Das Märchen von der 5 Minuten Terrine

Es war einmal ein Fräulein. Das Fräulein hatte eine kleine Tochter, die im Land selbstverständlich die Schönste, Witzigste und in allem die Beste war. So ziemt es sich nämlich für Töchter (und Söhne) aus der Sicht eben dieser Fräuleins. Das Fräulein kümmerte sich tagein und tagaus um das junge Mädchen und tat dies mit viel Herz und Hingabe. Diese wichtige Aufgabe teilte sie sich mit dem Vater des jungen Mädchens.
Doch manchmal musste der Vater los ziehen, um das täglich Brot zu verdienen und war viele, viele Stunden weg. Er verließ das Haus vor Sonnenaufgang und kam erst zurück, als die Sonne sich wieder gen Horizont neigte. An einem solchen Tag geschah es, dass das Fräulein sehr früh von dem kleinen Mädchen geweckt wurde, was äußerst untypisch war. So begingen sie den Tag gemeinsam und mehr oder weniger frisch und munter. Das Fräulein nahm ein kleines Frühstück zu sich und achtete darauf, dass es dem Mädchen nicht langweilig wurde. Dann, nach einem kleinen Schläfchen am Vormittag, führten sie ihre treuen Hunde zu einer großen Runde aus und als sie heim kehrten, ereilte sie der Hilferuf von Großmutter und Tante. Sogleich machten sie sich von dannen, um zu Hilfe und Umarmungen zu eilen. So schön, so gut. Auf dem Heimweg jedoch ereilte sie das Monster Müdigkeit und obwohl das Fräulein alles versuchte, vermochte sie es nicht in die Flucht zu schlagen. So weinte das arme kleine Mädchen, bis sie sich in der Sicherheit ihres Heimes befanden, um sofort in einen tiefen Schlaf in den Armen der langsam erschöpften Mutter zu fallen.
Da das Mädchen die Angewohnheit hatte, nicht ohne ihre Mama zu schlafen, blieb dieser nichts anderes als nahe bei ihr zu liegen, ihr die Nähe zu spenden, die sie brauchte und von etwas Essbarem zu träumen. Die Sonne war mittlerweile weit in den Tag gewandert und der Magen der Mutter leer, der Busen zum Glücke des Mädchens jedoch weiter gut gefüllt. Nach einem erholsamen Schlaf, machten sich beide auf, um am Hofe eines benachbarten Fräuleins sich der Musik hinzugeben. Mit vielen anderen kleinen Jungen und Mädchen verbrachten sie eine gar vergnügliche Zeit, in der die Mutter ihren Hunger auch beim Plausche danach ganz vergaß.

So ward es später Nachmittag und das Mädchen hielt an ihrer neu gefundenen Vorliebe fest, nach dem Schlafe zur Mittagszeit sich kaum mehr ablegen zu lassen. In einem glücklichen Moment gelang es dem Fräulein die kleine Maid abzulenken und mit einem Spielzeug milde zu stimmen. In ihrem Hunger durchsuchte sie das Heim und fand eine verheißungsvolle 5 Minuten Terrine. Oh welch Glück diesen Schatz gefunden zu haben, dachte sich das Fräulein. Nicht mit mir, dachte sich das Mädchen. So rief sie nach ihrer Mutter just in dem Augenblicke, als diese die Packung gierig aufgerissen hatte. Sogleich stürzte das Fräulein herbei, nahm sich ihrem lieben Kinde an und liebkoste es, während das für die Nahrung benötigte Wasser von allein zu brodeln begann. Doch genau in dem Augenblick, als das Wasser bereit für seine Aufgabe war, machte das Kinde seiner Mutter deutlich: „Neeee – du hast heute genug gegessen!“ Und so hungerte das Fräulein vor sich hin, auch wenn sie mit einer Hand das Wasser dem Becher zuzuführen vermochte. Das Fräulein ersehnte nun die Rückkehr des Gatten sehr, er würde doch bestimmt helfen können. Doch er ließ auf sich warten und so schritt das Fräulein mit dem Kinde im Arm auf und ab, sang und erzählte, kuschelte und herzte, stillte und versuchte das Grummeln im Magen zu ignorieren.
Als der Herr des Hauses endlich einkehrte, brauchte es ein bisschen Zeit, bis das Kinde in seine Arme fiel. Das Fräulein wandte sich nun endlich ihrer Speise zu – welche jedoch kalt und starr (bzw. einfach eklig) war. Doch so ist es nunmal, dachte sich das Fräulein. Es kommen wieder andere Zeiten, in denen die kleine Tochter ihren eigenen Weg gehen wird, in der sie diese Aufmerksamkeit nicht braucht. Und Gott sei Dank habe ich genug Reserven auf den Hüften, um diesen Tag auch ohne die 5-Minuten-Terrine zu erleben. Und so lebte sie glücklich, wenn auch manchmal hungrig, bis der Gatte heim kam oder das Baby einen Schritt weiter war.
Na – wem kommt das bekannt vor? Ich vergesse ganz oft mir kleine Snacks vorzubereiten oder einzukaufen und habe dann den Salat. Aber ich bin mir ganz sicher, dass bald wieder andere Zeiten kommen, ich vielleicht während des Mittagsschlafs aufstehen kann oder das kleine Mädchen sich wieder länger mit einem Spielzeug beschäftigen oder durch die Bude krabbeln kann 🙂
In diesem Sinne wünsche ich euch immer genug Zeit zum Essen!

 

Herzlichst, Antonia

Ein Kommentar zu „Das Märchen von der 5 Minuten Terrine

  1. Liebe Antonia,

    haha, super, sehr gut erzählt. Ja, eher sehr oft passiert es auch ähnlich hier. Nur habe ich leider dann sofort Kreislauf und Blutzuckerkollaps … Total unpraktisch!

    LG,
    Lea

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