Kommt da noch was? Gedanken zur Familienplanung

Gedanken zur Familienplanung

Aktuell scheint der Storch wieder sehr fleißig gewesen zu sein: Gefühlt jeder Zweite ist schwanger, auf Instagram verkündet eine Mama (oder Papa) nach der anderen, dass noch ein Baby in Anmarsch ist. Auch Mamas aus meinem Februarbus erwarten voller Freude ihr nächstes Baby. Ich freue mich sehr für sie alle: Jedes Kind ist ein Segen, ein Geschenk. Ich verfolge äußerst gern die Schwangerschaften, lese die Baby Bump Updates, schaue mir die Bauchbilder an. Noch lieber krame ich den vergangenen Wochen Bilder von meinem Baby heraus. Da sehe ich Bilder, wie Greta klitzeklein auf meiner Brust liegt, wie wir stillen, sie beobachten und uns alle gegenseitig bestaunen. Detailaufnahmen ihrer winzigen Nase, ihrer winzigen Händchen. Ich versinke in Erinnerungen von meinem Baby und Sehnsucht wallt in mir auf.

Als Greta ein paar Wochen auf der Welt war, langsam begann zu interagieren und die ersten Meilensteine nahm, hörten wir zum ersten Mal: „Wann kommt bei euch das Nächste?“ oder auch: „Wenn ihr jetzt ein Baby bekommt, ist der Abstand perfekt!“ Am Anfang habe ich es abgetan – es ist zu früh, Greta ist noch zu klein, sie braucht uns ganz für sich usw. Mit den Monaten häuften sich die Fragen. Oft kamen sie freundlich und mehr oder weniger direkt von vertrauten Menschen. Meine Mama pochte manchmal zu sehr darauf, bis ich irgendwann fragte: „Sind wir nicht genug? Ist Greta nicht genug?“. Doch, natürlich ist sie das und das weiß ich auch. So waren die Äußerungen von ihr auch nicht gemeint. Aber manchmal ärgerten mich diese Sätze über weitere Kinder und perfekte Alterskonstellationen einfach, egal von wem. Ich meine: Unser Kind war doch gerade erst geboren – wie kann man da schon an ein weiteres denken? Ich habe von anderen schon gehört, dass sie kurz nach der Entbindung an weitere Kinder dachten. Mir ging es aber einfach nicht so. Deutlich unangenehmer war es mir, wenn fremde Menschen fragten: „Wann kommt das Nächste?“. Das man innerhalb von Familie und Freunden solche Fragen stellt, kann ich irgendwo nachvollziehen. Da fragt man ja selbst manchmal. Obwohl ich mich mittlerweile mit solchen Fragen mehr als zurück halte. In unserem Freundeskreis sind im letzten Jahr einige Babys zur Welt gekommen: Bei keiner Familie habe ich bisher diese Frage gestellt und werde es auch nicht tun. Es geht mich ja auch nichts an, denn Kinderplanung ist privat. Das gilt in allen Räumen: Auch in sozialen Netzwerken oder dem engsten Familienkreis. Es obliegt uns als Eltern zu entscheiden, wann und ob überhaupt ein Baby kommen soll.

Ich frage meine kinderlosen Freunde auch nicht mehr, ob und wann Kinder geplant sind. Durch unsere Geschichte, und die viele anderer, weiß ich mittlerweile: Das kann nach hinten losgehen. Sowas kann gewaltig ins Schwarze treffen und richtig, richtig wehtun. Woher weiß ich, ob mein Gegenüber nicht gerade eine Hormonbehandlung begonnen oder eine zeitige Schwangerschaft in einer Fehlgeburt geendet hat? Jetzt könnte man meinen: Aber man spricht doch über so etwas! Hier fügt bitte ein „mööööp“ vom Falschbuzzer aus Quizshows ein: Nein. Über Kinderwunsch KANN aber MUSS man nicht sprechen. Beim Start unserer Hibbelzeit auf Greta wussten wir noch nicht, dass wir Unterstützung brauchen würden. Vor allem ich war es, die naiv dachte, dass es nicht schadet jeden einzuweihen: So konnten doch alle genauso gespannt sein und sich ganz bald mit mir freuen! Hier kommt nochmal das Geräusch vom Buzzer: Denn als die Probleme auftraten, mussten wir uns bald vor jedem erklären, warum es noch nicht geklappt hat. Wir wurden gefragt und fühlten uns gezwungen, uns zu rechtfertigen. Das tat einfach weh und war rückblickend betrachtet unnötig. Als ich damals in der Kinderwunschklinik vorstellig wurde, lag im Wartebereich ein Heft zu genau diesem Thema aus. Darin stand, man solle besser die aktive Planungsphase für sich behalten oder nur mit wenigen Menschen besprechen. Ich wünschte mir damals, dass ich das eher gelesen hätte. Denn dann hätte ich danach gehandelt. So wäre ich auch verletzende Sätze wie: „Ihr braucht noch kein Kind. Genießt jetzt noch euer Leben, bevor es zu Ende ist!“ (Merke Kinderkriegen = Todesurteil . Toll das so zu äußern, vor allem gegenüber jemanden, der Tabletten schlucken muss, um seinen Eiern auf die Sprünge zu helfen) verschont geblieben. Ich glaube, dass FALLS wir ein zweites Baby haben wollen würden, es auch so angehen werden: Für uns allein.

Warum wir (aktuell) komplett sind

Bevor Greta kam wollten wir beide zwei Kinder. Ich tendierte manchmal sogar zu drei kleinen Wundern. Ob wir uns das aber jetzt noch so ausmalen und vorstellen? Da kann ich ein ganz klares „Nein“ erwidern. Zurzeit können wir uns absolut kein weiteres Kind vorstellen. Wir fühlen uns komplett, so wie unsere Familie jetzt ist. Greta ist ein wundervolles Mädchen und es macht uns große Freude sie mit all unserer Kraft, Zeit und Aufmerksamkeit zu begleiten. Ich lasse absichtlich die Liebe aus, denn ich bin mir sicher dass Eltern mehrerer Kinder ihre Liebe nicht aufteilen, sondern für jedes ihrer Kinder eine ganz eigene Quelle voll von Zuneigung, Liebe und Hingabe haben.

Womit ich euch noch etwas zur vorhin genannten Sehnsucht sagen möchte: Ja, ich habe Sehnsucht nach einem kleinen Baby. Nämlich nach meinem kleinen Baby. Ich würde viel dafür geben, Greta noch einmal so zart und zerbrechlich in meinen Armen halten, an ihr riechen und ihre winzige Nase küssen zu dürfen. Sie hat es uns so unglaublich leicht gemacht. Alle Umstände waren einfach ideal: Mein Mann war viel zu Hause, in der Schwangerschaft konnte ich mich ausruhen, wir können den Tag absolut nach Greta und ihren Bedürfnissen ausrichten. Das wäre mit einem zweiten Kind oder einer zweiten Schwangerschaft nicht möglich. Denn sicher ist eins: Es wäre alles komplett anders, selbst wenn es gleich wäre. Denn wir haben die Verantwortung für ein aktives kleines Mädchen, die nicht verstehen würde, wenn Mama wochenlang vor Erschöpfung und Kraftlosigkeit rumliegen würde. (Ich bewundere alle Schwangeren, die es trotz Beschwerden schaffen ihre anderen Mäuse aufopferungsvoll zu umsorgen!) Wir haben dazu noch zwei Hunde, die auch betreut werden möchten. Und: Kein Baby ist wie das andere. Es gibt keinerlei Garantie, dass wir noch einmal mit einem solchen „Anfängerbaby“ beschenkt werden würden, das uns durchschlafen lässt und sich so toll entwickelt. Greta ist auch sehr sensibel und braucht uns. Sie wurde noch nie von jemand anderen betreut. Ein neues Familienmitglied wäre auch für sie in ihrer aktuellen Entwicklung ein zu krasser Einschnitt. Womit wir beim idealen Altersabstand wären. Wo ist der Buzzer hin? Drückt ihn bitte jetzt. Ich glaube diesen Abstand gibt es einfach nicht. Warum? Nunja, erstmal kann man Pläne schmieden, wie man möchte – das Leben hat andere. Das durften wir schon erfahren. Selbst wenn das PCO Syndrom gleich behandelt und mein Körper unterstützt werden würde, haben wir keine Sicherheit, dass es wirklich in einem von uns gesetzten Zeitraum klappt. Dann kenne ich durch meine Arbeit (und darüber hinaus) viele Geschwisterpaare bei denen kleine, mittlere und große Abstände jeweils absolut ungünstig, durchaus okay oder einfach traumhaft waren. Es gibt nicht DEN perfekten Abstand, genauso wenig wie es DIE Erziehungsmethode, DIE perfekte Geburt oder DEN perfekten Nussnougataufstrich gibt (Okay, letzteres war gelogen: Es gibt nur den einen!). Am Ende muss einfach jede Familie mit mehreren Kindern genau mit den Altersabständen leben, die sie nun mal „zugeteilt“ bekommen. (Natürlich gibt es auch Paare die es genauso hinbekommen, wie sie es sich vorgestellt haben.) Egal ob ein, zwei, drei oder sechs Jahre zwischen Geschwistern liegen: Es ist ja dann so, wie es nun mal ist und wird so optimal wie nur möglich gestaltet. Wir können aber aktuell einschätzen, dass es für unsere Tochter zu früh wäre uns teilen zu müssen.

Ich kann nicht in die Zukunft sehen, wer weiß, ob Greta noch Geschwister bekommt oder nicht. Fakt ist: Wenn uns danach ist, lassen wir es alle früher oder später wissen. Die Familie, Freunde, sicherlich auch den ein oder anderen in diesem Rahmen hier. In welchem Stadium das sein wird, werden wir dann sehen. Aber bis dahin bitte ich euch: Stresst uns nicht. Lasst uns unsere Zeit mit den vorhandenen Mäusen genießen und gebt uns nicht das Gefühl, dass jede Familie mindestens zwei Kinder braucht. Das brauchen sie nämlich nicht. Manche brauchen nicht mal eins. Manche sieben. Und das bedarf keinerlei Befragungen, Beurteilungen oder Kommentare.

Herzlichst, Antonia

(Dieser Artikel ist von 09/2016 und wurde vor 24h bei Eltern.de veröffentlicht.)

4 Kommentare zu „Kommt da noch was? Gedanken zur Familienplanung

  1. Huhu Toni,

    hätte ich gewusst,dass dich diese Frage eigentlich total nervt oder als zu indiskret gilt,hätte ich nicht gefragt. Ich bin einfach ein von Natur aus neugieriger Mensch. Ich frage, wenn mir danach ist und akzeptiere die Antworten. Jeder soll sich Wohlfühlen und glücklich sein, mit dem was man hat oder mit dem was man sich wünscht. Ich habe euch nie als unvollständig wahrgenommen, bloß hatte ich den Anschein, dass da noch ‚genug Liebe‘ (ich weiß nicht genau, Wie ich es am besten ausdrücken soll – ich hoffe, du verstehst mich trotzdem nicht falsch) für ein zweites Wunder wäre. Du gehst so toll in deiner Rolle als Mutter auf und das brachte mich halt zu dieser Frage.

    Ich wollte dir bzw. euch niemals zu nahe treten mit der Frage und bitte hiermit offiziell um Entschuldigung!

    Liebe Grüße Tori

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    1. Liebe Tori!
      Das bist du auch überhaupt nicht! Der Text ist wie gesagt bereis im September entstanden. Als wir die Situation hatten, hat es mich nicht gestört, sonst hätte ich anders reagiert! 🙂 ich fand es völlig okay und ich bin gerade sehr gerührt von deinem Kompliment! Danke! Ich gehe wirklich vollkommen darin auf ❤️
      Bis bald auf dem Spielplatz, meine Liebe! Ich drück dich!

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  2. Ich glaube, perfekter hätte man es kaum abschließen können. Ganz gleich ob eines, drei oder sieben Kinder.. was auch immer für die jeweilige Familie das Richtige ist, ist das, was zählt. Und diese Entscheidung geht niemand anderen etwas an! Und du glaubst gar nicht, wie oft auch ich mir gewünscht habe, meine Kinder nochmal als Babys zu erleben! Die Babyzeit geht einfach viel zu schnell vorüber!

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  3. Danke,dass du uns daran teilhaben lässt – so persönlich, wie dieses Thema für jeden einzigen auch ist.

    Ich kann deine Gedanken wirklich sehr gut nachvollziehen. Auch bei uns war es der Babypapa, der mich ernorm unterstützen konnte in dieser so zauberhaften, aber auch anstrengenden Anfangszeit. Gerade fühlt es sich im Strohwitwendasein nicht so an, als dass ich das Schöne, aber auch die „Belastung“ (zu negativ konnotiert, aber ein passender Ausdruck will mir gerade einfach nicht einfallen 😉 eines zweiten Babys zusätzlich zu unserem Hochsensibelchen nicht stemmen könnte bzw. wollte.

    Ich hoffe jedoch sehr, dass die Arbeit bald weniger unser Leben bestimmen wird und mein Wunsch nach einem zweiten Kind irgendwann – und das muss auch nicht jetzt sein- erfüllt wird… ❤

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