Gastbeitrag Wochenbettfragebogen: Von Notkaiserschnitt und großer Hilfe

Heute startet eine Reihe von besonderen Gastbeiträgen. Ich durfte Mamas einen Fragebogen zum Thema Wochenbetterfahrungen zusenden. Alle hatten dieselbe Ausgangssituation, jedoch haben die Befragten ihre ganz individuellen Erfahrungen gemacht und eigene Worte gefunden, diese mitzuteilen. In den nächsten Wochen findet ihr jeden Mittwoch einen dieser ausgefüllten Fragebögen. Wenn ihr selbst eure Erfahrungen mitteilen möchtet, könnt ihr gern eine Mail an mich schreiben!
Den Anfang heute macht Anni mit ihren bewegenden Erfahrungen zwischen Notkaiserschnitt, Unverständnis und großen Gefühlen. Sie und ihre Tochter hatten einen beängstigenden Start…
Die Beiträge wurden nicht von mir (nach)bearbeitet.

Annis kleine Tochter ❤

1. Stell dich den LeserInnen bitte kurz vor!

Ich bin Anni, 27 Jahre alt und habe im Juni 2016 meine erste Tochter geboren. Sie ist ein kleines, süßes, wundervolles, aufgewecktes Mädchen, ein absolutes Wunschkind.
2. Woher stammst du/deine Familie? (Herkunft/Kulturkreis)
Wir kommen aus Deutschland, wir wohnen im recht ländlichen Bayern in einem kleinen Dorf.
3. Bist du religiös geprägt? Wenn ja, wie?
Ich komme aus einem gläubigen Elternhaus und wurde christlich erzogen
4. Von deiner wievielten Geburt berichtest du? Waren es Mehrlinge?
Ich berichte von meiner ersten Geburt, eine Tochter.
5. Spontangeburt oder Kaiserschnitt? Wo wurde dein Kind geboren (Krankenhaus, Geburtshaus, zu Hause)?
Ich habe mich für die Geburt für ein kleines Krankenhaus entschieden. Dort hatte ich meine eigene Beleghebamme und meinen Frauenarzt, der zu jeder Tages-und Nachtzeit gekommen wäre/ist. Das war mir wichtig. Meine Geburt verlief leider nicht so schön wie ich mir das ausgemalt hatte, es musste ein Notkaiserschnitt in Vollnarkose durchgeführt werden, da sich die Plazenta meiner Tochter während der Geburt vorzeitig ablöste. Innerhalb weniger Minuten war sie da und ich sah sie das erste Mal, als sie schon über eine Stunde alt war.
6. Wie waren vor der Geburt deine Vorstellungen vom Wochenbett? Gab es überhaupt welche?
Ich hatte recht wenige Vorstellungen vom Wochenbett. Es würde wohl eine Zeit sein, in der wir einfach in den Tag leben, in Ruhe unsere Tochter kennenlernen können. Ab und zu würden wir Besuch bekommen und uns einfach gemütlich aneinander gewöhnen. Also eher so durch die rosarote Brille.
7. Gibt es in deinem Herkunftsland/deiner Religion dir bekannte Wochenbetttraditionen? Wie sehen sie aus?
Nein, ich kenne keine bekannten Wochenbetttraditionen.
8. Wurde in deiner Familie über diese Zeit vor der Geburt gesprochen? Wurden Erfahrungen geteilt?
Über diese Zeit wurde eher weniger gesprochen und auch keine Erfahrungen geteilt. Ich selbst habe mir aber darüber ja auch zu wenige Gedanken gemacht beziehungsweise dem Wochenbett vorher nicht so viel Beachtung gegeben.
9. Wie waren deine tatsächlichen Wochenbetterfahrungen? Wie lange hast du es eingehalten?
Durch die Geburt war ich physisch sowie psychisch stark angeschlagen. Ich wollte weder raus, noch irgendwelche anderen Menschen sehen, außer meinen Mann und mein Baby. Wir lagen viel im Bett oder auf dem Sofa, mein Mann versorgte mich mit Essen und Trinken. Unsere Tochter hat am Abend und nachts viel geschrien, ich war einfach nur fertig und müde, konnte oft nicht mehr, ich war froh das er da war. Ich habe mich oft selbst so schlecht gefühlt und konnte die Zeit mit meiner Tochter gar nicht so genießen. Mich hat der Ablauf der Geburt regelrecht erdrückt, ich musste ständig darüber nachdenken und darüber weinen. Geholfen haben mir offene Gespräche mit meiner lieben Hebamme. Das war auch die einige Person, die ich während des Wochenbettes gerne empfangen habe. Meine Tochter wurde wohl genau wie ich regelrecht überrumpelt von der Geburt und so brauchte auch sie einige Zeit, um hier anzukommen. Eingehalten habe ich das Wochenbett tatsächlich 8 Wochen, bis ich mich wieder besser gefühlt habe. Ich war froh, dass mein Mann, die komplette Wochenbettzeit mit uns zuhause sein konnte. Einerseits wegen der Schmerzen, die wirklich fies waren und andererseits, weil ich gefühlsmäßig einfach sehr labil war und von ihm immer Unterstützung bekam.
10. Welche Dinge haben dich überrascht oder beeindruckt? (Positive und negative Erlebnisse; Körperverfassung, Bindungsentwicklung, Emotionen, Verhalten anderer…)
Mich hat überrascht, dass uns doch recht wenig Verständnis entgegengebracht wurde, darüber, dass wir die ersten Wochen für uns sein wollten, und das hat mich auch teilweise sehr traurig gemacht. Viele verstanden nicht, warum wir noch keinen Besuch wollten, warum es mir so schlecht ging. Mir müsste es doch gut gehen, ich hatte doch jetzt eine wundervolle, kleine, süße Tochter.
Außerdem dachte ich nicht, dass es mich psychisch so mitnimmt. Klar, die Hormone tun ihr übriges, aber ich war doch eigentlich nicht so eine „Heulsuse“.
Die körperliche Verfassung war durch den Kaiserschnitt natürlich alles andere als gut. Die starken Schmerzen und die Bewegungseinschränkung prägten mein Wochenbett. Daher war für mich das Wochenbett wirklich wichtig, um wieder auf die Beine zu kommen.
11. Was hättest du dir anders gewünscht? Was würdest du jetzt anders machen?
Ich hätte mir gewünscht, mehr Verständnis von anderen zu bekommen. Das wir es so machen können, wie es für uns passt. Ohne ein schlechtes Gewissen gemacht zu bekommen.
Ich wäre gerne psychisch nicht in so ein Loch gefallen nach der Geburt, aber das konnte ich nicht wirklich beeinflussen. Durch tolle Unterstützung bin ich da aber auch gut wieder herausgekommen, worüber ich sehr froh bin.
12. Kannst du deine Wochenbetterfahrungen zu einem älteren Kind vergleichen? Wenn ja, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gab es?
Nein, das kann ich nicht.
13. Was möchtest du anderen Mamas sagen, vielleicht sogar zum Thema Wochenbett raten?
Man sollte im Wochenbett auf seinen Körper, seine Gefühle und Bedürfnisse hören und es so machen, wie es für einen selbst am besten ist. Lieber einmal zu viel ruhen, als zu wenig. Es heißt nicht umsonst Wochenbett. Einfach sich Zeit für sich, seinen Körper, und die Familie nehmen und ganz besonders für das kleine Menschlein, was jetzt dazugehört.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s