch rausgedrängt was ihr gesundheitlich nicht gut tut. Also stehen unsere Kinder da alleine da😢😒

    Weißt du noch Anlaufstellen für helfen könnten?
    Und fällt nur noch der Anwalt ein und sowas würde auch sich auch ewig hinziehen

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    1. Hallo Carolin! Das klingt wirklich unschön. Andere stellen gibt es neben Team, Leitung, Träger und letzten Endes Jugendamt meines Wissens nach nicht. Was immer nützlichsten sinnvoll ist, ist die Ursachen genau zu dokumentieren (genaue Uhrzeiten, anwesende Personen) und sachlich (leider ja, so sachlich wie möglich) was passiert. Manchmal kann die Leitung ja auch personelle Konsequenzen einleiten. Vielleicht besteht die Möglichkeit einen runden Tisch zu bilden, einfach ein offenes Gespräch mit neutralen Personen die vermitteln und für alle Seiten da sind. Ach Mensch, solche Situationen sind furchtbar und als Eltern ist man ja oft auf den Platz angewiesen! Halte mich bitte auf dem laufenden!

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      1. Es gab jetzt schon mehrfach Gespräche zusammen mit Jugendamt und Eigenbetrieb.
        Innerbetriebliche Konsequenzen gab es wohl auch. Aber in der Kita bleibt alles bestehen wie es ist.
        Die Erzieherinnen haben jetzt noch mal gesagt, dass sie sich um unser Vertrauen bemühen wollen und mehr zum Wohle der Kinder handeln werden…bleibt abzuwarten.
        Mein Vertrauen ist erstmal weg.
        Zum Glück merkt Hannah nix davon und ist so offen, denn sie geht jeden Tag gerne in ihre Gruppe rein.

        Aber so wirklich zufrieden bin ich nicht wie alles lief bzw läuft.
        Vom Eigenbetrieb und Jugendamt hätte ich mir mehr Hilfe gewünscht.
        LG 🌻

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      2. Das klingt doch nach guten Lösungsversuchen! Ihr wurdet angehört und es ist ja scheinbar auch personell was geschehen. Alles andere kommt wohl wirklich mit der Zeit. Beeindruckend finde ich, dass Hannah das so meistert und unvoreingenommen die Zeit in der Gruppe genießt! 👍🏻 manchmal hilft an dem vergangenen einen Haken zu setzen und dem neuen eine Chance zu geben, such wenn es Überwindung kostet. Ich drücke die Daumen!

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