Immer ganz nah: Unser Tragebaby. (Bericht Trageberatung)

Noch bevor Greta auf der Welt war, war für mich klar, dass ich mein Baby so natürlich und geborgen ins Leben begleiten möchte, wie es nur geht. Bei dem Wort „natürlich“ mögen einige Leser jetzt vielleicht stutzen – doch mittlerweile ist es doch in unserem Leben so, dass man selten darauf Acht gibt, dass ein Mensch natürlich und „artgerecht“ (Alles rund um das wunderbare Artgerecht Projekt findet ihr hier!*klick*) wie möglich aufwächst: Sprich so, wie es sich die Natur einmal gedacht hat. Bei einigen Dingen ist das sicher sehr gut – ich bin froh, dass wenn ich aus der Haustür gehe nicht links und rechts nach Säbelzahntigern Ausschau halten muss. Das ist jedoch meine im Leben gewonnene Erfahrung – Babys wissen noch nicht, wie die Welt aussieht. Sie können sich nur so verhalten, wie ihre Anlagen es ihnen sagen. Und diese sagen: Immer nah bei Mama bleiben, sonst bedeutet das höchste Lebensgefahr. Aus unterschiedlichen Gründen werden Babys schnell von den Eltern getrennt, sollen Schlafen lernen (und das möglichst noch im eigenen Bett oder Zimmer), es gibt Milchersatznahrung, Schnuller, die als Brustersatz dienen und das Baby wird so oft es geht herum gereicht oder irgendwo abgelegt. Manch solcher Entscheidungen sind für mich verständlich (und manche bleiben für mich unergründlich). Natürlich ist das jedoch alles nicht – dies möchte ich ohne Wertung so stehen lassen. (Denn genauso wenig wie ich möchte, das mein Umgang mit meinem Baby bewertet wird, möchte ich den Umgang anderer Mamas mit ihren Babys bewerten, auch wenn das, ich bin ehrlich, manchmal schwer fällt. Wir alle meinen ja es richtig zu machen. Und das tun wir für unser Baby auch!)

Tragen ist – die Hänge frei haben 😉

Nun stand für mich von Anfang an fest, dass wir unser Baby tragen werden. Denn Babys sind nicht dafür gemacht irgendwo herum zu liegen, sondern getragen zu werden: „Menschen sind keine Lieglinge, sondern Traglinge. Ihr gesamter Körper und ihre motorische Entwicklung sind aufs Getragenwerden ausgelegt.“ (  Zitat hier nachzulesen ). Neben der Vorzüge und Unterstützung der körperlichen Entwicklung, standen für uns vor allem Nähe, Liebe und Geborgenheit im Vordergrund. Wir wollten unserem Baby die emotionale Sicherheit vermitteln, die ein kleiner, frisch geschlüpfter Mensch braucht und auch im Hinblick auf den Alltag ist das Tragen praktisch: Während das Baby an einen geschmiegt schläft, hat man selbst die Hände frei für andere Dinge.

 

Die Trageberatung
Da wir nur sehr wenig praktische Erfahrung mit dem Thema hatten, haben wir uns für diese professionelle Trageberatung *klick* entschieden. Ich habe bewusst einen Zeitpunkt nach Gretas Geburt gewählt. So konnten wir die verschiedenen Tragesysteme gleich mit ihr testen und sehen was zu uns dreien am besten passt. Im Vorfeld hatten wir ein gebrauchtes Hoppediz Tragetuch erstanden, welches wir zur Beratung mitgebracht haben.
Bei der Trageberatung

Die Beratung fand im Trageladen Nestchen mit Beraterin Anja Pohl statt. Im Vorfeld gab es einen theoretischen Abriss: Warum Tragen natürlich ist, warum es gut für die physiologische Entwicklung ist und wie es im Alltag unterstützt. Da wir darüber Bescheid wussten, wurde dieses Feld recht kurz gehalten und so konnten wir gleich ans Werk gehen. Greta verschlief mit ihren knapp dreiWochen den Großteil, wenn sie nicht gerade gestillt wurde. So war der Papa zu erst dran und die Beraterin zeigte uns in aller Ruhe zuerst, wie wir ein Tragetuch einfach binden. (Geübt wurde mit einer speziellen Babypuppe).

Das Binden klappte nach ein paar Mal üben mit der reglosen Puppe, nur merkten wir, dass unser Tuch für uns fast zu kurz ist und dass das saubere Binden ein wenig Übung bedarf. Ich war unsicher, ob ich es mit meiner Tochter probieren sollte. So fragten wir noch nach Tragehilfen, die wir schnell anlegen konnten. Darauf wurde sofort eingegangen und wir wurden nicht etwa gedrängt das Tuchbinden mit Greta zu üben. Das war mir besonders für den Umgang mit den Hunden wichtig: Wenn wir zum spazieren fahren, will ich nicht erst mehrere Meter Tuch durch den Dreck schleifen, sondern das Baby schnell „verstauen“ und loslaufen können. Eine solche Hilfe musste also dringend her! Gesagt getan: Die verschiedenen Systeme verschiedener Hersteller wurde nacheinander gezeigt, erklärt und dann ausprobiert. Hierbei wurde keine Tragehilfe von der Beraterin besonders angepreist, sondern es wurde darauf geachtet womit wir gut zurecht kamen und -ja ich muss es zugeben – auch was mir optisch gut gefiel. So landeten wir nach insgesamt fast zwei Stunden bei unserer aktuellen Tragehilfe (einer Fräulein Hübsch) und probierten es, als wir uns sicher waren, auch mit Greta. Sie schlief sofort in der Trage ein und es war unglaublich und in mir quoll die Liebe für unsere Maus hoch: So konnte ich sie die ganze Zeit spüren, riechen und einfach liebkosen. Praktischerweise konnten wir vor Ort gleich die auserwählte Tragehilfe erstehen. Und natürlich ist das erst einmal eine höhere finanzielle Investition – aber sie lohnt sich. (Und Tragehilfen und Tragetücher lassen sich gut wieder verkaufen und günstig erstehen, manchmal sogar tauschen!)

Fazit

Beim Spazieren wird schnell gebunden, und los geht´s!
 

Die Trageberatung war insgesamt individuell, auf uns angepasst, es wurde sich viel Zeit genommen, um sämtliche Systeme auszuprobieren und das zu finden, was zu uns und unserer Tochter perfekt passt. Vom Tuch haben wir erstmal Abstand genommen – ich neige dazu schnell nervös zu werden, wenn etwas nicht gleich klappt und Greta weint. Daheim übe ich noch ab und zu, glaube aber nie eine Tragetuchmama zu werden. Aber das ist nicht schlimm, wie mir versichert wurde. Die Beraterin war freundlich und wir konnten uns viel unterhalten. Auch wurde uns die Wickelweise mit dem Tuch mehrfach geduldig erklärt und ich war wirklich überrascht, dass wir einige Hilfen mehrfach ausprobieren durften. Eben so lange, bis es wirklich passt! Es wurde zu keiner Zeit der Eindruck vermittelt, dass es Zeit wäre zu gehen oder ähnliches.

Ein paar Wochen später, Greta war ziemlich gewachsen, waren wir uns nicht mehr sicher, ob die Tragehilfe richtig eingestellt war. Hier konnten wir noch einmal in den Laden kommen, bekamen schnell Hilfe und noch ein paar extra Tipps. Das schätze ich sehr an dieser Beratung: Auch später kann man mit offenen Fragen vorbei schauen und bekommt sofort Hilfe (und muss nicht nochmal extra bezahlen). Vor knapp zwei Wochen dann konnten wir nochmals vorbei schauen, um uns die Wickeltechnik mit einem Sling erklären zu lassen (und gleich noch einen wundervollen Sling von Storchenwiege zu erstehen). Diese ständige Anlaufstelle schätze ich sehr und kann sie nur wärmstens empfehlen. Ich weiß nicht, ob jede Beratung einen solchen „Rundumsorglosservice“anbietet, bin jedoch froh, dass es hier so der Fall ist.

Wir haben das Tragen als wundervolle Option für uns entdeckt, nutzen nebenbei aber auch unseren Kinderwagen. Wir kombinieren diese Dinge und ich verteufle keineswegs nur zu tragen oder auch nur zu schieben. Beides hat Vor- und Nachteile für Eltern und Baby!
Wer tragen möchte (und ich kann es jedem nur ans Herz legen es wenigstens zu probieren!), dem empfehle ich eine solche professionelle Beratung MIT Baby zu machen. Man kann im Vorfeld mögen was man will (und ich weiß nicht, ob es mit dickem Bauch so viel Sinn ergibt eine solche Beratung zu machen), jedoch muss es sowohl für Tragenden als auch Getragenen einfach passen.
Gut ausgebildete Berater findet man beispielsweise über die Trageschule NRW *klick* . Weitere Hintergrundinformationen zum Thema Tragen findet ihr u.a. beim oben geposteten Artgerecht Projekt und Tante Google 😉
Da mir das Thema sehr am Herzen liegt, habe ich in ein paar Wochen eine kleine Überraschung für euch! Bleibt gespannt und habt ein wenig Geduld, manche Blogbeiträge kann man nicht alleine schreiben (als kleiner Hinweis ;-)).

Tragt ihr eure Babys? Welche Systeme nutzt ihr? Oder steht ihr dem ganzen skeptisch gegenüber? Und wenn ja, wieso?

Herzlichst, Antonia

Ein zufriedenes, schlafendes Baby ❤

7 Kommentare zu „Immer ganz nah: Unser Tragebaby. (Bericht Trageberatung)

  1. Hallo!
    Gleich zu Anfang: Jaaaa, Tragen ist klasse! Ich habe es bei meinem Sohn geliebt und war wirklich wirklich traurig, als er aus dem Alter raus war. Ich hatte lange ein Tuch (ja, es stimmt, draußen umbinden ist suboptimal wegen des Drecks), das Binden ging nach einiger Zeit super fix und saß gut. Eine kurze Zeit hatte ich eine Kraxe (wirklich toll bei einem Stadtfest genutzt, keiner kam ans Kind, es konnte alles beobachten oder ne Runde schlafen und ich musste nicht befürchten, dass es ständig Hintern oder Kippen ins Gesicht bekommt – Kinderwagen haben dafür die perfekte Höhe), aber das war nicht so sehr das Wahre, irgendwie. Schlussendlich habe ich, als er 1,75 Jahre war, noch nen Ergo erstanden und den sehr ausgiebig genutzt. Ich mochte es, die Hände frei zu haben. Ob in der Bahn, im megatiefen Schnee (der Winter 2010/11) oder beim Einkaufen… Außerdem wars immer schön warm am Rücken. 😉 Das letze Mal saß er mit 5 im Ergo, weil ich im Menschengewusel unterwegs war und mir das mit Kind an der Hand nicht so Geheuer war. Neulich saß er nochmal kurz drin, weil ich einer Freundin, die den Ergo jetzt hat, zeigen wollte, wie ich das Kind da immer reinbekommen habe. Die Handgriffe sitzen nach wie vor. 🙂
    Hach… Das war ne tolle Zeit. 😀

    Herzliche Grüße!
    Anke

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  2. Hallo Anke!
    Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Erfahrung. Du hast absolut recht – vor allem im Getümmel macht es sich mit einer Trage doch viel leichter, als mit einem sperrigen Wagen umher zu kurven. Auf dem Rücken zu tragen, habe ich mich noch nicht getraut, aber darauf freue ich mich schon. Und wow: Mit 5 Jahren noch getragen, das finde ich super. Viele berichten, dass ihre Kinder dann keine Lust mehr aufs Tragen haben. Aber sehr oft sieht man ja auch Kinder, die so gar keine Lust mehr aufs Laufen haben (und ich erinnere mich noch, wie ich es als Kind genossen habe, getragen zu werden ^^).
    Herzliche Grüße zurück!
    Antonia

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  3. Hallo nochmal!
    Mit 5 war es ja nur kurz, aber eben sehr praktisch. Wir waren dann auch wandern und ich habe ihn auf den Schultern getragen (das fand ich super als Kind). Da habe ich mich wirklich geärgert, keine Trage dabei zu haben. Denn die wäre für uns beide bequemer gewesen. Bei der nächsten Brockenbesteigung ist ja nun leider zu groß. Somit muss er laufen. Das wird ein Spaß… 😉
    Du hast recht, man sieht ab und an Kinder, die so gar keine Lust auf Laufen haben. Und mit so kleinen Beinchen ist man eben manchmal schneller müde. 🙂

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  4. Huhu hier wieder Piuna aus dem Forum 😉
    wir tragen auch seit Geburt. Ich bin sogar aus dem Krankenhaus mit unserem Kleinen im (Didymos) Tuch nach Hause gelaufen. Auch, weil wir nicht alle Sachen heim bekommen hätten, ohne den Kinderwagen vollzustopfen 😀
    Es gab Zeiten, da ließ er sich viel und gern tragen, dann wieder solche, wo er sehr unruhig wirkte und mehr Freiheit brauchte. Generell bekommt ihm das Tragen sehr gut (ich merke aber keine Unterschiede im Schlafverhalten, aber er pupst und rülpst besser :D) Vor allem liebt er das von dir erwähnte „Mittendrin“-Gefühl. Er ist einfach so neugierig und nimmt gern Kontakt zu Menschen auf. Diese können aber nicht einfach so „zulangen“, wie es uns leider schon mal im Wagen passiert ist (unglaublich _() Das Tuch ist leider wirklich recht kompliziert und langwierig anzulegen eine andere Trageart kam aber erstmal nicht in Frage, als er noch so klein war, da ich vorgefertigte Tragehilfen als noch sehr locker und unsicherer empfand (er drohte teils seitlich rauszurutschen). Meinem Mann fiel es schwer das Tuch zu binden, weshalb er weniger trug, als er gern wollte. Daher haben wir uns nun (Mattis ist inzwischen 5 Monate) für eine Mei Tai von Mysol (nach augiebigem Test weiterer Tragesysteme) entschieden. Schon als wir sie das erste Mal anlegten, passte sie sofort perfekt und entlastet den Rücken ganz wunderbar. Mattis schlummerte schnell drin ein, genoss aber auch den tollen Ausblick oder ließ sich den Träger schmecken 😀 Die Mysol haben wir vor allem wegen des Tragetuchstoffs gewählt und weil sie ganz ohne Schnallen und sonstige Plastikteile auskommt. Sie ist daher anschmiegsam wie ein Tuch, schnell und exakt auf jede Person „einzustellen“ und trotzdem sehr komfortabel.
    Wir tragen nun noch viel mehr und mein Mann freut sich immer schon auf seine Tragezeit, wenn er von der Arbeit heim kommt. Mittlerweile nutze ich den KiWa eigentlich nur noch als Transportmöglichkeit.
    Das Gefühl, wenn dein Baby so nah bei dir am Herzen einschlummert ist einfach unbeschreiblich schön, daher würde auch ich es allen Eltern empfehlen zumindest mal zu versuchen.

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  5. Hej,

    für uns war auch von Anfang an klar, dass wir tragen wollen. Auch für meinen Mann, das fand ich wirklich klasse, dass das für ihn auch selbstverständlich war. Einen Kinderwagen haben wir trotzdem, wenn auch nicht selbst gekauft, weil wir uns geweigert haben 😉 Letztlich bekamen wir ihn geschenkt und ab und an bin ich sehr glücklich, dass wir einen haben, denn alleine einkaufen gehen z.B. und dann Kind und Einkäufe schleppen …
    Ich benutze ein Tuch von Storchenwiege, mein Mann die Marsupi. Wir haben auch noch eine Manduca hier, die wir ausgeliehen haben, aber die ist ja furchtbar!

    LG, Lea

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