Jeder gibt seinen Brei dazu. Die Sache mit dem Beikoststart

Beikostreifezeichen-neu
Abb. 1 (Quelle unten)

Das Thema Beikost scheint (mittlerweile?) so brisant zu sein wie der ewige Stillen-Fläschchen oder Tragen-KiWa Konflikt. Ich möchte heute ein paar Gedanken dazu mit euch teilen und euch, wie auf Instagram angekündigt, vom ersten Beikost BLW Versuch berichten. Am Ende habe ich noch ein paar interessante Links zusammengestellt, die ich in diesem Zusammenhang sehr lesenswert finde.

Eigentlich wollten wir warten, aber…
In den letzten Wochen habe ich mich oft gedrängt gefühlt, ständig wurden wir gefragt, wann wir uns den Beikost Start denn vorgenommen hätten, ob sie von der Milch noch satt werden würde und dass sie mit sechs Monaten ja alt genug sei, endlich Brei zu bekommen. Da wurden Witze gemacht, die ich mir auf einmal mehr zu Herzen genommen habe, als ich es eigentlich sollte. In der Pekip Gruppe wurde davon ausgegangen, dass wir bestimmt schon Mahlzeiten ersetzthätten, da Greta ja mit 6 Monaten (!) die älteste ist. Diese Aussagen haben mich teilweise verwirrt, mit zunehmender Zeit und Häufigkeit sogar verunsichert.

Als unsere (jetzt ehemalige) Ärztin noch ihren Brei (haha) dazu gab, war ich völlig fertig und dachte: Mache ich das richtig? Ist mein Gefühl richtig? Kenne ich mein Kind denn nicht am besten, da ich es 24/7 erlebe?  Als die Gedanken vor gut zwei Wochen immer intensiver wurden, zeigte Greta immer noch nicht alle Beikostreifezeichen und obwohl ich mir eigentlich sicher war, dass sie noch nicht bereit war, dachte ich nach. Aber dann holte mich mein Gefühl ein: Natürlich war ich mir dessen sicher. Noch sicherer war ich mir nämlich, dass sie uns deutlich  signalisieren würde, wenn sie soweit sei. schließlich geht es bei der Einführung der Beikost (wohlgemerkt BEIgabe, kein Ersetzen von Nahrung, sondern ein Zusatzangebot) ja darum, dass dieser kleine Mensch etwas –für ihn- völlig fremdes und neues erfährt und in seinen Körper aufnimmt. Und da hat es mich teilweise geschüttelt: Wieso sollte ich als Mutter festlegen, dass beispielsweise mit genau 22 Wochen ein Beikost Start versucht werden soll? Wieso einen willkürlichen Termin im Kalender anstreichen oder meine Neugierde befriedigen wollen, wenn ich es doch besser weiß? Es ist und bleibt der Körper meiner Tochter. Ich dränge ihr ja auch nicht ihre Milch hinein. Sie soll bestimmen und deutlich zeigen, dass sie bereit ist für diesen großen Schritt. Und nebenbei bemerkt: Natürlich wird sie satt. Die Milch ist dafür ausgelegt, passt sich dem Alter und Bedarf entsprechend an, Brüste sind (auch wenn es sich anders anfühlt) nie leer und viele Kinder werden sehr lange voll gestillt (Auch weil viele lange andere Nahrung verweigern!). Die WHO empfiehlt immerhin einen Start zwischen dem 5 und 7 Lebensmonat. Weiterhin wird nahe gelegt, dass das Stillen nicht gleich zu ersetzen ist, sondern dieses mindestens bis zum 2 Lebensjahr fortzuführen.  Das war unsere grobe Richtung, an der wir uns orientieren wollten. Am Ende galt für uns jedoch immer, dass Greta entscheiden sollte. Sie sollte (bestenfalls alle) Beikostreifezeichen zeigen, bevor wir starten, nein, bevor bevor sie startet. So konnte ich sicher gehen, dass sie auch bereit und nicht überfordert ist. Bei ihr hat vor allem das deutliche Interesse an unserer Nahrung auf sich warten lassen, auch wenn sie seit der Geburt bei den gemeinsamen Mahlzeiten involviert war. Beim Essen hat sie lange nicht mehr Interesse gezeigt, als sie beispielsweise unserem Naseputzen entgegen gebracht hat. Als sie begonnen hat sich hinzusetzen, habe ich öfter daran gedacht es zu probieren, mich aber zurück gehalten, da die anderen Zeichen noch auf sich warten ließen. Mein Gefühl sagte mir ebenfalls, dass sie noch Zeit braucht bzw. sich diese nimmt. Und das stimmte auch. Seit dem sie nun richtig im Hochstuhl sitzt, zeigt sie deutlich mehr Interesse am Essen – aber auch allen anderen Dingen, die mitunter auf einem Tisch liegen. Nach einem Gespräch mit unserer Hebamme, das auf ein vorwurfsvolles Gespräch bei der Kinderärztin folgte, waren wir in unserem Instinkt wieder gestärkt und beschlossen, ihr die ersten Dinge anzubieten. Greta war zu diesem Zeitpunkt 6 Monate und zwei Wochen.

Breifrei ist unsere Wahl

Schon bevor nur an den ersten Beikostversuch zu denken war, wollte ich unserem Baby hauptsächlich Finger Food/BLW (Baby Led Weaning, einen weiterführenden Link findet ihr unten!) bzw. direkt unser Essen (natürlich ungewürzt/ungezuckert und entsprechend weich gekocht) anbieten. Mir erschien das natürlicher und „artgerechter“: So kann Greta direkt von unseren Speisen mit essen. Sie erfährt eine Gemeinschaft und sieht, dass wir das gleiche essen. (In meiner Zeit als pädagogische Fachkraft in Kitas habe ich erlebt, wie Kinder weinten und verzweifelten, weil sie nicht das Gleiche wie alle essen durften, sondern eigenes Essen mitgebracht hatten. Daran muss ich unwillkürlich ebenfalls denken.) Außerdem bestimmt Greta über diesen Weg was und ob überhaupt etwas in ihrem Mund und Magen landet. Ich möchte, dass sie die Lebensmittel entdecken, erspüren und im wahrsten Sinne des Wortes begreifen kann. Da es sich außerdem um BEIkost handelt, ist uns relativ egal wie viel in ihrem Magen landet – gestillt wird weiterhin nach Bedarf. Natürlich muss sie irgendwann ihren Hunger und Durst darüber stillen, da die Kita Zeit bzw. Fremdbetreuung auch bei uns unaufhaltsam näher rückt. Ich verteufle jedoch keinen Brei. Wieso auch? Ich selbst esse auch gerne Joghurt, Mus oder (Kartoffel-)Brei u.ä. das wird hier also früher oder später auch auf dem Essensplan stehen. Für mich steht an oberster Stelle bei dieser Wahl das selbstbestimmteEssen. Ich bin ehrlich: Ich bin da sehr empfindlich, weil ich selbst als (Klein)Kind zum Essen gezwungen wurde, mir Löffel hineingeschoben wurden und sich das heute noch direkt auf mein Essverhalten ausprägt. Und zwar durch und durch negativ. Das möchte ich meiner Tochter ersparen: Ich wünsche ihr, dass sie Lust am Essen hat, gerne Neues probiert und lernt auf ihren Körper zu hören (Wann hat sie wirklich Hunger? Wann ist sie satt? Wann ist es genug? Was ist zu süß oder zu scharf? usw.) Da ich selbst oft darunter leide, haben wir uns auf diesen Weg für unser Kind geeinigt. Zudem ist es einfach zuckersüß, wenn sie Brokkoli erkundet, zermantscht und auf ihre Art und Weise das Essen erfährt. Der Satz „Mit Essen spielt man nicht!“ existiert hier also nicht. Sie spielt ja auch nicht – sie setzt sich aktiv auseinander.

Der erste Versuch – Bestätigung und Fazit

Dann war es soweit – große Aufregung im Hause Tandaradei! Wir kochten Brokkoli und haben ihn

ihr abgekühlt vor die Nase gestellt und mit großen Augen beobachtet, was sie tut. Sofort griff sie nach dem tollen, bunten Teller und erwischte eher zufällig das darauf liegende Röschen. Als sie es in ihrer Hand spürte, betrachtete sie es und drückte es durch ihre Fingerchen hindurch. In den ersten Momenten kam sie überhaupt nicht auf die Idee sich etwas davon in den Mund zu stecken. Doch der Augenblick kam und sie stieß es mit ihrer Zunge das meiste davon wieder nach draußen. Tja – ich dachte nur „Ich hab´s ja gewusst.“ 😉 Sie besitzt also noch einen passablen Zungenstreckreflex, trotzdem hatte sie sichtbar Freude an dieser neuen Erfahrung. Deswegen bieten wir ihr seit einigen Tagen nun Brokkoli in kleinen Mengen an. Sie untersucht ihn und hat einfach Spaß dabei. Heute wagten wir uns einen Schritt weiter und gaben ihr etwas von der Banane zum Frühstück – das gleiche Spiel folgte. Mit 6 Monaten und 2 Wochen (oder insgesamt 28 Wochen) erkundet sie Nahrungsmittel,

aber es landet noch nicht wirklich etwas davon in ihrem Bauch. Das ist okay, wie ich finde. Sie hat nun öfter die Möglichkeit das zu ändern und einen Schritt weiter zu gehen. Jedoch werden wir sie nicht zwingen etwas davon in ihren Magen zu befördern. Wir lassen sie an den Mahlzeiten teilhaben, sie sieht wie und was wir essen, bekommt eine eigene Portion und irgendwann wird sie schon eine eigene Idee entwickeln. Bis dahin freuen sich die Hunde darüber, dass das Essen auf dem Boden landet.

Obwohl ich es früher eher gewöhnungsbedürftig
fand, stört mich jetzt ein „eingesautes“ Baby so überhaupt nicht mehr. 😉 Wir werden sie viel nackig probieren lassen, oder ihr einen Ganzkörperlatz anziehen (Habt ihr da Tipps?). Nur das herumfliegende Geschirr stört mich sehr, da es laut ist und ggf. noch den einen oder anderen Hund treffen könnte. Bis wir eine Alternative gefunden haben, nimmt sich Greta das Essen also vom Teller, welcher dann weg geräumt wird. Den Tisch können wir ja abwischen. Aktuell haben wir sie auch direkt an unserem Tisch sitzen, die Überlegung besteht, ob wir ihr einen extra Tisch besorgen. Wie sind eure Erfahrungen damit? Was spricht für euch für oder gegen einen eigenen Tisch am Hochsitz? Und vor allem: BLW oder Brei? Gierte euer Baby schon mit vier Monaten nach dem Essen und ist mit sechs Monaten schon ein kleiner Gourmet? Oder habt ihr auch Mäuse daheim, die sich eher Zeit lassen? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!
Herzlichst, Antonia

Linktipps

3 Kommentare zu „Jeder gibt seinen Brei dazu. Die Sache mit dem Beikoststart

  1. Liebe Antonia,

    bei uns fand der B(r)eikoststart ein wenig früher statt, aus beruflichen Gründen meinerseits, denn auch wenn ich vorhatte, eigentlich v.a. BLW und Fingerfood zu machen, war es gerade am Anfang nicht sonderlich einfach. Keine Zähne, das funktionierte das Kauen nur bedingt.
    Wir haben hier ein ständiges Auf und Ab, auch immer noch, was Brei bzw. Familientisch anbelangt.
    Gerade am Anfang mochte er Brei sehr, sehr gerne und hat ihn super gegessen. Dann wieder nicht, habe ich halt wieder mehr gestillt. Mir war das völlig latte, ob er jetzt isst oder gestillt wird, was er eben bevorzugt. Da bin ich ganz bei ihm.
    Inzwischen ist Love zehn Monate alt, sitzt immer mit am Tisch und hat isst was eben gerade da ist, Brei inzwischen nur noch sehr selten, am besten hat man einen Teller mit Geschnippeltem oder Teile unseres eigenen Essen bereitstehen und lässt ihn sich bedienen.
    Love sitzt übrigens direkt mit am Tisch, hat also kein eigenes Brettchen vor sich. Finde ich schöner für ihn, so sitzt er mehr dabei.
    Gerade jetzt im Sommer haben wir ihn häufig auch mit freiem Oberkörper essen lassen, danach wäre eh alles in die Wäsche gewandert. Inzwischen gibt es ein großes Arsenal an Lätzchen, auch diese feinen Ganzkörperletzchen, von Tchibo sind die. Sehr praktisch manchmal.

    Habt noch einen schönen Sonntagabend!

    LG, Lea

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s