Mit der Zeit kommt die Ruhe – Hunde und Baby II

Wie ihr in meinem Vorbereitungspost (HIER) und in dem ersten Bericht über das Zusammenleben mit unseren nun drei Babys (HIER) nachlesen konntet, haben wir uns und unsere Hunde gewissenhaft und so gut es ging auf das neue Familienmitglied vorbereitet und ich war am Anfang mit den Dreien sehr vorsichtig. Einiges hat sich nun im täglichen Umgang geändert: Ich bin entspannter geworden, habe mehr Vertrauen und andere Dinge sind völlig anders gekommen, als gedacht bzw. geplant. Seit dem letzten ausführlichen Bericht sind fast fünf Monate vergangen – und es ist viel passiert!
 
Wie läuft es bei uns nun? Was hat sich geändert?

Die größte Veränderung ist ganz klar: Greta ist mobil. Vorbei sind die Zeiten, in denen sie auf einer Decke oder im Laufgitter abgelegt werden konnte und auch noch dort zu finden war, wenn man sich umgedreht hat. Das erste Mal hingesetzt hat sie sich mit 5 ½ Monaten und nur fünf Tage danach hatten wir einen kleinen Krabbelkäfer zu Hause. Nun war die direkte ‚Konfrontation‘ also unausweichlich: Ab jetzt wollten sich alle frei in der Wohnung bewegen. Greta hat ihren Bewegungsradius schnell vergrößert (zu schnell, wenn ihr das liebende Mamaherz fragt ;-)) und wollte auch flink den Hunden hinterher! Sie sind doch eher auf Augenhöhe für sie und wahnsinnig interessant. Am Anfang saßen wir immer direkt daneben. Wir wagten keinen Schritt zu weit von Gretas Seite, denn Kusko und Escada waren immer mittendrin, statt nur dabei. Und damit meine ich wirklich mittendrin! Die ersten Baby-krabbelt-auf/über-Hunde-Versuche ließen nicht lang auf sich warten, doch diese haben wir immer versucht zu verhindern. Ich möchte auch bis heute nicht, dass Greta auf oder über Kusko und Escada krabbelt und ihnen eventuell weh tut (Was zu einer entsprechenden und nachvollziehbaren Reaktion bei den Beiden führen könnte). Die Fellnasen haben das Ganze aber wirklich gut gemeistert. Schauten sie am Anfang komisch und waren sehr interessiert, haben sie jetzt ihre Strategien im Umgang mit Greta entwickelt. Escada beispielsweise

Gemeinsame Spielzeit im Kinderzimmer – Escada ist entspannt

steht immer von allein auf und zieht sich selbstständig zurück. Geht sie an Greta vorbei, schnuppert sie vorsichtig an ihr und zieht weiter. Kusko ist da etwas ungestümer. Erstens will er immer an mir liegen und steht auch nicht auf, wenn Greta in der Nähe ist. Zweitens schleckt er ihr oft über das Gesicht. (Damit habe ich grundsätzlich kein Problem, jedoch haben wir bei unserem Webinar von Dogs&Storcks gelernt, dass es durchaus sinnvoll ist, dies zu unterbinden.) Kusko hat auch die Angewohnheit sich nicht „verscheuchen“ zu lassen, wenn Greta ihn „streichelt“. Natürlich greift sie hier noch beherzt ins Fell und hat dann durchaus einen Büschel Haare in der Hand. Da kann man so gut aufpassen wie man will, irgendwann passiert das mit langhaarigen Vierbeinern. Oder Mamas Haaren. Zur Beruhigung: Auch ich habe ständig beim Streicheln die Hundehaare überall. Obwohl wir regelmäßig auskämen, aber der Kampf gegen die Hundehaare ist ein anderes (leidliches) Thema! Am Anfang der Mobilität waren wir also sehr vorsichtig. Als wir jedoch merkten, dass die Hunde und Greta durchaus kompetent im Umgang miteinander sind, bzw. einen kompetenten Umgang miteinander selbstständig erlernen, sind wir deutlich entspannter geworden. (Hier spreche ich bewusst von uns und nicht nur mir.) Mittlerweile laufe ich durch die Wohnung, räume auf oder koche, während Greta spielt oder krabbelt und die Hunde zwischen uns herum liegen. Ab und zu kommt es auch schon mal vor, dass ich sie nicht alle drei im Blick habe. So ist Greta beispielsweise schneller ins Wohnzimmer gedüst, als ich hochkomme (Jaja, alte Frau und so)  und ist für einen kurzen Zeitraum allein mit den (immer noch schlafend herumliegenden) Hunden allein. Das versuche ich zwar zu vermeiden, renne aber auch nicht mehr panisch hinterher. Es hat sich bei uns einfach eingespielt und meistens sind wir gemeinsam in einem Raum, weil wir alle die Nähe voneinander genießen. Ich denke das bei mir auch die Hormone einfach ein großes Thema waren (und noch sind): Ich vertraue Greta mehr und traue allen dreien mehr zu. Ich denke auch, dass ein kontrolliertes „Fehler machen“ lehrreich für alle ist. Kusko beispielsweise weiß nach einigen Malen Ziepen sehr gut, wann er am besten aufsteht bzw. wann Greta zu nah ist.

Leicht gedacht – Willkommen in der Realität

Ist es also mit dem Krabbelkontakt wirklich entspannt und läuft der Großteil des Tages hier ruhig über die Bühne, gibt es auch ein großes aber: Denn das mit dem Spazierengehen habe ich mir viel leichter vorgestellt, als es nun umsetzbar ist. In der Stadt gibt es in unserer laufbaren Nähe wenige Möglichkeiten die Hunde flitzen zu lassen. Wir fahren also meistens raus und lassen sie über Felder oder im Wald rennen. Auch, weil Kusko keine anderen Hunde mag und wir allein viel entspannter sind. Was wir vor Greta so oft gemacht haben, ist jetzt deutlich eingeschränkt. Zu Beginn hatte ich Angst, mich zu weit von unserer Höhle zu entfernen (Hallo Hormone!), dann ist es so, dass Greta unterwegs kaum schläft. In der Trage immer mal – im Wagen aber gar nicht mehr. Dabei braucht sie viel Schlaf und wir richten alles nach ihrem Wachschlafrhythmus aus und zu guter Letzt haben wir mitbekommen, dass wir ein Baby haben, dass Autofahren HASST. Ja, sie hasst es. Sie weint nicht nur schnell im Auto, sondern wehrt sich schon gegen den Sitz (vor allem seit dem sie selbst sitzen kann) und schreit mitunter bis zum Erbrechen, was in dieser Position zu Verschlucken und Atemnot führen kann. Das wiederum führt zu Panik bei uns und schwubb: Schon ist der gemütliche Spaziergang gelaufen, bevor er begonnen hat. Denn dann will ich nur noch mit ihr nach Hause, sie beruhigen, stillen und sie braucht ebenso dann ihre gewohnte, sichere Umgebung. Dachte ich vor der Geburt noch, dass ich mit Greta und den Hunden durchaus allein spazieren fahren kann, müssen wir uns jetzt mit langen Gängen an der Leine befassen. Ab und zu kommen wir zu den kurzen Strecken, an denen sie flitzen können. Aber es ist nicht das Gleiche wie ein stundenlanger Spaziergang im Wald. Vor allem für so bewegungsfreudige (und –bedürftige) Hunde, wie wir sie haben. Und da habe ich ein sau schlechtes Gewissen. Mein Mann fährt zwar auch allein mit den Beiden raus, während Greta schläft, aber das ist manchmal auch nur alle drei Tage der Fall. Und ich möchte auch dabei sein und Zeit mit den Monsterchen verbringen. Auch aktive Zeit.
Grenzen, Ruhezonen und Quality Time
Beikost? Kusko liebt es! 😉
Zeit und Räume nur für die Hunde sind nämlich unglaublich wichtig. Das versuche ich ihnen zu ermöglichen. Die Körbchen sind weiterhin tabu für Greta. Natürlich versteht sie es noch nicht und ist schon ein paar Mal durchgekrabbelt. Aber da bin ich sehr „streng“ bzw. möchte diese (für mich natürliche, vorhandene) Grenze für meine Hunde setzen. Die beiden brauchen ihre eigenen Ruhezonen. Sie können Greta weder ein- und erst recht nicht ausladen, also übernehmen wir diese Aufgabe. Wir setzen die Grenze also nicht, sondern sie ist durch die Rückzugsbedürfnisse unserer Hunde schlicht vorhanden. Genauso hat Greta Zeiten nur für sich, in denen die Hunde mal nicht ins Kinderzimmer dürfen oder ins Körbchen sollen, damit wir in Ruhe spielen können. Beim Essen sind sie aktuell immer im Körbchen. Das hat einen guten Grund und der heißt „Beikosteinführung“ (die ersten Gedanken dazu findet ihr HIER). Da beide Seiten schnell herausgefunden haben, wie sie das Essen untereinander teilen, haben wir also eingeführt, dass Kusko und Escada während den Mahlzeiten im Körbchen warten. Da es positiv aufgebaut ist, legen sie sich hinein und schlafen. Später werden sie zum „sauber machen“ los geschickt und dürfen alles Heruntergefallene essen. So können wir in Ruhe essen und uns auf Greta konzentrieren. Greta kann ihr Essen erfahren und die beiden Hunde haben eine Ruhepause. Manchmal füttert Greta die beiden aber auch: Hierbei sind beide sehr vorsichtig und es ist zu niedlich, wie Greta sich darüber freut! Um Zeit mit den Beiden allein zu haben, gehe ich die kurzen Spaziergänge/Pullerrunden oft allein. Das kann ich mittlerweile gut, denn am Anfang war es das reinste Horrorszenario mein Baby „allein“ zu lassen. (#Hormoneundso). Diese kurzen Runden von maximal dreißig Minuten nutze ich vor allem zum Tricksen oder auch einfach zum Durchschnaufen für mich. Wir nutzen dann alles, was uns in den Weg kommt (Bäume, Steine, Fahrradstände, Hundebegegnungen), flitzen auf Wiesen oder trödeln einfach auf einer reinen Schnupperrunde. Manchmal mache ich einen kurzen Weg zum Briefkasten mit nur einem Hund, damit dann solo Quality Time ansteht. Leider kann ich hierfür auch nicht die (durchaus großzügige) Schlafenszeit nutzen, da Greta mich braucht. Sie wird in den Schlaf gestillt und oft kann ich kurz oder gar nicht aufstehen. Und wenn ich dann doch Mal fünf Minuten habe, möchte ich die auch nur für mich. Auch müssen wir uns immer öfter entscheiden: Hunde oder Babyrunde. Auf den meisten Spielplätzen sind keine Hunde gestattet und ich möchte manchmal auch in Ruhe mein Kind auf einer Wiese beobachten, mit ihr die Welt erkunden und nicht ständig nach fremden Hunden schauen müssen, um Konflikte zu vermeiden. Auch in Zoo und Tierpark geht es nun allein: Denn hier brauchen ebenso alle Unterstützung, um die ganzen Dinge zu verarbeiten. An den Tierpark tasten wir uns jedoch heran. Insgesamt bin ich allein auch am liebsten mit der Trage und den Hunden unterwegs, so kann man einfach schneller mit beiden Händen agieren. Gehen wir zusammen, nehmen wir gern den Wagen. Ins Café nehme ich die Hunde gar nicht mehr mit, weil ich mich auf den Krabbelkäfer und meinen Gesprächspartner konzentrieren möchte.
Unterm Strich
Ehrlich gesagt: Ich habe es mir am Anfang auf der einen Seite leichter vorgestellt alles unter einen Hut zu bekommen. Aber das ist es nicht. Zwei Hunde allein sind schon eine große Aufgabe. Ein Baby ist allein eine große Aufgabe. Ich habe mich unter zahlreichen Tränen und nachdenklichen Stunden davon verabschiedet, allen gerecht werden zu müssen. Denn das kann ich aktuell nicht. So sehr ich es
Jeder geht anders mit Spielzeug um 😉

auch wollte, ging es einfach nicht und wir haben nun eine für uns funktionierende Balance gefunden. In dieser empfindlichen Baby Zeit stecken die Hunde einfach zurück. Das ist bestimmt nicht immer fair, aber es werden auch wieder andere Zeiten kommen. Das hoffe ich und darum bemühe ich mich. Und es ist ehrlich. Denn es nutzt niemanden etwas, wenn ich euch sagen würde, dass alles super easy und Sonnenschein sei. Ich weiß für mich auch, dass es hier nie wieder mehr als einen Hund geben wird. Und nie wieder einen Hund mit so starken Bedürfnissen wie Kusko. Ich liebe beide Hunde sehr, aber

Dog Storys Hund und Baby
Kusko, Escada und Greta

manchmal denke ich, mit nur einem würde es besser klappen, würde ich mehr schaffen und wir würden uns alle besser fühlen. Vieles wäre bestimmt leichter mit nur einem Hund zu vereinbaren. Manchmal wäre es einfach leichter mit nur einem Hund und Baby. Aber dann sehe ich uns zusammen, wie wir auf dem Teppich kuscheln. Alle fünf miteinander. Wir gehören zusammen und mein Mann und ich tragen die Verantwortung für drei ganz wundervolle Wesen. Aber, was ich auch nie glauben wollte, ein Baby, ist und bleibt ein Baby. Es ist etwas anderes als ein Hund. Ich sage nicht, dass es „nur“ Hunde sind. Jedoch ist Greta in mir gewachsen und uns verbindet ein Band, das mich selbst noch überdauern wird. Und bis dahin lernen wir miteinander zu leben, die Hunde lernen sich zurück zu nehmen, genauso wie Greta das später lernen wird, weil die Hunde Zeit für sich brauchen. Doch aktuell gibt Greta hier den Ton an und ich versuche so gut es geht, neben ihrer Zeit, Räume für meine anderen zwei Babys zu schaffen. Es gelingt mir nicht immer gut, aber immer besser. Und es ist durch nichts zu ersetzen, dass mein Kind das Glück hat mit zwei so tollen Fellnasen aufzuwachsen, von ihnen zu lernen und sie zu genießen. Kinder und Tiere sind einfach tolle Teams und gehören für mich zusammen. Kinder sollten regelmäßig Kontakt zu Hundenasen, Katzentatzen, Ringelschwänzchen und anderen Tieren haben. Es gibt ihnen so viel und Gretas Augen strahlen, sobald wir Heim kommen und sie unsere Hunde sieht. Und Kusko und Escada lieben Greta. Ich freue mich schon auf die ersten Toberunden über Wiesen, Entdeckungsreisen durch Wälder und aneinander gekuschelt schlafende Freunde. Und jetzt kuscheln wir uns alle ins Kinderzimmer, sehen Greta beim Spielen zu und kraulen zufriedene Hundeöhrchen.

In diesem Sinne: Nehmt euch Zeit für eure Hunde – und eure Babys.
Herzlichst, Antonia

 

4 Kommentare zu „Mit der Zeit kommt die Ruhe – Hunde und Baby II

  1. Ein Artikel ganz nach meinem Geschmack. Als absoluter Hundenarr und Mutter meiner kleinen Greta habe ich mich sehr auf diesen Beitrag gefreut.
    Ich kann alles so gut nachvollziehen und finde es toll, dass du so ehrlich bist. Leider hat meine Hündin Greta nicht mehr kennen lernen dürfen. Ich habe es mir so gewünscht, aber es sollte nicht sein. Vielleicht hatte das auch alles einen Grund. Alisha wäre ein paar Tage vor Gretas Geburt (beide haben im Mai Geburtstag, für mich noch ein „Zeichen“ ��) 13 Jahre alt geworden. Mit den Jahren wurde sie immer ruhiger (okay sie war schon immer unsere Prinzessin Valiuum), und auch geräuschempfindlicher. Ich denke, dass sie es enorm gestresst hätte. Andernseits hat sie bei meinen Eltern gewohnt, sodass sie Greta nur ein paar Tage im Monat gesehen hätte, dann aber mit der vollen 24 Stunden Ladung.

    Wir möchten so gerne wieder einen Hund haben, aber im Nachhinein bin ich froh, dass wir uns darauf geeinigt haben noch zu warten, bis Greta größer ist. Ich habe eindeutig unterschätz wie schnell ein Tag mit Baby vergeht und zu wie wenig man kommt. Sogar auch wie wenig Zeit man für sich hat. Ich bin ebenfalls der Typ, der es allen recht machen will, aber ich weiß, dass ich das derzeit nicht hinbekomme.

    Aber auch diese Zeit geht vorbei und irgendwann ist für uns die richtige Zeit für Hund und Kind.

    Solange überbrücken wir die Zeit mit vielen Hundekontakten und unserem Nachbarshund ��

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  2. Hallo Antonia, ich bin hier gerade durch Zufall gelandet. Wir sind auch zu 5 (2 Collies und ein 4 monate altes Baby) und ich kenne einige Situationen, die du beschreibst, nur zu gut. Schön mal von einer anderen Mama in der gleichen Situationen zu lesen! 🙂 Ich schicke dir unbekannte liebe Grüße. Anna mit Lando, Ruby und Lene

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  3. Hallo Antonia, ich bin hier gerade durch Zufall gelandet. Wir sind auch zu 5 (2 Collies und ein 4 monate altes Baby) und ich kenne einige Situationen, die du beschreibst, nur zu gut. Schön mal von einer anderen Mama in der gleichen Situationen zu lesen! 🙂 Ich schicke dir unbekannte liebe Grüße. Anna mit Lando, Ruby und Lene

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