Manchmal trifft es 

…mich wie einen Schlag. Da ist der Tag doch eigentlich schön: Wir kuscheln und schlafen ausreichend, starten ruhig in den Tag, haben keine Aufgaben, keine Termine, keinen (Zeit)Druck. Wir können in den Tag hinein leben. Und doch bin ich am Abend einfach genervt und durch. Ich merke dann, dass ich irgendwie angespannt bin. Irgendwas in mir arbeitet, hindert mich an Gelassenheit und Geduld. Okay – Geduld ist eh nicht meine Stärke. Wirklich nicht. Heute hatte auch meine Tochter einen kurzen Geduldsfaden, ganz die Mama eben. Kinder spiegeln uns so oft. Der Morgen, oder viel eher Vormittag, verging also erst mit wimmern: Frühstück machen und essen, BadRoutine und Hunde versorgen mit Baby auf dem Arm. Absetzen war nicht drin. Das ist okay, sie brauchte das. Aber es ist manchmal einfach anstrengend einen Toast zu schmieren, die Hunde ruhig zu halten, bis wir raus gehen oder eben Zähne zu putzen und auszuhalten, dass Greta aber jetzt unbedingt meine Zahnbürste und nur diese möchte, wenn man dabei noch einen kleinen Menschen auf dem Arm balanciert. Dann erkläre ich „Ich sehe das du traurig bist, du willst unbedingt meine Bürste! Aber ich möchte das nicht. Es ist meine Zahnbürste. Hier hast du deine.“ Und versuche sie aufzufangen, ihr eine Alternative anzubieten. Irgendwann konnten wir gemeinsam den Haushalt erledigen: Aber sie wollte unbedingt die ganze Zeit dem Staubsaugerroboter begleiten. Der fährt allerdings auch über Kinderfüße. Also wieder erklären, auffangen, aushalten und sie überzeugen, dass wir raus gehen. Da ist sie ja immer sofort mit dabei. Draußen dann die nächsten: Während Greta im Wagen sitzt und alles beobachtet, will Kusko dort- und Escada dahin. Ständig muss ich schauen, ob auch ja kein fremder Hund kommt, Escada die Passanten anspringt oder der eine den anderen annullert. Entspannt spazieren geht anders. Also war die Runde kurz, ab nach Hause, die Hunde rein und kurz einkaufen. Und Greta? Sitzt gähnend und müde im Wagen, obwohl wir gerade mal zwei Stunden auf den Beinen waren. Dazu an der Kasse: Ein Junge, der so dicht hinter mir steht, dass ich seinen Atem im Nacken spüren kann. Sorry aber das ist zu nah.

Also ab nach Hause und aus den Klamotten raus. Die Hunde sind völlig aufgedreht, okay eigentlich nur Escada. Ich habe keine Ahnung wieso, aber aktuell treibt sie mich öfter in den Wahnsinn. Dann fühle ich mich schlecht dafür, sie kann nichts dafür. Sie ist nur ein Hund voller Lebensfreude – und kurz vor der Läufigkeit. Wir legen uns also zum Mittagsschlaf hin und ich denke noch: „Sie wird nur trinken und dann bestimmt erst gegen 15 Uhr schlafen.“ Aber sie schläft ein und ich? Ich schlafe mit ein. Also wird es nichts mit dem Versuch mich rauszuschleichen. Drei Stunden später wachen wir auf – Greta fit wie ein Turnschuh und ich? Völlig durch und verärgert, dass der Tag quasi an uns vorbei gezogen ist, ohne wirklich etwas erlebt oder gemacht zu haben. Es ist dieses Gefühl gewesen, nicht zu wissen in welchem Jahrhundert man aufgewacht ist.

Was für andere ein Traum ist, ist für mich mittlerweile oft nur noch anstrengend. Stundenlang im Bett liegen, sich nicht bewegen dürfen und gegen die Müdigkeit ankämpfen (hallo stillhormone!) um dann doch zu verlieren. Andere träumen von so viel Schlaf, wie Greta ihn täglich braucht. Und natürlich freue ich mich darüber! Ich bin froh und dankbar, dass schlafen nie ein Problem bei ihr war. Aber es wird oft nicht gesehen, dass es für mich eben auch anstrengend ist, weil ich immer  neben ihr liegen bleiben muss. Immer. Ich verbringe also einige Stunden Mittagsschlaf, den Abend und die ganze Nacht neben meiner oft stundenlang stillenden Tochter. Hier gibt es also keinen Feierabend für mich. Es gibt kaum Zeit für mich. Paarzeit? Haha! Das hatten wir seit dem Abend vor der Geburt nicht mehr. Zwar ist es auch schön und ich sage mir oft „Für mich sind es vielleicht zwei Jahre, die ich nicht etwas für mich machen kann. Für sie ist es so viel mehr und es wird schneller vorbei sein, als es mir lieb ist.“. Aber das hilft manchmal nicht. Manchmal würde ich gern abends mit meinem Mann vor dem TV sitzen oder mittags einfach mal ein Buch lesen. Oder etwas essen.

Den (restlichen) Nachmittag über waren wir draußen. Das war auch sehr schön. Sobald mein Mann kam, merkte ich aber, dass ich wieder seit dem Frühstück weder getrunken noch gegessen hatte. Und Frauen wissen was das heißt: #hangry . Während ich kochte, übernahm mein Mann die Kleine. Und beim Essen machte sie mich heut irre: alles flog im Sekundentakt vom Tisch. Ständig wurde gemeckert und der Unmut kund getan. Ich bin dankbar solche Situationen nicht allein aushalten zu müssen, sondern dann zu hören: „ich gehe mit ihr spielen, während du aufräumen kannst.“ Aber aufräumen ist keine Me Time. Und so spielen die beiden jetzt, während ich (natürlich nach dem aufräumen und sauber machen) in der Wanne sitze, tippe und mir blöd vorkomme. Ich hab es so gut: Meine Tochter schläft. Mein Mann nimmt sie sofort, wenn er nach 12 Stunden Arbeit heim kommt. Und ich? Ich sitze genervt da, halte mir den Kopf und sage:“ Ich möchte nur fünf Minuten Ruhe und Zeit für mich!“ Dabei meinen weder Greta noch die Hunde etwas böse. Sie sind einfach sie. Ich müsste in der Lage sein das alles auszuhalten und abzufangen. Aber manchmal nervt es mich meinen Körper nicht mal zehn Minuten für mich zu haben. Manchmal nervt es wenn man eine halbe Stunde für den Geschirrspüler braucht. Manchmal nervt es stundenlang im Bett zu liegen, verdammt zum nichts tun, weil Displays zu hell und CDs zu laut sind. Manchmal nervt es einfach. Und das darf es auch. Und manchmal darf man auch die badezimmertür zu machen und in der Wanne liegen, bis man schrumplig wird. Und ich bin dankbar, dass ich das kann, weil da jemand ist, der das genauso sieht.

Morgen ist schon wieder ein neuer Tag und da wird es bestimmt besser.

3 Kommentare zu „Manchmal trifft es 

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Ich sitze auf dem Sofa seit 11 Uhr. Der kleine Mann ist beim Stillen eingeschlafen und schlummert vor sich hin. Und ich? Ich sitze hier, kann mich kaum bewegen. Hab noch nix getrunken oder gegessen und müsste eigentlich mal zur Toilette. Aber all das kann warten. Wenn der kleine Mann wach wird, gibt es für ihn essen und dann gehen wir raus das schöne Wetter genießen. Vielleicht warten wir auch auf den Papa und gehen zusammen (je nachdem wann er Heim kommt).
    Ich bin ja froh, dass er schlafen kann. Mit seinem Schnupfen zur Zeit ist das keine Selbstverständlichkeit.
    Mein Nacken und mein Rücken schmerzen schon, aber was will man machen. Er liegt hier so friedlich.

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  2. Hach, du Liebe, solche Tage kennt jede Mami!! Und weißt du was, genau DESHALB ist richtige (!) Me-Time so unglaublich wichtig! Ich habe Freundinnen, die mir stets vorgauckeln, „Also, ich will meine Zeit ja immer mit meinem Kind verbringen. Ist doch das Schönste. Nö, Sport oder Freunde alleine zu treffen, das brauch ich nicht. Ich hab ja mein Kind, das ist mein größtes Geschenk.“ Ja, es ist unser größtes Geschenk, aber um es jeden Tag als solches sehen zu können, ist Me-Time hin und wieder einfach dringend nötig. Ich spreche da aus Erfahrung, als das Strohwitwendasein Me-Time nicht zuließ und nach tage-/ und schließlich wochenlanger Alleine-Betreuung einfach die Luft raus war.

    Inzwischen nutze ich daher – ganz eigennützig – jede Me-Time, die sich mir im voll gepackten Alltag bietet. Gerade schläft Mats und ich lasse die Wäsche neben mir liegen und sitze hier und durchforste endlich einmal mit Ruhe und Zeit (!!) deinen so liebevoll gestalteten Blog!!

    Und bzgl. des Schlafens kann ich dich voll und ganz verstehen: die ersten Monate ging es bei uns genauso. Schließlich habe ich den Schritt gewagt und die Schlafenszeiten wurden auch ohne daneben liegender Mama immer länger. Die Zeit, in der ich mit kleinem Lämpchen neben ihm verbrachte, werde ich dennoch nicht vergessen. Tu, was dir gut tut, liebe Toni! ❤

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    1. Hallo Liebes,
      Danke für deinen Kommentar!
      Für mich war es lange – ich glaube länger als für manch andere (und trotzdem auch kürzer im Vergleich zu wieder anderen)- das schönste die Zeit allein mit Greta zu verbringen. Dazu habe ich vor ewigkeiten schon einmal etwas geschrieben ( https://tandaradei.blog/2016/05/19/endlich-ich-zeit-fur-mich/ ) – oh es ist fast genau ein Jahr her!
      Mittlerweile merke ich eben, dass ich auch mal Pausen brauche. Ein Kleinkind zu betreuen ist eben etwas ganz anderes als ein Baby zu umsorgen und es ist und bleibt wunderschön! Trotzdem brauche ich jetzt doch auch mal Zeit, in Ruhe zu lesen, zu schreiben oder mit den Hunden allein etwas zu machen.

      Das Leben als Strohwitwe klingt echt hart – mein Mann ist dank seines Schichtsystems vergleichsweise viel zu Hause. Das genießen wir sehr.

      Das schlafen klappt seit ein paar Tagen immer mehr allein – und so sehr ich es ersehnt habe, umso komischer fühlt es sich aktuell an und ich bleibe trotzdem bei ihr liegen, obwohl ich aufstehen könnte..verrückt oder?! Ich brauche auch einfach Zeit mich zu „entwöhnen“ Bzw umzugewöhnen.

      Ich drück dich!

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