Gastbeitrag Kinderwunsch: Jahrestag. 4 Jahre unerfüllter Kinderwunsch

Das Thema „unerfüllter Kinderwunsch“, generell die „Problematik“ Kinderwunsch, beschäftigte uns selbst einige Zeit. Was bei mir los war und wie sich das angefühlt hat, könnt ihr HIER  und HIER nachlesen . Neben den persönlichen Schicksalen im Forum, im Freundes- und Bekanntenkreis, folge ich auch einigen KiWu Kämpferinnen auf Instagram. Einige Geschichten berühren mich sehr und ich verfolge sie mit Spannung und der Hoffnung, dass diesen Paaren endlich ihre Wunder geschenkt werden. Da es so viele verschiedene Schicksale gibt, habe ich mich entschieden diese kleine Reihe von Gastbeiträgen zu starten. Sie alle vereint das Thema „Kinderwunsch“. Wenn ihr etwas dazu schreiben und hier veröffentlich wollt, schreibt mir bitte eine E-Mail.
Die unglaublich starke KIWU.JOURNEY (Instagram Account) hat ihren bisherigen langen und unglaublichen Weg für mich und euch hier zusammengefasst. Es ist unglaublich, wie stark sie und ihr Partner sind, was sie alles auf sich nehmen und ich wünsche von Herzen, dass das Ende ihrer Reise bald in Sicht ist. Ich möchte mich nochmals herzlich für diesen persönlichen und sehr emotionalen Artikel bedanken.
4 Jahre unerfüllter Kinderwunsch

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich in einem Forum Online nach Gleichgesinnten zum „Hibbeln“ suchte. Mein Mann und ich hatten uns entschieden die Pille abzusetzen. Wir hatten uns entschieden eine Familie zu gründen. Und wie das bei Entscheidungen nun einmal so ist, sollte das gewünschte Ziel auch sofort erreicht werden. Dass dies haufenweise funktionierte, zeigte sich tagtäglich. So träumte ich von dieser wunderschönen Zukunft, die mir vorgelebt wurde. Mit jedem weiteren Monat wuchs die Ungeduld. Währenddessen verstaubte mein kleines Geschenk an den Mann zum positiven Test im Regal.

Eines Tages verklickte ich mich beim Scrollen im Forum und landete in einer Rubrik „Unterfüllter Kinderwunsch“ mit der Untergruppe „Langzeitkinderwunsch“. Bis dato hatte ich mir niemals träumen lassen, dass tatsächlich so viele Frauen dort unterwegs waren, teilweise so unglaublich lange auf die Erfüllung ihres größten Wunsches warteten. Etliche Frauen berichteten von all ihren Maßnahmen, ihren harten Kämpfen für das ungeborene, ja noch nicht einmal gezeugte Kind. Die meisten Frauen kämpften diesen Kampf seit mehreren Jahren. Jahren! Ich war erschrocken, verängstigt und plötzlich schämte ich mich für meine Quengelei nach wenigen Monaten des Übens. Ein Gefühl dominierte: Mitleid. In meinem Kopf spielte sich in schneller Geschwindigkeit ein Film ab, wie sich diese Jahre anfühlen müssen, wie die Paare leiden mussten. Auch Fragen kamen hoch: Wie kann es soweit kommen? Ich fühlte regelrecht den Schmerz und die Verzweiflung der Paare. Ich spürte eine sehr große innere Leere.
Dieser Tage jährt sich der Kinderwunsch von meinem Mann und mir zum 4. Mal. Ja, ich bin nun eine dieser Frauen. Und ja, die Leere ist unfassbar groß.
Wo Leere ist, da ist neben einer großen Portion Angst, Schmerz und Verzweiflung aber auch einiges an Hoffnung. Immernoch, tatsächlich. Woher diese kommt? Manchmal weiß ich es selber nicht genau. Womöglich hat einen großen Anteil daran, dass ich versuche nie zurück zu schauen. Das Ziel stets vor Augen, denn es liegt nicht in der Vergangenheit, sondern vielleicht schon direkt zum Greifen nahe. Wenn ich mir einen Blick in das Geschehene erlaube, erinnere ich mich an dieses mitleidige Gefühl von damals…
Etwa ein Jahr nach Absetzen der Pille erfuhren wir von der Zeugungseinschränkung meines Mannes. Auf natürlichem Wege sei hier nichts zu machen. Genau so kann es sein und ist es bei so unglaublich vielen Paaren. 1 von 7 Paaren ist ungewollt kinderlos und nun waren wir dieses eine Paar. Das sind diese Momente, in denen man felsenfest meint, es ginge niemals schlimmer. Der Schmerz könnte nie größer sein. Doch es kam schlimmer und der Schmerz wurde größer. Eine künstliche Befruchtung (ICSI) nach der anderen scheiterte kläglich. Immer und immer wieder vom Glücksgefühl, dem „ein bisschen schwanger sein“, mit voller Wucht in die Hölle katapultiert. Mit einem Schritt vor der Grenze, manchmal auch darauf balancierend. Zwischendurch tauchten neue Baustellen auf. Plötzlich war auch bei mir etwas nicht in Ordnung – wenn auch behandelbar. Irgendwann schlichen sich langsam finanzielle Ängste ein. Tausende von Euros kostete eine Behandlung, doch die Krankenkasse zahlte nicht mehr. Wieder ein Problem mehr, welches es zu akzeptieren und zu bewältigen galt. Nur alle halbe bis volle Jahre die Chance auf ein Baby zu bekommen, ließ mir die Ungeduld vom Anfang als völlig lächerlich erscheinen. Ein Schmunzeln kann ich mir bis heute bei dem Gedanken an diese Zeit nicht verkneifen.
Herzhaft lachen muss ich auch, wenn ich an das Pech denke, welches wir bisher hatten – ein hysterisches Lachen. Die 3. künstliche Befruchtung gab erstmalig als Ergebnis einen leicht positiven Schwangerschaftstest heraus. Leider verließ uns das Glück viel zu schnell. Zumindest schien dieser kleine Teilerfolg ein Hinweis auf nicht gänzliche Hoffnungslosigkeit zu sein. Wir kämpften weiter, indem wir unser Leben auf den Kopf stellten. Ernährung, Vitaminhaushalt, Bewegung, Umfeld… alles wurde optimiert (noch mehr als man sowieso irgendwann automatisch unternimmt), um eine bessere Eizell- und Spermaqualität zu erreichen. Wir machten weitere Tests, begaben uns in eine Immuntherapie. Der Spruch „Man wächst mit seinen Aufgaben“ ist in diesem Zusammenhang ebenso nervig wie wahr.
Die 4. künstliche Befruchtung schien dann tatsächlich endlich alle Mühe zu belohnen: der Schwangerschaftstest war positiv. Die Freude zu spüren, sie in den leuchtenden Augen meines Mannes und der Familie zu sehen war ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Und doch endete dieses Glück nach einem für mich bis heute unfassbaren Spießrutenlauf in einem einzigen Drama. Unser Baby war zeitgerecht entwickelt, doch leider hatte es sich statt in der Gebärmutter in meinem Eileiter gemütlich gemacht. Unser Wunder (und mein Eileiter) mussten entfernt werden. Es war, als schaute ich von Außen auf dieses bitterlich weinende Paar im Krankenhaus und selbst heute denke ich noch manchmal, ob das tatsächlich uns passiert ist oder ich nur schlecht geträumt habe.
Ich werde oft gefragt: Wie konntest du das alles ertragen und daran nicht längst zerbrechen? Diese Frage stelle ich mir selber auch oft. Vielleicht eine Mischung aus Dickköpfigkeit, Zielstrebigkeit, grenzenloser Träumerei und Wunschdenken… In jedem Fall aber ist da dieses starke Fundament, welches aus der Familie und meinem Mann besteht. Die Familie unterstützt wo sie kann – und wenn es mit grenzenlosem Optimismus ist. Mein Mann gibt mir täglich das Gefühl, diesen Weg wert zu sein. Seit dem ersten Tag sind wir stetig näher zusammen gewachsen. So kämpfen wir Seite an Seite, nun in einer neuen Klinik der 5. ICSI entgegen.
Wir geben nicht auf, bis aus unserem unerfüllten endlich der erfüllte Kinderwunsch wird.

 

2 Kommentare zu „Gastbeitrag Kinderwunsch: Jahrestag. 4 Jahre unerfüllter Kinderwunsch

  1. Es ist so traurig das viele Frauen so lange kämpfen müssen um ihren Wunsch zu erfüllen. Ich finde es ist gut darüber zu reden denn in der Gesellschaft wird es tot geschwiegen. Tabu damit will man nichts zu tun haben. Doch so sollte es nicht sein.

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