Don´t Touch This! Finger weg von meinem Baby

finger weg
Ein Baby erfreut. Es bringt Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Es verzaubert. Ein Baby ist ein Zauber. Man bestaunt es, beobachtet es, betrachtet es: Hat es nicht die Nase von der Mama? Wo schaut es genau hin? Schau es hat mich angelacht! Ein Baby bringt Freude, Glück, gute Laune – und das Bedürfnis es anzufassen und auf den Arm nehmen zu wollen.
Aber hier muss ich mich als Mama einschalten: Stopp! Ich möchte das nicht. Dann erntet man entrüstete, manchmal feindselige Blicke: Was hat die denn für ein Problem?!

Was ich für ein Problem damit habe, möchte ich euch erzählen.

Denn ihr wollt mein Baby anfassen. Mein Kind, dessen Schutz und Sicherheit mir das Wichtigste auf der Welt sind. Und ja: Ich verstehe euch. Ich verstehe, dass vor allem Familie und Freunde das Kleine anfassen und auch auf den Arm nehmen möchten. Ihr wollt eine Beziehung aufbauen, teilhaben und einfach dieses Wunder begreifen. Das verstehe ich und ich sehe eure Bedürfnisse und oft habe ich mich diesen gebeugt und dabei mein Kind nicht nur aus den Armen gegeben sondern auch aus den Augen verloren. Denn mein Baby möchte das an manchen Tagen nicht. Da braucht es seine Eltern und nur diese, manchmal sogar nur einen von uns. Da wäre alles andere zu viel und würde ihr Angst machen, sie verunsichern und einfach überfordern – und das kann nicht sein, was ihr wollt? „Na jetzt spinnt sie aber“ denken da einige, sind beleidigt – ja ich habe schon erlebt wie erwachsene Menschen derart beleidigt waren und sich angegriffen gefühlt haben, weil ich als Mama gesagt habe: „Nein, sie braucht gerade mich. Ich möchte ihr nicht zu viel zumuten. Sie hat schon so viele Eindrücke gehabt. Ein anderes Mal kannst du sie halten.“ Und das ist euer gutes Recht. Nicht immer erschließen sich uns die Beweggründe anderer. Doch wenn nicht mal Erklärungen gehört oder als übertrieben abgetan werden, dann muss ich sagen, kann auch ich in eine Trotzhaltung verfallen. Denn ich habe schon nachgegeben, habe Greta aus der Hand gegeben, obwohl ich ahnte, es ist zu viel. Das Ergebnis war ein tagelang aufgewühltes und schreiendes Baby, das sich nicht gut und sicher fühlte. Deswegen will und werden wir das nicht mehr tun: Die Bedürfnisse anderer über die von Greta stellen. Wieso sollte ich euch mein Kind anvertrauen, wenn ihr nicht hören wollt, was ich euch über seine Gefühlslage sage und versuche zu erklären?
Manchmal, ist es schwer. Das weiß ich.
Grundsätzlich ist es bei mir so, dass fremde oder flüchtige Bekannte mein Baby nicht anfassen sollen. Das möchte ich nicht. Möchtest du denn von jedem ungefragt berührt werden? An der Hand? Oder gar im Gesicht? Nein, das denke ich auch nicht. Will so jemand an Greta, sage ich klar, aber nicht unfreundlich: „Nicht anfassen! Danke.“ Zum einen will ich einfach nicht, dass ständig viele Hände an mein Kind gehen, weil sie keine Puppe ist. Sie ist kein Objekt. Sie ist ein vollwertiger Mensch der das Recht auf eine Intimzone hat. Und die wird vor allem bei Babys und Kleinkindern immer wieder einfach so überschritten. Das finde ich nicht okay: Es ist nicht okay jemanden anzufassen ohne dessen Erlaubnis oder Willen. Und da Greta sich noch nicht selbst artikulieren kann oder Zeichen wie das Herandrücken an uns, wegdrehen des Kopfes oder gar ihr Schreien missachtet werden, bin ich in der Pflicht dafür zu sorgen, dass sie nicht angefasst wird. Zum anderen weiß ich nicht, wo diese Hände vorher waren (was mir vor allem im Frühjahr wirklich zuwider war).
Und ja, dieser Satz gilt an manchen Tagen auch für Großeltern, Freunde oder sonstige Familienmitglieder. Manchmal sogar für mich, wenn dieser kleine Mensch mir deutlich zeigt: Ich möchte dich jetzt nicht. Ich möchte nur Papa. Wenn sie sich von mir weg- und zu ihrem Papa hindreht, ist das ein klares Zeichen, das ich zu respektieren habe. So schwer mir das auch fällt. Umgedreht findet das natürlich auch statt. Ich weiß also, dass das nicht einfach ist. Gut vorstellbar ist, dass das vor allem schwer fällt, wenn man sich nicht so oft sehen kann. Gerade dann möchte man seine Liebe gegenüber diesem kleinen Wesen zum Ausdruck bringen und Teilhaben.
Der sichere Hafen
Quelle: Facebook/Eltern werden-Eltern sein
Unsere (Mamas & Papas) Arme und Körper sind der sichere Hafen, aus dem unsere Tochter heraus die Welt betrachten und in sich aufsaugen kann. Hier kann sie heraus blicken und alles beobachten, oder sich zu uns drehen und sich von den Eindrücken abschirmen. Das hat sie bisher in ihrem Leben gelernt: „Mama und Papa sind beständig, sie sind da, wenn ich sie brauche, sie geben mir Nahrung, Liebe und Nähe und alles, was ich brauche. Und Mama und Papa gehen unterschiedlich mit mir um.“ Das ist auch etwas, dass wir als Eltern lernen mussten, vor allem ich. Mein Mann geht ganz anders mit Greta um, als ich das tue. Er spricht anders mit ihr, trägt sie anders, spielt anders mit ihr. Und das ist richtig, okay und sehr wichtig: Denn Mama und Papa sind verschiedene Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Eigenschaften. So muss ich mich manchmal selbst ermahnen, wenn der Papa sie beim Wickeln anders bespaßt, als ich es tun würde. Ihr unbekannte Personen gehen nochmal anders mit ihr um. Das kann mitunter sehr anstrengend sein, wenn man bedenkt, dass das Baby gerade mal vier Monate alt ist.
Natürlich fühlt sich Greta auch bei Großeltern, Tanten oder Freunden wohl. Aber das braucht einfach Zeit – sie muss diese Menschen kennenlernen. Greta weiß nichts von Verwandtschaft oder Freundschaft. Sie muss euch und euer Handeln kennen- und einordnen lernen. Und das jedes Mal, wenn ihr das auch bei jedem Treffen sicher schneller gelingt. Doch es braucht Zeit. Vor allem in fremden Umgebungen (z.B. anderen Wohnungen) braucht sie Zeit. Einfach Zeit.
Geborgenheit nähe zeit geben Respekt haben
Geborgen in Mamas Armen – bis sie bereit ist

Daher bitte ich euch: Gebt sie ihr. Und wenn es zwei oder drei Besuche braucht, bis sie signalisiert, dass sie mutig genug ist, sich in andere Arme zu begeben, soll sie diese Zeit bekommen. Meist braucht sie einfach ein, zwei Stunden oder etwas mehr, um sich in einem Raum umzusehen, zu verorten und bereit zu sein. Das ist doch nicht viel, oder? Und ja: Auch ich als Mama brauche Zeit um sie abzugeben. Das hat nichts mit klammern zu tun, sondern mit meiner Liebe zu ihr. Und sowohl Greta, als auch wir als Eltern lernen das und vertrauen jedes Mal schneller.

Aber es gibt auch Tage, an denen es ihr zu viel ist. Vielleicht liegt eine Impfung zurück, die letzten Tage waren anstrengend, sie ist einfach verkuschelt oder nicht gut drauf. Dann möchte sie nur bei uns sein und weint vielleicht mehr, als sonst. Und das ist eine Situation, die auch wir akzeptieren müssen. Auch kann Greta sich bei euch erstmal kurz wohlfühlen und auf einmal schlägt es um – das ist menschlich und okay. Ich habe beispielsweise bemerkt, dass sie neue Verhaltensweisen überraschen und manchmal sogar erschrecken. Sie kennt kein übertriebenes Locken und mit-Geräuschen-bombardiert-werden, das überfordert sie. Da musste ich schon öfter sagen: Bitte lass das, sie mag es nicht. Ich verstehe, dass ihr auf euch aufmerksam machen wollt. Aber Greta noch nicht. Sie beobachtet euch von ganz allein. Und sie wird auch eure Nähe suchen, wenn sie diese möchte und ertragen kann.
Daher bitte ich auch: Macht euch bewusst, dass Babys keine Objekte oder Puppen sind. Sie haben eigene Bedürfnisse und manche fühlen sich schneller in anderen Armen geborgen, als andere. Manche kommen schneller mit lauten oder hektischen Verhaltensweisen klar, als andere. Und auch die Eltern dahinter brauchen unterschiedlich lang. Gebt uns allen die Zeit, die wir brauchen und tut nicht so, als wärt ihr die Experten für unsere Kinder. Denn das seid ihr nicht. Und auch wenn ihr das schon erlebt habt – wir und vor allem unser Kind machen diese Entwicklung das erste Mal.
Herzlichst, Antonia

4 Kommentare zu „Don´t Touch This! Finger weg von meinem Baby

  1. Mir war das gar nicht so bewusst, dass man sich eigentlich ganz schön viel heraus nimmt, wenn man ein kleines Kind anfasst oder fast schon verlangt, es mal zu halten.
    In meiner Familie wird es etwa in einem halben Jahr Zuwachs geben, den ich wohl auch eher selten sehen werde (Aufgrund von Entfernung). Aber ich werde versuchen, das im Hinterkopf zu behalten. Und deine Argumentation ist auch vollkommen logisch und verständlich, WENN man denn aus zuhört und das akzeptiert. Danke für deine ausführlichen Erklärungen und liebe Grüße 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Finnja, vielen Dank für dein Feedback! Ich finde es richtig toll, dass du dir die Worte zu Herzen nimmst und darauf achten möchtest! Ich wünsche alles Liebe für den baldigen Familienzuwachs und eine magische Zeit! Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

  2. Mir geht´s meist genauso. Meine Umwelt um mich herum akzeptiert das auch wenn ich sag, ich möchte das jetzt nicht das sie den kleinen (10 Wochen) auf den Arm nehmen oder wenn er gerade schläft und sein kleiner Cousin (2 1/2 Jahre) ihn dauernt anfassen und küssen möchte und ihm das auch erkläre warum er das jetzt nicht machen soll, sogar er versteht es. Was ich gut finde. Und ich finde gut das es auch andere Mütter gibt, denen es genau so geht wie einen selbst. Finde das ist ein schöner Beitrag den du geschrieben hast. Liebe Grüße 🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s