Endlich ich, Zeit für mich?

„Du musst dir Zeit für dich nehmen!“ Das habe ich in den letzten Wochen immer wieder gesagt bekommen. Ich müsse mir doch Zeit für mich allein nehmen, damit ich mehr als nur eine Mutter bin.
Da kam ich ins Grübeln: Muss ich wirklich Zeit ohne mein Baby verbringen? Muss ich Zeit dafür aufbringen, mich mit Dingen abseits von meinem Baby zu bewegen? Bin ich denn wirklich nur noch Mutter, oder ist nicht viel mehr das Mamasein als eine weitere Facette zu meiner Persönlichkeit hinzu gekommen, neben denen der Ehefrau, Freundin, Hundemama, Pädagogin, Tochter, Leseratte, Schreiberin (Autorin klingt mir doch etwas hoch gegriffen) und… ja was und? Wie viele Rollen soll ich annehmen und ausfüllen? Wie viel Zeit soll ich aus 24 Stunden an einem Tag machen? Ich weiß es nicht. Und ich finde es befremdlich, dass manche einen so fremdbestimmen wollen. Woher will jemand anderes als ich wissen, was ich brauche? Nehmen wir diese „Zeit für mich“. Worin soll die denn bestehen? Ich genieße die Zeit mit meiner Tochter unheimlich. Wir haben lange auf dieses Baby gewartet und jetzt ist es da. Und nach 13 Wochen soll ich sie abgeben, um genau was zu tun?

Sicher – manchmal würde ich gerne am PC schreiben, wenn sie mich gerade braucht. Manchmal würde ich gerne lange duschen. Aber diese Dinge können doch warten. Der Blog kann warten. Die Dusche kann auch warten. Ich kann warten. Mein Baby nicht. Nicht in dieser empfindlichen Zeit, in der sie gerade erst auf die Welt gekommen ist (ja das empfinde ich auch nach fast 14 Wochen noch so). Sie weiß nicht was „In einem Moment!“ heißt. Sie weiß nicht, dass sie nur zwei Sekunden länger weinen muss, bis ich von der Toilette gehüpft komme. Ich weiß das. Ich kann warten, ich bin erwachsen und habe das gelernt. (Meistens zu mindest.) Ich kann mich und sie in Raum und Zeit einordnen. Doch dann kann ja der Papa aufpassen. Das stimmt. Und das macht er großartig, wenn es sein muss. Aber muss ich sie deswegen allein lassen? Ein, zwei Mal  musste ich sie wirklich allein  bei ihm lassen. Da rief einmal das Krankenhaus und einmal schlief sie noch fest, als ich zur Rückbildung musste. Ich ließ sie beim Papa – zu ihrem Schutz und nicht, weil ich Zeit ohne sie wollte oder brauchte. Denn dieses Verlangen habe ich so gut wie nie. Manchmal, wenn sie abends schreit, bin ich dankbar für meinen wundervollen Mann der sie mir abnehmen und so wundervoll beruhigen kann. Oder dass er sie tagsüber mal nimmt, wenn ich zehn, fünfzehn Minuten mit den Hunden arbeite (drin oder draußen). Trotzdem kann ich diese Zeit noch nicht genießen und möchte sie mir daher auch nicht nehmen.

Die schönste Zeit, die ich mir aktuell für mich nehmen kann, ist die, die ich mit meinem Baby verbringen darf. Wenn wir gemeinsam kuscheln, lachen, stillen oder ich ihr beim Spielen zusehe.

Gestern war ich das erste Mal seit vielen Monaten beim Friseur und es war für mich nicht schön. Generell finde ich nicht, dass so ein Besuch zu meiner Entspannung beiträgt. Was andere Frauen in vollen Zügen genießen, schiebe ich vor mir her, bis es nicht mehr geht. Aber ich habe es gewagt, weil ich scheinbar wirklich furchtbar ausgesehen habe. Jedoch waren diese beinahe drei Stunden für mich davon gefüllt, nervöse Blicke auf das Handy zu werfen und meinen Bauch mit „Es ist alles gut. Der Papa kriegt das doch locker hin. Sie darf nur nicht aufwachen und Hunger kriegen.“ zu beruhigen. Hat mal mehr und mal weniger gut geklappt. Und das ist okay. Es ist okay, dass manche Mamis diese Stunden für sich (oder andere Dinge oder ihre Freunde oder was weiß ich) brauchen und nutzen möchten. Mir fällt zwar schwer nachzufühlen, wie man ein so kleines Baby beispielsweise für mehrere Stunden bei den Großeltern lassen kann. Aber ich muss es auch nicht nachempfinden können. Denn es ist nicht mein Leben. Nicht mein Baby. Nicht mein Ich. Genauso möchte ich aber, dass es akzeptiert wird, wenn man sich nicht trennen mag. Wenn man nebenan oder ganz nah sein will. Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo für jeden Lebensbereich. Und während ich nicht viel Zeit für mich brauche, brauche ich viel Zeit mit meinem Baby. Das ist okay und richtig für uns.
Natürlich freue ich mich jetzt darüber, dass ich mich jetzt hübscher fühle und die Haare wieder ordentlich sind. Aber noch mehr habe ich mich darüber gefreut mein Baby wieder in die Arme zu schließen und sie so schnell nicht mehr los zu lassen.
Ich glaube da liegt das einzige müssen im Elternsein: Das eigene Tempo finden müssen. Die eigenen Grenzen testen müssen. Und jede Mama und jeder Papa muss einfach herausfinden, womit er sich wohl fühlt.
In diesem Sinne: Nehmt euch Zeit für das, was euch am wichtigsten ist! Und das ist manchmal nicht man selbst, sondern eben dieses kleine, pausbäckige Wesen in euren Armen.
Herzlichst, Antonia

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