So ein Hundeleben – Das Baby und die Vierbeiner

Wer uns kennt, weiß, dass zu unserer Familie zwei Fellnasen gehören: Der mittlerweile achtjährige Kusko und die fast vierjährige Escada. Während der Schwangerschaft habe ich versucht die beiden auf das vorzubereiten, was auf uns alle zukommen sollte: Unser Baby. Ich habe einiges an Zeit dafür investiert, wir haben ein Webinar (näheres findetihr HIER dazu!) absolviert und viel trainiert. Und doch konnten wir sie nicht ganz darauf vorbereiten. Denn diese Situation kam für die Hunde aus der Kalten. Hunde wissen nicht, dass ein Mensch schwanger ist und was das bedeutet. Natürlich bemerken sie die Veränderung (Körperumfang, Haltung, Bewegungen, sicherlich auch der Geruch, Hormone, die Stimmung…), aber sie können nicht ahnen, dass da bald ein kleiner quakender Mensch aus dem Frauchen purzeln wird.
Tägliches Training – vor und nach der Geburt
Um gut vorbereitet zu sein und den Hunden die neue Situation so leicht wie möglich zu machen, haben wir einige Tipps aus dem Webinar umgesetzt, von befreundeten Hundetrainern bekommen und uns natürlich selbst Gedanken gemacht. Trainiert haben wir beispielsweise das Laufen am Kinderwagen, Hinaussenden aus einem Raum und wir haben sie mit aufgenommenem Babygeschrei versucht an die zukünftige Geräuschkulisse zu gewöhnen. Mit der Trage haben wir beispielsweise erst mit Greta begonnen zu trainieren. Gegenstände wie Laufgitter, Babybett oder Hochstuhl haben wir früh aufgebaut, damit sich die Hunde daran gewöhnen konnten und gelernt haben: Schnuppern ist okay, daran hochsteigen ist es nicht. Hier wurden sie nicht geschimpft, sondern freundlich abgerufen und ein Alternativverhalten angeboten (z.B. ins Körbchen laufen und dort einen Keks erhalten). Alltägliches wie Körbchentraining, Hundebegegnungen und Abliegen haben wir weiter gefestigt und nutzen es fast täglich.
Der erste Kontakt
Als wir im Geburtshaus die ersten Stunden verbracht hatten und ich langsam zu Kräften gekommen war, machten wir uns auf dem Heimweg. Wir hatten folgenden Plan mit unserer Hebamme entwickelt: Wir fahren vor die Haustür. Mein Mann geht hinein und sperrt die Hunde ins Wohnzimmer, danach bringt er mich und das Baby ins Schlafzimmer. Dort haben wir sie erst einmal aus der Autoschale und den Sachen gepellt (Oh Gott, sie war so winzig und schien uns so zerbrechlich!). Ich saß dann auf dem Bett, das Baby im Arm und der Leckerliebeutel lag in  der Nähe. Dann kamen Kusko und Escada um die Ecke gesaust. Beide schnupperten kurz an uns beiden und gingen dann mit meinem Mann eine Runde spazieren. Der erste Kontakt war also völlig unspektakulär und kurz. Die Hunde schienen Greta kaum zur Kenntnis genommen zu haben. Escada schnupperte hier länger. Kusko suchte nach dem verführerischen Keksduft – Männer! Nach dem kurzen Spaziergang, schliefen wir alle fünf. Nach und nach habe ich die Hunde immer wieder an Greta ruhig schnuppern lassen, während sie auf meinem Arm war. Einige Zeit später legte ich sie auf dem Bett ab, die Hunde konnten so schnuppern und ich sie dabei streicheln. Eine Hand haben wir immer frei und reaktionsbereit in der Nähe, um flinke Zungen oder Fäustchen aufzuhalten. Es dauerte einige Zeit, bis Greta die beiden wahrnahm und noch etwas länger, bis sie begann sie interessiert zu beobachten. Auch heute noch läuft der Kontakt so ab, dass Greta auf unserem Arm ist und die Hunde hauptsächlich zum Schnuppern „eingeladen“ werden. Greta beobachtet die beiden am liebsten in der Bauchlage: Sie liegt auf meinen Beinen oder neben mir auf dem Sofa und schaut sie mit großen Augen an. Hier gab es auch schon den ein oder anderen Kuss von Kusko. Ich achte hier jedoch darauf, dass es nicht überhandnimmt (u.a. etwas, dass ich aus dem Webinar mitgenommen habe).
 
Der Alltag
Spaziergänge
Am Morgen wechseln mein Mann und ich uns mit der ersten Runde mittlerweile ab. Diese ist bei uns von jeher eher kurz gehalten und findet noch ohne Greta statt. Greta kuschelt solange mit dem jeweils anderem im Bett. Ich nutze die babyfreien Runden mit den beiden immer noch für eine Runde Beschäftigung – dazu nutzen wir große Steine, Bäume, Fahrradständer, wir tricksen, trainieren Hundebegegnungen oder die beiden dürfen Leckerlies suchen. In der Wohnung herrscht soweit es geht Ruhe. Beginnen die beiden miteinander zu spielen, bekommen sie aktuell das Signal „Spielzeit“ und nach ein paar Minuten das Signal „Ruhe“. So möchte ich ihnen ein Spielen auf Signal ermöglichen. Da Kusko zu den gesprächigen Spielern gehört, möchte ich vermeiden, dass sie eigenständig spielen wenn z.B. Greta schläft. Meistens spielen sie jedoch draußen miteinander. Oft schaffen wir es nicht am Vormittag eine große Runde zu gehen, weil Greta sehr lange schläft und das einfach (noch) nicht packt. Bei allen Handlungen mit Greta sind Kusko und Escada dabei. Kusko möchte dies auch – egal wohin ich gehe (wickeln, stillen, spielen, schlafen): Er folgt mir. Während Escada sich auch heraus nimmt und Ruhe für sich sucht. Das gleiche gilt, wenn Greta weint. Während sich Escada entweder in ihre Höhle (unter einem Nachttisch) oder in einen anderen Raum zurück zieht, weicht Kusko nicht von meiner Seite. Er ist dabei völlig entspannt, legt sich ab und döst. Escada braucht Abstand und das ist okay. Ich versuche ihr dann auch nicht mit Greta auf dem Arm hinterher zu gehen. Am Nachmittag gehen wir alle gemeinsam unsere große Runde: Meistens fahren wir etwas aus der Stadt raus, damit die beiden richtig flitzen können. Manche Tage drehen wir nur bei uns die große Runde und lassen sie an entsprechenden Stellen ohne Leine rennen. Den beiden ist es dabei mittlerweile egal, ob wir den Kinderwagen oder das Tragetuch nehmen. Sie haben sich an beides gewöhnt. Über den Tag verteilt gehen entweder ich oder mein Mann nochmal ein oder zwei kleinere Runden mit den Beiden. Je nachdem, wer da ist. Wenn mein Mann Schicht hat, gehen Greta und ich die große Runde länger und nur eine zusätzliche Runde. Greta mag nämlich, wie viele Babys, das An- und Ausziehen nicht besonders. Aber auch allein kriegen wir alles gut hin, da die Hunde zuverlässig abgelegt werden können, während ich den Kinderwagen bereit mache. Am Abend geht mein Mann die Runde, während ich meistens schon stillend im Bett liege. Ist er arbeiten, ziehen wir diese Runde vor (es ist die einzige Runde, die täglich so ziemlich zur gleichen Zeit stattfindet).
Aufs Sofa kommen die Hunde kaum noch. Hier ist unsere Stillzone: Ich möchte hier Ruhe und auch keine Hundehaare mehr, die ich am Ende andauernd aus Gretas Mund ziehe. Wir laden sie manchmal ein, wenn das Baby im Laufgitter schläft. Voraussetzung ist jedoch, dass sie auch sofort runter gehen, wenn wir es ihnen sagen. Das Laufgitter ist nebenbei gesagt die beste Anschaffung in Bezug auf die Hunde: Hier kann Greta in Ruhe unter ihrem Spielbogen liegen, quietschen und schlafen. Oder mal auf mich warten, wenn ich im Bad oder der Küche bin. Immer öfter traue ich mich auch von Greta weg bzw. sie mit meinem Mann allein zu lassen. Diese Zeit nutze ich dann zum Training oder Kuscheln mit den beiden Fellnasen. Aktuell noch oft in der Wohnung, aber ich bin mir sicher, dass ich mich mit der Zeit auch mit mehr Distanz wohler fühlen und mit den zwei Hunden draußen trainieren werde.
Wer beobachtet hier wen? 🙂
Was wir absolut vermeiden ist, dass Greta allein in Hundenähe herum liegt. Ihre Spieldecke z.B. wird nicht auf den Boden gelegt und die Hunde laufen dabei herum. Ich kenne meine Hunde sehr gut und vertraue ihnen – aber es sind und bleiben Tiere. Und Tiere und Kinder sind einzeln schon unberechenbar, zusammen ist das nicht anders. Wir lassen sie auch kaum aus den Augen. (Ausnahme: Sie liegt im sicheren Laufgitter). Das möchte ich auch jedem ans Herz legen: Ich liebe meine Hunde wirklich sehr. Sie kennen Kinder und mögen sie. Aber auch sie können einen schlechten Tag haben, einen kürzeren Geduldsfaden, sich erschrecken oder, oder, oder. Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn meiner Tochter etwas passieren würde, weil ein Hund ausversehen beispielsweise vor Schreck drauf hüpft oder sie Angst entwickelt, weil sie eine große, tollpatschige Hundepfote mitten ins Gesicht bekommt. Oder dass meine Hunde eine Abneigung gegen sie entwickeln, sollte sie später unkontrolliert hinter ihnen her krabbeln, an ihnen herum ziehen oder auf ihnen herum klettern. Ich möchte dass alle drei einen respektvollen, vorsichtigen und liebevollen Kontakt miteinander lernen. natürlich werden mal Situationen aufkommen: Greta wird irgendwann mal von den beiden umgestubst werden. Greta wird irgendwann probieren wollen, wie lang man Hundeohren ziehen kann. Die Hunde werden ihr irgendwann etwas aus der Hand stibitzen und Greta wird bestimmt mal auf sie drauf fallen. Ich möchte solche Dinge aber nicht herbeiführen oder begünstigen. Später möchten wir auch durchsetzen, dass z.B. die Hundekörbchen für Greta tabu sind, genauso wie Greta sagen kann, wenn die Hunde aus ihrem Zimmer gehen sollen.
Insgesamt ist es wirklich so, dass die beiden Fellnasen in den ersten Wochen zu kurz kamen und aktuell tageweise auch noch zu kurz kommen. Beispielsweise das Krankenhaus hat für sie absolute Gassipause (bisauf das nötigste) bedeutet. Und ich habe oft ein schlechtes Gewissen, vor allem Kusko gegenüber. Denn er ist ganz anders bei mir aufgewachsen und von mir aufgezogen wurden. Die freien Minuten die ich nicht zum Essen, Haushalt oder für mich nutze, nutze ich für die beiden. Ich weiß, dass wir wieder mehr Zeit für sie haben werden. Ich weiß aber auch, dass es aktuell noch etwas dauert. Mein Mann fängt die zwei so viel er kann auf und die beiden sind großartig: Ich bin unseren Hunden so dankbar, dass sie das alles so super meistern. Den neuen Stress, die wenige Bewegung und fehlende Auslastung. Und ich weiß, dass wir das hinkriegen werden als Familie. Jetzt stelle ich auch den PC weg und nutze den restlichen Mittagsschlaf für eine ausgiebige Kuscheleinheit.
Wie geht ihr mit euren Hunden (oder anderen Haustieren) und euren Kindern um? Wo sind eure (Schmerz-)Grenzen und was habt ihr vielleicht nach einiger Zeit überdacht und geändert? Ich bin gespannt auf eure Kommentare und halte euch gerne auf dem Laufenden, wie es sich bei uns entwickelt!
Herzlichst, Antonia

2 Kommentare zu „So ein Hundeleben – Das Baby und die Vierbeiner

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