Alltag: Stillen in der Öffentlichkeit

Letztends habe ich auf Facebook und Instagram von diesem herrlichen Blogpost von Familienzuschlag auf motherbirthblog geschwärmt (*klick*).

Bisher habe ich immer und überall gestillt: Im familienfreundlichen Café, vor der Tierarztpraxis, im Auto und bei der Familie. Mitten auf der Straße jedoch habe ich es noch nicht getan. Hatte ich es noch nicht getan.  Dann sah ich mich einer neuen Situation gegenüber: Ich war allein mit den Hunden und dem Baby unterwegs. Da es sehr schwül war, war Greta im Wagen (und nichund schlief. Unterwegs trafen wir alte Bekannte, schnatterten uns fest und auf dem Rückweg wachte mein Baby mit einem herzzereißenden Weinen auf. Ich dachte nur noch „Verdammt, nicht jetzt!“. Da wir nur eine kleine Runde drehen wollten, die sich dann über gute zwei Stunden erstreckte, hatte ich nichts mit: Keine Wickeltasche, keine Trage und ich hatte ein kurzes Top an, dass natürlich kein Stilloberteil war. Und mein Baby schrie. Sie schrie und ich dachte erst, und sagte es ihr: „Greta, wir sind gleich zu Hause. Halt noch ein bisschen aus. Gleich haben wir es geschafft.“ (und wir hatten noch gut zwanzig Minuten Weg vor uns)

Dann hielt ich inne, merkte wie ich immer nervöser wurde und nahm sie aus dem Wagen, drückte sie an mich und beruhigte sie. Das ging ganz gut, bis
sie schmatzte und nach der Brust zu suchen begann. Also legte ich sie mit beruhigenden Worten in den Wagen, sagte den Hunden, sie sollen aufhören zu schnuppern und hetzte Richtung Heimat. Greta weinte natürlich wieder. Und immer lauter. Ich fühlte mich furchtbar und dachte „Oh Gott. Woher soll die kleine Maus wissen, was ‚gleich‘ bedeutet? Wie soll sie sich selbst beruhigen können – sie ist noch keine vier Monate! Wie soll sie mir weiterhin vertrauen und sich rundum geliebt fühlen, wenn ich ihr Bedürfnis erkenne, aber nicht befriedige?

Stillen unterwegs – klappt auch mit 2 Hunden!
Gedanken wie „Hier ist kein Platz zum Stillen“ oder „Ich habe kein Stilloberteil an-wie soll ich an meine Brüste kommen?“ kamen mir in den Kopf und ich erstarrte. Ausreden. Das waren nichts als Ausreden, die ich vorschob, um schnell Heim zu kommen und bloß nicht an der viel befahrenen Straße meine Brüste auszupacken. Aber ich wollte nicht meine „Brüste auspacken“. Nein. Ich wollte, ich musste, ich hatte die Pflicht mein Kind zu stillen und ihr Bedürfnis nach Nahrung, Nähe und Geborgenheit zu erfüllen. Ich erinnerte mich an den gelesenen Artikel und -so seltsam es klingen mag- an meine eigenen Worte und Meinung. War ich nicht jemand, der immer sagte „Ich stille immer und überall!“. Ja, und das entspricht auch der Wahrheit. In fünfzig Meter Entfernung sah ich eine Bushaltestelle, die ich ansteuerte. Ich stellte den Wagen quer, band die Hunde am Wagen fest und ließ sie sich ablegen, zog meine Jacke an, das Top hoch, zerrte ein Unterlagentuch aus dem Kinderwagen und legte mein wimmerndes Baby an. Sofort trank sie gierig, ich entspannte mich und blickte trotzdem unsicher hin und her. Und siehe da: Es geschah nichts. Ob die Menschen in den vorbeifahrenden Autos uns bemerkten, weiß ich nicht. Weder Fahrradfahrer noch Passanten sagten etwas oder starrten uns an. Und so konnte ich den Blick von meiner Umwelt hin zu meinem Baby lenken. Dorthin, wo mein Blick und meine Aufmerksamkeit auch hingehören. Ich sah sie an, wie sie mich anlachte, wieder trank und mit ihren kleinen Händchen meinen Finger festhielt. Ich lobte meine Hunde, gab ihnen Leckerchen und dache mir, dass selbst wenn jetzt jemand feindselig auf mich zu käme, ich mich von nichts in der Welt davon abbringen ließe das Bedürfnis meines Kindes zu stillen. Und zu stillen. Egal wo und wann. Diskret und in völliger Liebe zu meinem Baby.
Ohweia – was die anderen sagen? Mir egal!
Ich möchte nicht mehr denken „nur noch zwei Minuten!“ oder „Nur noch die hundert Meter bis zu Hause!“ – nein. Denn die Kleinsten kennen die Bedeutung dieser Worte nicht und sie müssen auch nicht „trainiert“ werden solche Distanzen auszuhalten. Sie können nicht warten wenn sie weinen. Und das soll mein Baby auch nicht mehr. Auch die Sorge vor möglichen negativen Reaktionen meiner Umwelt sollen mich nicht mehr abhalten. Denn wieso darf eine Rihanna in einem transparenten Kleid unterwegs sein, aber ich nicht diskret mein Baby stillen? Wir verhalten uns weiter, ja noch mehr, getreu dem Motto „Still, still, still, wenn’s das Kindlein will!“ und wer sich dran stört, hat zu lange hingesehen und kann seinen Blick gern von mir ab- und auf die nächste Reklame mit halbnackten Frauen hinwenden. Und auch allein unterwegs mit zwei Hunden haben wir das alles gut hinbekommen und sind mit einem schlafendem Baby in Ruhe und schnuppernd nach Hause gelaufen. So waren alle Bedürfnisse befriedigt: Greta hatte getrunken, die Hunde konnten schnuppern und ich hatte drei zufriedene Babys. Ich möchte diesen kleinen Exkurs in meinen Alltag mit einem Zitat aus dem vorangestellten Artikel beenden:
„Stillt, ihr Mütter. Stillt. Stillt eure Kinder. Stillt sie überall. Immer. Stillt. Stillt ihren Hunger. Stillt ihre Bedürfnisse. Gebt ihnen Liebe. Nähe. Geborgenheit. Stillt.“
Herzlichst, Antonia

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