Ausnahmezustand und Selbstreflexion | Grundsätzliches + Linktipps

Ausgehend für diese ausführlichen Worte, war mein Instagrampost (klick) vor einigen Tagen und die Frage von Nicole, was ich genau meine, wenn ich vom gleichberechtigten Umgang mit meiner Tochter spreche. Dabei ging es um DIESEN Post auf Instagram – ihr merkt, dort ist auch immer viel los (folgen lohnt sich also ;-)). Unten habe ich euch lesenswerte Blogs und Profile zusammengefasst.

Also möchte ich jetzt mal etwas grundsätzliches loswerden. Etwas über meine Reise, auf der ich mich befinde. Das passt aktuell ja ganz gut, haben wir doch Urlaubszeit. Während andere am Meer oder in den Bergen unterwegs sind, befinde ich mich auf einer Reise als Mama und als Mensch. Oft wird das ja getrennt betrachtet. Stichwort: ich bin mehr als „nur“ Mama. Das kann ich persönlich nicht unterschreiben. Für mein Empfinden ist das Mamasein eine weitere, und zwar richtig große und unwiderrufliche Facette meiner Persönlichkeit. Ich werde nie wieder nicht Mama sein können. Ich bin immer Mama. Was nicht heißt, dass diese Rolle immer ganz vorne steht. Obwohl, doch, irgendwie schon. Und da liegt – bei mir aktuell (und nein auch nicht immer!)-auch schon der Hase im Pfeffer begraben.

Ausnahmezustand

Auslöser für diese Worte hier war folgende Situation: Mein Mann und ich sind aneinander geraten und haben gestritten. Das passiert und ist halb so schlimm. Jedoch war es für mich in dieser speziellen Situation alles zu viel: Greta ningelt seit Tagen, klebt an mir (will auch kaum zum Papa) und ist nicht wirklich zufrieden zu stellen. So ist sie eigentlich nicht. Sie ist ein fröhliches, ausgeglichenes Kind, das kaum meckert – auch wenn sie langsam Bekanntschaft mit neuen Emotionen macht.(Nachtrag: Einen Tag später bekam sie hohes Fieber und das über ein paar Tage. Sie ist also einfach krank gewesen :-() Auf jeden Fall blafften mein Mann und ich uns gegenseitig an, das können wir nämlich auch mal ganz gut und nehmen uns dabei nichts. Und Greta ningelte – und ich? Hielt es von jetzt auf gleich nicht mehr aus und wurde laut. So richtig. (Was mich an DIESEN tollen,ehrlichen Beitrag von Sozialpädagogin Anja Pohl erinnerte.)

Und kurz darauf? Hätte ich heulen können. So will ich nicht sein und so will ich nicht reagieren und um das in Zukunft zu verhindern, muss ich verstehen, was da passiert ist mit mir und meiner Wut, die sich auf einmal so einen Weg gebahnt hat. Selbstreflexion heißt das Zauberwort, die manchmal verdammt schwer sein kann.

Ich will meinem Kind (und nicht nur ihr, sondern natürlich auch anderen Menschen)

Ausnahmezustand und Selbstreflexion
Ein Kind ist kein „halber Erwachsener“ sondern ein ganzer Mensch.

respektvoll und liebevoll gegenüber treten. Ich will ihr Zeit und Raum zum wachsen geben und nicht an ihr ziehen, sie erziehen wie ich sie für richtig halte, wie ich sie haben will. (Deswegen verzichten wir auch weitestgehend auf Bestechung in Form von Lob – aufschlussreiches dazu haben HIER das Gewünschteste Wunschkind und HIER Miriam verfasst.) Ich will ihr zeigen, dass sie gut ist wie sie ist. Das sie wertvoll und vollkommen ist. Ich will sie spüren lassen, wie kompetent sie ist. Ich sehe sie als vollwertigen Menschen, nicht als „halben Erwachsenen“. Sie ist ein Mensch, mit allen Rechten. So will ich sie auch behandeln – ich will sie nicht anschreien und ihr auch nicht zeigen, das so etwas „normal“ ist. 

Wie funktioniert das? Dieses harmonische und scheinbar endlos geduldige? Und weiß Gott ich bin einer der ungeduldigsten Wesen, die auf diesem Planeten wandeln. Fragt meinen Mann. Oder meine Mama. Bei meiner Tochter kriege ich es besser hin, weil ich mich ganz anders auf sie einlassen kann.

Deswegen schaffe ich eine Umgebung, in der nicht alles mit „nein“ betitelt werden muss (was auch mir vieles leichter macht), versuche die Welt aus ihrem Winkel zu betrachten (woher weiß ich, dass das Glas gleich überläuft, wenn ich noch mehr Wasser reinschütte? Weil ich es schon erlebt und probiert habe! Also darf sie das auch)

Mehr zur bejahenden Umgebung findet ihr in meinem Artikel über Babybeschäftigung HIER und HIER ganz ausführlich und wundervoll beschrieben bei Geborgen Wachsen.

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Ich versuche mir ständig vor Augen zu führen, was ihr Gehirn leisten kann und was nicht (Mein absoluter Lesetipp für alle (Groß)Eltern und Menschen, die mit Kindern zu tun haben findet ihr im Bild – draufklicken, kaufen/verschenken, Aha-Momente erleben!) ich versuche zu verstehen, was sie fühlen kann (nein sie wird lange noch nicht wissen, das es weh tut wenn Sie mir an den Haaren zieht).

Ich plane Zeit ein. Gehen wir beispielsweise gemeinsam einkaufen, planen wir immer mehr Zeit ein, als wir es früher getan hätten, damit unsere Tochter die Erfahrungen machen kann, die sie gerade braucht. Damit wir alle nicht in Hektik und mit Zeitdruck unterwegs sind, denn das stresst uns ungemein. (Ist kein zeitfenster da, kauft mein Mann allein ein.)

Worauf ich mehr achten muss

Und vor allem schaffe ich das, in dem ich auf MICH achte – eben so richtig  bedürfnisorientiert lebe. Und das muss ich dringend üben, denn hier bin ich richtig mies. Ich muss besser auf mich und meine Grenzen achten und sie einhalten. Denn sonst ist es wie gestern Morgen: Da bin ICH genervt, streite mit meinem Mann wegen Kleinigkeiten (weil wir beide lernen müssen wieder mehr auf uns zu achten!) und schreie auf einmal. Und bin kurz danach am Boden zerstört, weil ich so nicht sein will! Ich WILL das nicht! Manchmal fällt es mir verdammt schwer. ABER ich bzw. Wir tragen die Verantwortung dafür! Wir tragen die Verantwortung für die Beziehung zueinander und zu unserer Tochter. Wir tragen die Verantwortung für ihren Blick auf Beziehungen. Wir leben ihr vor, wie eine Beziehung aussieht.

Aus dieser Situation heraus wurde mir -vor allem im Austausch mit der liebenswerten bindannmalmama schlagartig bewusst, was mein Mann und ich seit 16 Monaten alleine leisten. Wir ziehen unser Baby allein groß, wir tun etwas, was eigentlich von der Natur nicht gedacht war: Wir verzichten auf den Clan, auf das Dorf, dass unser Kind mit großzieht. Dazu ist der Mensch nicht gemacht und immer mehr lerne ich die gute (!!!) Betreuung außerhalb der primären Familie zu schätzen: Großeltern, Tanten/Onkel, Freunde, Tageseltern… Meine Reihe zum Thema Fremdbetreuung findet ihr übrigens hier: Bindungstheorie, Bindung und Betreuung und die Erfahrungsberichte (die bald noch mit separaten Posts erweitert werden). (Wie schaffen das nur Alleinerziehende?! Ich habe den größten Respekt vor Alleinerziehenden und Eltern, die den Großteil des Tages/der Woche alles allein rocken!)

Schlusswort

Nein, es ist nicht immer alles Sonnenschein und Harmonie pur bei uns. Aber schon oft. Und in den anderen Phasen: Ja, da braucht es viel Arbeit und Selbstreflexion. Ich will meinem Kind so etwas nicht vorleben, das man zueinander laut wird. Nein – so will ich keine Beziehung führen. Klar kann man mal laut aufstöhnen und motzen – aber nie mit „DU“ Sätzen in diesem Kontext. Denn am Ende ist es MEIN Problem, egal worüber ich mich ärgere. Es ist MEINE Entscheidung wie ich damit umgehe und wie ich reagiere.

Ich habe noch viel Arbeit vor mir. Meine Reise ist noch lange nicht beendet – aber hier gilt wirklich „Der Weg ist das Ziel.“. Denn der Weg ist die Arbeit an mir, meiner Sicht auf die Welt, auf meine Mitmenschen (egal ob groß oder klein, jung oder alt) und mein Verhalten. Es ist Selbstreflexion und Selbstpflege in einem. Ich will mich nicht verdammen, aber ich möchte mich bessern und ein gutes Vorbild für mein Kind sein.

Am Ende ist es eine blöde Situation gewesen, die meiner Tochter jedoch hoffentlich auch positives vermittelt hat. Positives, wenn ich sie anschreie? Ja. Ich meine damit nicht, das ich super authentisch war. Denn ich kann auch wütend oder fertig sein und das zeigen OHNE so zu reagieren. (Ja das muss ich üben.)

Aber sie merkte: Mama hat einen Fehler gemacht (warum auch immer, ist erstmal egal), aber Mama hat sich entschuldigt: Meine Eltern machen Fehler und entschuldigen sich, erklären es und das kann einfach passieren.

Mein Therapeut (ja, den hatte ich. Warum? Könnt ihr Hier und hier nachlesen!) sagte mir mal, es gäbe nichts schlimmeres als Eltern, die zu 100% für ihre Kinder da und perfekt sein wollen. Eltern müssen auch an sich denken (er sprach von 60% für die Kinder, 40% für sich) UND er öffnete mir die Augen für das, was Kinder wirklich von perfekten Eltern lernen: Nämlich, das es keine Fehler gibt. Keine erlaubt sind. Und das Eltern für Kinder ein unerreichbares Ideal verkörpern – ganz schön gruselig, oder?

Es ist keine Schwäche, Schwäche zu zeigen. Es gilt als menschlich auch mal ungehalten zu sein. Aber es ist Schwäche diese Situationen nicht zu reflektieren, zu analysieren und Verantwortung für sich selbst und seine Beziehung zum eigenen Kind zu übernehmen!

In diesem Sinne, scheut euch nicht, euer Verhalten zu hinterfragen und zu analysieren und vor allem auch zu sagen: Ja ich habe einen Fehler gemacht und ich stehe dafür ein. Denn das wünschen wir uns doch auch von unseren Kindern – oder?

Herzlichst, Antonia

Wer mehr dazu lesen mag:

Warum es keine Intuition und Bauchgefühl gibt, sondern diese Begriffe auch nur unsere Erziehung widerspiegeln, könnt ihr HIER nachlesen.

Inspiration, Denkanstöße und praktische Hilfen finde ich immer wieder bei diesen tollen Blogs/Profilen, die ich euch ans Herz legen möchte!

Die Piepmadame ist schon längst kein Geheimtipp mehr.

Sara Kulka schreibt auf Facebook und Instagram immer wieder treffend, wie bedürfnisorientiert und unerzogen klappen kann.

Das Gewünschteste Wunschkind bietet Einblicke in die Entwicklung und gibt logische Gedankenimpulse für die Erziehung. (Das Buch könnt ihr auch super an Großeltern und Erzieher verschenken! 😉)

Geborgen wachsen zeigt wie es geht, von Anfang an.

Elternmorphose hat HIER dazu etwas geschrieben

(* dies ist ein affliate Link über das Amazon Partnerprogramm.)

2 Kommentare zu „Ausnahmezustand und Selbstreflexion | Grundsätzliches + Linktipps

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