Der erste Geburtstag – von Wehmut, Stolz und Partyplanung

Oft habe ich in den letzten Monaten von vielen gehört: „Mein Baby wird groß!“, wenn es um Erlebnisse wie Beikosteinführung, alleine (Ein-)Schlafen, Fremdbetreuung und ähnliches ging. Viele Entwicklungsschritte werden scheinbar als  Meilensteine gesehen, die die Kleinen unaufhaltsam in ihr eigenes Leben hinaus und damit in die Eigenverantwortung, Unabhängigkeit und schlussendlich weg von uns Eltern tragen. Mir ist das weder mit der Beikosteinführung, nach dem Krabbeln in den Sinn gekommen. Greta ist nicht groß – sie ist noch immer ein Baby. Und das noch eine ganze Zeit lang. Was natürlich nicht bedeutet, dass sie keine Entwicklung durchmacht und, ja sind wir ehrlich, seit ihrer Geburt doch ein kleines Stück gewachsen ist. (Hier dürft ihr ein verweintes „mimimi“ einfügen, und euch vorstellen wie ich mit ihrer Babydecke und ihrem kleinsten Body in den Armen da sitze.) In diesem Jahr ist viel passiert, aber sie ist und bleibt ein kleines Kind, irgendwo zwischen Baby und Kleinkind, jedoch ganz weit weg davon groß in diesem Sinne zu sein, auch wenn sie großartig ist. Vor fast genau einem Jahr, habe ich mich vonmeiner Schwangerschaft verabschiedet (Klick)   und war voller Vorfreude auf unser Kind, ich konnte es kaum noch aushalten.

Hier und jetzt (genauer gesagt seit einigen Wochen) spielen meine Gefühle und Gedanken wieder verrückt:

Ich bin so, so unendlich stolz auf mein Kind. Einfach weil sie sie ist: Sie ist nämlich unglaublich (Ja, darin sind sich alle Eltern einig, wenn es um ihre Sprösslinge geht. Und ich versichere euch: Wir alle haben recht!) In diesem Jahr, seit dem sie Luft atmet, wir sie anfassen, ansehen, streicheln und knutschen können, ist so viel passiert und es ist wie im Zeitraffer an uns vorbeigerauscht. Das klingt abgedroschen, und ist es wohl auch. Aber vor allem ist es wahr.Es ist unfassbar, dass es bereits ein Jahr her sein soll, an dem wir diese unglaubliche Geburt zusammen erlebten.(Den Geburtsbericht findet ihr hier.) Ich denke mit Ehrfurcht an das zurück, was wir damals erlebt haben. Es ist unfassbar, was anschließend alles passierte: Ihr Leben passiert(e) – jeden Tag. Es ist unglaublich, was Greta alles gelernt hat. In diesem ersten Lebensjahr geschieht so erschreckend viel und sobald jemand die Pause Funktion für Eltern erfindet, da bin ich mir sicher, wird diese Person (und sämtliche nachfolgenden Generationen) ausgesorgt haben. Vor allem war es ein Jahr bestimmt durch unser Baby, durch ihre Bedürfnisse. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern – Greta ist und bleibt das Wichtigste in unserem Leben und wir möchten ihre Bedürfnisse stillen und tun dies wiederum auch für uns. (Hallo Lieber „Aber das Kind wird doch damitverwöhnt!“- Anhänger. Du darfst gerne HIER klicken und den Unterschied zwischenBedürfnissen, Wünschen und den Fähigkeiten von jungen und älteren Menschendamit umzugehen lernen. Viel Freude dabei – der Text ist echt gut!)

Greta lernt täglich dazu, wächst über sich hinaus, ist offen, schenkt (fast) jedem eines ihrer wunderschönen Lachen, entdeckt mutig die Welt, eignet sie sich an, erforscht ihre Selbstwirksamkeit und beobachtet (wie vom ersten Moment an) aufmerksam, was um sie herum geschieht.
Kurz: Sie ist so sicher in ihrem Sein, einfach so, so glücklich.
Zu mindest empfinde ich das genau so – und so wird es uns gespiegelt. Das erfüllt mich auch mit Stolz auf uns als Eltern. Denn unsere Elternschaft jährt sich nun erstmalig und auch wir haben eine Menge gelernt, unsere Blicke geweitet, Grenzen verschoben und erfahren, was für uns wirklich wichtig ist: Unser Kind und unsere Familie.
Neben diesem Stolz auf unsere Tochter sitzt die Wehmut auf meiner Brust: Mein Baby wird tatsächlich groß und größer. Unaufhaltsam dreht sich das Rad der Zeit und reißt uns mit sich. Die Augenblicke kommen und vergehen so schnell und auch wenn manch anstrengende Stunde hinter uns liegt, in der wir uns nichts mehr als den nächsten Tag herbei gesehnt haben, würde ich gerne vieles noch einmal kurz erleben, in bestimmte Kapitel hinein sehen und dorthin zurück spulen. Greta entwickelt sich rasant und bewegt sich – und sobald Kinder sich allein bewegen, führen sie diese Bewegungen von ihren Eltern weg. In kleinen und großen Schritten. Kinder vergrößern ihren Radius, ihre Freiheiten und finden heraus, was sie antreibt und bewegt. Das ist gut, richtig und der Lauf der Dinge. Doch ist es seltsam und etwas, mit dem ich umzugehen lernen muss. Dafür habe ich auch noch einiges an Zeit, denn zum Glück wird sie nicht morgen ihren eigenen Weg beschreiten. An manchen Tagen fliegen die Stunden vorbei und ich will die Momente in Stein meißeln, um mich auch noch in zehn, zwanzig und fünfzig Jahren daran erinnern zu können, wie groß Greta gerade ist, wie sich ihr Plappern anhört oder ihr Gesicht aussieht wenn sie lacht. Ich habe manchmal das Gefühl das vergangene Jahr schon fast wieder vergessen zu haben, dass mir so viele Momente nicht mehr einfallen oder mir die Vorstellungskraft fehlt. Manchmal kommt dann ein Augenblick, wenn sie schlummernd in meinen Armen liegt, da sehe ich wieder wie klein sie doch noch ist. Wie sehr sie mich braucht und ich sie. Ich liebe sie so sehr und ich liebe es, ihre Mama sein zu dürfen. In diesen Augenblicken fällt mir wieder auf, dass ich mich kaum mehr erinnern kann, wie klein sie tatsächlich einmal war. Wie klein waren ihre Hände? Ich halte den Body an sie und kann nicht begreifen, dass sie dort einmal reingepasst haben soll. Ich betrachte ihre Hände und Füße, ihr Gesicht, ihren Bauch, einfach alles und kann es nicht begreifen. Ich glaube das Gefühl kennen alle Eltern und wenn ich mit meiner Mama darüber spreche und ihren Blick sehe, muss ich schlucken. Wie werde ich mich fühlen, wenn Greta mir erwachsen gegenüber sitzen wird? Werden wir dann weiter so vertraut sein wie jetzt oder so vertraut wie meine Mama und ich? Unsere Beziehung wird sich im Laufe der Jahre entwickeln und verändern. Ich bin gespannt darauf und habe doch auch Angst, was alles passieren wird oder geschehen kann.
Jetzt ist sie so groß und großartig ❤

Dann erinnere ich mich an den aufregenden Tag, als ihr Nabel abfiel, als sie uns das erste Mal bewusst angelächelt hat, an die ersten Hundeküsse für sie, an meine Angst vor die Tür zu gehen. Ich erinnere mich an diesen furchtbaren Krankenhausaufenthalt, der mich immer noch heulen lässt und mir die Luft abschnürt. Ich erinnere mich daran, wie sie Blumen erkundet, im Wasser planscht, an ihr Lachen noch gänzlich ohne Zähne und wie sie auf meiner Brust eingeschlafen ist. An den Duft von ihrem Haar und wie sie in der Trage bei meinem Mann schlummert, während er Wäsche aufhängt. Ich erinnere mich an viele, viele wundervolle Momente, die wir gemeinsam durch sie und mit ihr erleben durften. Und in diesen Momenten halten sich Wehmut und Vorfreude die Waage: Wehmut darüber, dass diese Zeit so nie wieder kommen wird. Sie wird nie wieder so klein sein, nie wieder noch in ihre Haut wachsen müssen und leider, leider wohl nie wieder beim Wickeln ruhig liegen bleiben! 😉 Wehmut darüber, dass wir all diese Zauber vielleicht nie wieder erleben werden. Und dann drängt sich die Vorfreude auf, wenn ich auf die Bilder von Greta und ihren Cousinen sehe. Sie wird bald nur noch laufen wollen und weiter Neues lernen. Da warten noch so viele erste Male und Augenblicke auf uns, die unglaublich sein werden. Sie wird mit ihren Cousinen und Freunden spielen, streiten, sich versöhnen. Sie wird malen, auf Bäume klettern, mit den Hunden los flitzen. Sie wird singen, tanzen, Filme schauen und weinen. Es werden so viele tolle Dinge passieren. Und ich werde sie begleiten, egal was ist, ich werde versuchen für sie da zu sein, sie ernst zu nehmen und ihr Halt zu geben. Die Tage werden sich manchmal ziehen wie Kaugummi und an anderen werden wir denken, dass die Welt sich schneller dreht. Sicher werden wir nicht nach jedem Tag sagen können: „Oh es war alles so schön!“ aber hoffentlich werden wir in jedem einen Moment finden, der uns Wärme schenkt.

Doch jetzt, für diesen Moment, ist sie noch unser kleines Baby. Und das wird sie auch noch an ihrem ersten Geburtstag sein, auf den ich mich mittlerweile sehr freue. Ich bin unglaublich froh und fühle mich gesegnet dieses vergangene Jahr so erlebt haben zu dürfen und an dem Leben eines großartigen, wenn auch noch kleinen, Menschen teilhaben zu dürfen.
Da ich eine Frau bin (oh oh Genderklischees!) hilft mir auch die Partyplanung. Doch dazu möchte ich euch an einem anderen Tag mehr berichten. Jetzt schnappe ich mir meine Maus, solange sie noch genau so klein ist wie in diesem kostenbaren Augenblick. Habt es fein, liebe LeserInnen!
Herzlichst, Antonia

2 Kommentare zu „Der erste Geburtstag – von Wehmut, Stolz und Partyplanung

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