GB Wochenbettfragebogen: Von (Erwachsenen)Windeln und Glücksgefühlen

Auf Wickelunterlagen gebettet und mit Blicken voll Liebe bedacht
Heute ist die liebe fromsarahwithlv an der Reihe, von ihren #wochenbetterfahrungen zu berichten. Sie berichtet in gewohnter Art und Weise von ihrer Hausgeburt, Einflüssen des Sufismus auf ihr Wochenbett, sowie den nicht so schönen Seiten (Stichwort Wochenfluss und Pelzyeinlagen!). Danke für diesen charmanten, witzigen und vor allem ehrlichen Einblick in deine Wochenbettzeit! Nun lest selbst, wie es ihr erging. Vielen Dank, dass du mitgemacht hast und deine Erfahrungen mit uns teilst!
Bei diesen Gastbeiträgen habt ihr natürlich die Möglichkeit, Fragen in den Kommentaren direkt an die jeweilige Mama zu stellen! Die Beiträge wurden von mir nicht (nach)bearbeitet. Die Posttitel werden gemeinsam gefunden.
1. Stell dich bitte kurz vor!
Huhu – hier ist fromsarahwithlv, 23, Studentin in Elternzeit und meine Tochter ist im Mai 2016 geboren
2. Woher stammst du? (Herkunft, Kulturkreis)
Geboren in Berlin als Tochter eines zum Islam konvertierten Bayern und einer Berlinerin.
Aufgewachsen auf Zypern, in Berlin und in Bayern.
3. Bist du religiös geprägt? Wenn ja, wie?
Ich bin geprägt durch die deutsche Kultur und kenne dennoch Vieles aus dem Islam, im Speziellen des Sufismus. Im Islam bzw. in der Glaubensgemeinde meiner Eltern bleibt man 40 Tage nach der Geburt zu Hause. Man soll sich und das Kind vor dem bösen Blick und negativen Energien schützen. Die Frau ist noch „offen und wund“ nach der Geburt. Außerdem sagt man, das Neugeborene habe in den 40 Tagen noch eine Verbindung ins Paradies. Um diese reine Verbindung vor negativen Energien  zu schützen bleibt man zu Hause bzw. im Kreis der Familie.
4. Um das wievielte Kind geht es? Oder sind es sogar Mehrlinge?
Ich habe bisher nur ein Kind.
5. Hattest du eine Spontangeburt oder einen Kaiserschnitt? Wo wurde dein Kind geboren (Krankenhaus, Geburtshaus, zu Hause)?
Ich habe spontan, 5 Tage nach Termin ohne Einleitung und ohne Schmerzmedikation zu Hause in einem Geburtspool entbunden.
6. Wie waren deine Erwartungen/Vorstellungen an das Wochenbett? Hast du dich vor der Geburt damit auseinander gesetzt?
Ich war mir bewusst dass ich 40 Tage die Öffentlichkeit und den Alltagsstress und -trubel meiden werde. Mir war klar, dass mein Körper erst mal wieder zu Kräften kommen muss.
Ich wusste, dass man einen Wochenfluss haben wird und auch, dass es eventuell sehr stressig sein kann viel Besuch zu empfangen.
7. Wurde in deiner Familie über das Wochenbett gesprochen? War das vor der Geburt vielleicht mit deiner (Schwieger-)Mutter, Oma, Schwester, Tante, Cousine usw. ein Thema?
Ich habe mit meinen Eltern vor der Geburt gesprochen und mir und ihnen war sofort klar, ich würde versuchen die 40 Tage einzuhalten. Mir war es sehr wichtig stillen zu können, weswegen ich sämtlichen möglichen aufkommenden Stress vermeiden wollte und den Besuch auf ein Minimum reduzieren.
8. Wie waren deine tatsächlichen Wochenbetterfahrungen?
Ich hoffe das wird euch jetzt nicht zu intim aber ich möchte gerne ehrlich sein, die Zeit nach der Geburt ist eine sehr gewöhnungsbedürftige und ich wäre dankbar gewesen hätte man mich mehr auf die körperlichen Umstände vorbereitet. Mir war klar, dass ich Wochenfluss haben würde. In welchem Ausmaß das jedoch stattfinden würde, war mir jedoch nicht bewusst.
Ich glaube ich habe in meinem Leben noch nie so viel geblutet wie in den ersten Tagen des Wochenbetts.  Ich habe mich gefühlt wie ein abgestochenes Schweinchen! Die Pelzy Einlagen waren mein bester Freund und hatte stets eine einmal-Wickelunterlage dabei um auch ja keines der teuren Polstermöbelstücke einzusauen. Ich hatte glücklicherweise keinerlei Geburtsverletzungen. Daher hatte ich was dem Bereich unten herum angeht keinerlei Probleme oder Einschränkungen. Es hat sich jedoch alles sehr wund und taub angefühlt.
Fürs kleine Geschäft habe ich immer mit einer kleinen Gießkanne mitgegossen, da der Urin sonst sehr gebrannt hat (und das obwohl ich literweise Wasser getrunken habe). Andere Geschäfte haben etwas länger auf sich warten lassen, da, laut meiner Hebamme, der Darm sich erst mal neu sortieren muss und jetzt auf einmal viel mehr Platz im Bauch zur Verfügung steht. Nun ja was soll ich sagen, es fühlte sich an wie eine zweite Geburt. Sehr unangenehm kann ich euch verraten. Ansonsten hatte ich glaube ich nach 2 Nächten den Milcheinschuss und meine Brüste waren kurz vorm explodieren. Ich habe ohne Stillbh und -einlagen alles vollgetropft. Das Stillen war von Anfang an kein Problem für uns (zum Glück!!), an Milch hat es nicht gemangelt. Ich hatte das Gefühl noch mindestens 3 andere Kinder versorgen zu können so viel Milch hatte ich. Ein großes Thema war jedoch das Schwitzen. Ich habe die ersten Tage / Wochen so unglaublich viel geschwitzt. Beim Stillen besonders schlimm.
Ich sollte dazu sagen, dass ich im Mai entbunden habe und es bereits um die 30 grad warm war. Außerdem hatte mein Körper in der Schwangerschaft netterweise mehrere Liter Flüssigkeit eingelagert die den Körper ja auch irgendwie wieder verlassen mussten.
Diese Mischung aus Schwitzen und „Milchen“ war wirklich sehr unangenehm. Dauernd hat irgendein Kleidungsstück an mir geklebt, entweder weil die Stilleinlage bereits vollgemilcht war und alles an der Seite heraus lief oder weil mir permanent heiß war.
Damit verbunden habe ich im Wochenbett einen Durst verspürt den ich so noch nie erlebt hatte. Ich habe literweise stilles Wasser in mich hinein gegossen und hatte den Eindruck (vor allem beim stillen) ich kann gar nicht so viel trinken wie ich ausschwitze.
So, ich denke ich habe sämtliche Körperflüssigkeiten und den „ekligen“ Teil des Wochenbetts abgearbeitet. Kommen wir zu dem schöneren Teil. Ich hatte wie schon gesagt keinerlei Geburtsverletzungen und auch keine Wochenbettdepressionen. Ich schwebte auf einer rosaroten Wolke voller Glückshormone durch mein Wochenbett. Mein Freund hatte Urlaub und wir genossen die Zeit zu dritt sehr. Es war wie verzaubert. Der ganze Raum war voller Liebe. Einfach magisch! Meine Eltern waren oft bei uns zu Besuch und waren mir eine große Unterstützung im Haushalt. Ab und an durften auch Freundinnen uns besuchen kommen. Ansonsten habe ich diese entspannte Zeit des Nichtstuns sehr genossen. Ich war schließlich damit beschäftigt mein kleines Wunder den ganzen Tag zu betrachten. Glaubt mir ich war kurz vorm platzen vor lauter Glück. Wir haben uns in den ersten 40 Tagen doch auch mal aus dem Haus getraut und sind das ein oder andere Mal im Park spazieren gewesen. Jedoch nie in der Öffentlichkeit unter vielen Menschen. Ich hatte sofort das Gefühl mein Baby beschützen zu müssen und hätte sie am liebsten wieder in meinen Bauch gesteckt wenn sie doch jemand gesehen hat den wir nicht kannten.
9. Welche Dinge haben dich überrascht, schockiert, erschreckt? (Positive und negative Erlebnisse)
Ich hätte nie gedacht wie schnell sich der Körper von der Schwangerschaft erholt. Keine 2 Stunden nach der Geburt hatte ich das Gefühl an einem sportlichen Wettkampf teilnehmen zu können. Und das obwohl ich ein absoluter Sportmuffel bin. Das müssen wohl die Hormone gewesen sein. Ich fühlte mich auf jeden Fall unglaublich befreit endlich wieder meine Füße sehen, ja sogar berühren zu können. Und meine Symphysenschmerzen, die mich ab dem 5. Monat die ganze Schwangerschaft über begleiteten und mir das Leben wirklich schwer machten, waren wie weggeblasen! Ausserdem war ich erleichtert wie leicht das Stillen klappte. Ich hatte schon schreckliche Horrorgeschichten gelesen. Dafür schockierte mich die Menge an Blut die ich verlor umso mehr. Meine Hebamme meinte es sei alles völlig normal, aber auf diese Menge war ich einfach nicht wirklich vorbereitet. Auch dass die Blutung ungefähr einen Monat anhielt (natürlich deutlich schwächer werdend) empfand ich nicht unbedingt als angenehm. Man hatte mir außerdem gesagt „durchs Stillen wird man sofort schlank“ – eine der größten Lügen des Mamaseins was mich angeht. Ich hatte gehofft nach der Geburt schnell auf mein Ausgangsgewicht zu kommen, war davon jedoch meilenweit entfernt und das Gewicht ging erst laaaaangsam runter, weit nach dem Wochenbett, als ich mit Kangatraining begann. Ich hatte einige Schwierigkeiten mich ohne Baby im Bauch im Spiegel zu erkennen.
Ich kam mir das ein oder andere Mal vor, als wäre ich nun eine leere Hülle und hätte „meinen Job getan“ nämlich unser Baby austragen und gebären. Mein Körper hat leider unter der Schwangerschaft, obwohl ich doch recht jung Mutter wurde, sehr gelitten. Ich habe viele Schwangerschaftsstreifen bekommen, vor allem in den letzten zwei Wochen der Schwangerschaft, was mich nicht unbedingt glücklich gemacht hat. Die Wassereinlagerungen wollten nur langsam wieder weichen und der Bauch war noch da. Nur eben eine leere Hülle die jedoch weiterhin hartnäckig in keine normale Hose passen wollte. Das Thema Kleidung ist außerdem erwähnenswert. Zu Hause musste ich mir ja zum Glück nicht solche Gedanken machen, aber grundsätzlich fühlte ich mich doch sehr eingeschränkt immer darauf achten zu müssen ob meine Kleidung stillfreundlich war. Ich hatte mich gefreut nach der Schwangerschaft schnell wieder meine normalen Kleider anziehen zu können. Dem war leider nicht so. Zum Einen passte ich in so gut wie nichts in meinem Schrank rein und das was passte war dann meist nicht stillfreundlich oder für den Sommer nicht geeignet.
10. Wie haben sich die Besuchersituationen gestaltet? (Kennenlernen, „Präsentieren“)
Mein Freund und meine Mutter waren bei der Geburt dabei. Daher passierte das erste „Präsentieren“ noch während der Geburt. Kurz darauf kamen mein Vater und meine Schwiegermutter unser Neugeborenes bewundern. Für mich war es das Natürlichste der Welt unser neues Mitglied in der Familie vorzustellen. Jedoch wollte ich meine Kleine eigentlich niemandem geben sondern sie selbst den ganzen Tag im Arm halten und anschauen. Die Vorstellungen bei unseren Freunden und engeren Bekannten (der ausgewählte Kreis, der die unsere kleine Maus sehen durfte und der vor allem auch mich im Wochenbett sehen durfte, ungestylt und ungeschminkt, blutend ) verlief gut und problemlos. Jedoch war mir da der Zustand mit dem andauernden Wochenfluss sehr unangenehm. Da ich die erste im Freundeskreis bin die ein Baby bekommen hat, wussten die meisten gar nichts von der Blutung. Ich hatte Angst ich würde auslaufen. Aber zum Glück wurde die Blutung nach gut einer Woche weniger, sodass ich mir normalen Binden gut zurecht kam. Ausserdem fühlt man sich im eigenen Zuhause auch immer sicherer und geschützter als draußen.
11. Was hättest du dir im Nachhinein anders gewünscht? Was würdest du ändern, wenn du es könntest? Was möchtest du beim nächsten Kind anders machen?
Ich denke ich würde alles noch mal so machen. Ich war sehr glücklich über mein Wochenbett.
Ich weiß jedoch nicht wie sich die Situation mit einem größeren Kind, welche beschäftigt werden möchte und in die Kita / Schule gebracht werden muss verhalten wird. Hat man überhaupt die Möglichkeit 40 Tage zu Hause zu bleiben? Ich möchte es auf jeden Fall versuchen. Mir tat die Zeit zu Hause sehr gut. Das nächste Mal bin ich ja auch vorbereitet was für körperliche Veränderungen auf mich zu kommen.
12. Kannst du deine Wochenbetterfahrungen zu einem älteren Kind vergleichen? Wenn ja, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gab es?
Nein da dies mein erstes Kind ist. Aber ich würde es wieder so ähnlich machen.
13. Was möchtest du anderen Mamas sagen, vielleicht sogar zum Thema Wochenbett raten?
Nehmt euch die Zeit mit eurem Neugeborenen. Diese Zeit des Wochenbetts ist magisch und ihr tut euch und eurem Baby einen Gefallen euch von der Geburt zu erholen und den neuen Erdenbürger nicht sofort in den hektischen stressigen Alltag mitzunehmen. Sagt euren Freunden und der Familie im Vorfeld, dass ihr die Zeit zu zweit/ dritt genießen wollt und niemand es persönlich nehmen soll. Lasst den Haushalt Haushalt sein. Da kann einem auch ruhig mal das Schwiegermonster unter die Arme greifen  😉 Ihr seid nur für euch und euer Baby zuständig. In der Zeit nach der Geburt ist das Wichtigste, dass es Mutter und Kind gut geht. Die Zeit des Wochenbetts verfliegt so schnell und man bekommt sie nie wieder zurück. Es müssen keine 40 Tage zu Hause sein, aber ich kann jeder werdenden Mama nur ans Herz legen: geht die Sache langsam an und nehmt euch alle Zeit der Welt euer Baby in euren bisherigen Alltag zu integrieren und genießt die Kuschelzeit zu Hause!

 

Ein Kommentar zu „GB Wochenbettfragebogen: Von (Erwachsenen)Windeln und Glücksgefühlen

  1. Sehr schön geschrieben! Leider ging mein Wochenbett unter, da ich ja mit meinem Frühchen in der Kinderklinik war.. aber freue mich für dich, dass ihr so eine tolle Zeit zusammen hattet!! Lgs Sarina (juchu_hoch3)

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s