Babyglück: Mit ein bisschen Übung…über das Stillen

Das erste Anlegen geschah im Geburtshaus, als wir drei erschöpft aneinander gekuschelt da lagen und einander bestaunten. Unsere Hebamme führte unser Baby sanft zur Brust, Greta dockte an und ich …In diesem kurzen Moment in dem sie uns helfen und uns zueinander führen wollte, schossen mir romantische Stillmomente durch den Kopf. Denn ich hatte mich so sehr darauf gefreut: Mir wurde so oft davon vorgeschwärmt und nun wollte ich endlich dieses wunderschöne, einzigartige Gefühl spüren und den Moment in mich aufsaugen. Und dann dachte ich nur: „URGS! DAS soll jetzt so toll sein?!“. So hatte sich das in meiner Vorstellung nicht angefühlt. Es zog und ziepte seltsam, tat etwas weh und war so anders als alles andere, was meine Brustwarzen bisher erfahren hatten. Ich schluckte und hoffte, dass ich und die beiden Hauptakteure sich an dieses komische Gefühl gewöhnen würden und wir es hoffentlich bald genießen konnten. Greta ließ schnell wieder los. Auch sie war erschöpft von der Geburt und hatte den Dreh noch nicht raus.

Gutes braucht seine Zeit – Wunde Nippel und „Training“

 

Mein Stillbaby – 2 Wochen jung

Für das Stillen brauchten wir Zeit, die Ruhe unseres Wochenbetts und die Hilfe unserer Hebamme. Der Milcheinschuss kam nach ungefähr drei Tagen und meine Brüste waren stellenweise hart. Ich hatte jedoch in den zehn Wochen bisher nie einen Milchstau. Am Anfang hing Greta viel an der Brust, war aber etwas saugfaul. Vielleicht war sie aber auch einfach nur erschöpft oder nicht hungrig genug. Ich habe dann versucht, sie an den ersten zwei Tagen durch wegziehen von meiner Brust zum erneuten Saugen zu animieren. Das war eine richtig blöde Idee und ich tat damit meiner Brustwarze absolut nichts Gutes. (Wie es richtig geht, findet ihr weiter unten). Jeder Mann kann gerne mal den kleinen Finger (was zur Beruhigung für die Kleinen wirklich gut ist, wenn die Brust gerade nicht zur Hand ist!) in den Mund des eigenen Babys halten und sich ansaugen lassen. Bei meinem Mann wurden die Augen sehr groß und es folgte ein: „Wow hat die eine riesen Kraft!“  Ja – die Kleinen können unglaublich stark saugen! Meine Brustwarze nahm mir diesen Trick der ersten zwei Tage übel: Sie war wund und an einer Stelle blutig. Ab da an tat das Anlegen einfach schweinemäßig weh. Aber ich biss die Zähne zusammen – wortwörtlich. Kennt ihr diese Filme, in denen man beispielsweise Amputationen aus der Zeit des Mittelalters nachstellt? Die Patienten bekommen immer ein Stück Holz oder so zwischen die Zähne geklemmt und schreien sich einen ab. Okay, ich begnügte mich mit meinem Kissen oder einem Spucktuch und verzichtete das auf das Schreien. Die rechte Brust entwickelte sich schnell zu Gretas Lieblingsseite: Hier hatte sie irgendwie den Dreh raus und saugte stärker. Ich hatte Sorge, dass sie nur noch diese Seite annehmen würde und versuchte immer und immer wieder ihr die Linke ebenfalls schmackhaft zu machen. Mit Hilfe meiner Hebamme und einiger Tricks gelang es dann auch: Wir lernten im Fußballergriff zu stillen und mehr und mehr auch im Sitzen. Denn am Anfang stillte ich fast nur im Liegen und auch heute noch stille ich so am liebsten. Es ist einfach bequem, Greta kann dabei ruhig einschlafen und ich muss sie danach nicht weglegen (und ein Aufwachen wird so nicht riskiert). Ab und an lege ich sie mir auch nur in Windel auf den Bauch und lasse sie sich von selbst zur Quelle schieben. Es ist unglaublich, wie die Natur das alles perfekt eingerichtet hat. Wenn sie dort hin „krabbelt“ und andockt…hach, das ist einfach wundervoll!

Als Pflege für meine geschundenen Brustwarzen suchte ich eine Salbe mit Lanolin (Die Eigenmarke von Rossmann hat mir gute Dienste geleistet) und später erhielt ich von einer Vertretungshebamme eine Multi-Mam Kompresse zum Testen. Und die war ein Segen! Innerhalb von nicht mal zwei Tagen war meine Brustwarze wieder heil und tat kaum mehr weh. Die anfänglichen Schmerzen dauerten zwei oder drei Wochen an. Genau weiß ich es nicht mehr und für mich war das auch kein Grund aufzuhören. Zwei Tage lang habe ich die rechte Brust hauptsächlich ausgestrichen und Greta nur links angelegt, damit sich alles beruhigt. Das hat sehr gut geholfen. Wenn meine Brüste nach der Nacht sehr voll sind und diese harten Stellen aufweisen und Greta noch schläft, streiche ich sie beim Duschen auch etwas aus. So kann Greta besser andocken, denn sonst ist die Brust einfach zu prall und schwer für kleine Babys zu fassen. Zum Saugen animiere ich sie mittlerweile nur noch, in dem ich ihr über die Wange streichle. Dann wird weiter genuckelt und es ist so süß. Mein Mann und ich (sowie meine Mama) beobachten Greta sehr gern beim Trinken. Fast nichts ist süßer als ein zufrieden nuckelndes Baby an Mamas Brust! Und kaum ein Gefühl ist schöner. Natürlich erhalte ich dabei eine ordentliche Portion Hormone, die mir das ganze extra versüßen. Das Clusterfeeding ist leider mit der Zeit immer weniger geworden, doch am Abend verwöhnt Greta uns damit noch ab und zu. Hier schwanke ich dann zwischen „Oh wie schön, so darf es noch eine Stunde weitergehen“ und „Oh nein ich muss pulleeeeern“. Aber unsere langen Stillzeiten genieße ich sehr. Mittlerweile sind die Abstände auch viel länger geworden. Anfangs haben wir fast stündlich, teilweise öfter angelegt oder haben eine Stunde gestillt, hatten eine halbe Stunde Pause und es ging weiter. Jetzt ist das zum Großteil nicht mehr so. Doch in aufregenden oder neuen Situationen möchte sie wieder häufiger gestillt werden. Hier merke ich dann immer, wie viel mehr als die bloße Nahrungsaufnahme dahinter steckt. Besonders freue ich mich auch, dass wir quasi im Schlaf stillen können: Wie ich HIER schon ausgeführt habe, docken wir nachts einfach an und schlafen alle weiter. Das man sich durch die natürliche (ich möchte fast „artgerechte“ :-D) Ernährung auch die teure Flaschenmilch spart, versteht sich ja von selbst.
Pro Stillen und Stilldauer

Ich kann es nur jeder Mama ans Herz legen, es wirklich zu versuchen! Es ist das natürlichste und gesündeste, was man seinem Baby bieten kann und ist mit so viel Liebe verbunden. (Weitere Vorzüge des Stillens will ich hier nicht aufführen. Jeder kann diese im Netz oder wissenschaftlichen Studien bzgl. Ernährung oder kindlicher Entwicklung und Mutter-Kind-Bindung finden.) Wenn es bei euch nicht klappen sollte, sucht bitte eine gute Stillberaterin auf und gebt nicht auf! Aller Anfang ist schwer und auch wir mussten uns zusammenfinden und jetzt kann ich auch unterwegs stillen: Begonnen habe ich in unserem abgedunkelten Auto, später in der Arztpraxis, bei der Trageberatung und jetzt stille ich einfach wo ich bin und mein Baby Hunger hat.

Das erste Outdoorstillen

Wer meint, dass das nicht in die Öffentlichkeit gehört, kann an dieser Stelle gern meinen Blog verlassen und sich bei der nächsten Stillmami ins Gedächtnis rufen, dass es erst dann „belästigend“ wird, wenn man zu lange hinsieht 😉 Falls es dann immer noch nicht klappt, ihr nicht genügend Milch habt oder der Druck zu groß wird: Lasst los. Quält euch und eure Babys nicht. Ich finde, wer alles versucht hat, hat sich nichts vorzuwerfen und manchmal soll es scheinbar nicht sein. Mir tut das immer besonders leid für diese Mamas: Aber ihr seid ebenso liebevolle und tolle Mütter, die alles für ihre Babys versuchen! Eure Babys erhalten genauso die Liebe, die sie brauchen. Und mittlerweile ist die Ersatznahrung ja doch recht gut.

Ich hatte auch nie, nie Bedanken, dass es bei mir nicht klappen würde. Bekam ich ab und zu zu hören „Versteif dich nicht darauf, dass es klappt“ entgegnete ich immer nur, dass die Natur es ja so eingerichtet hat. Leider gibt es eben doch immer wieder bei vielen Mamis Stillprobleme. Ich wünsche allen Mamis von Herzen, dass sie stillen oder es erlernen können. Natürlich gibt es auch Mamas die nicht stillen wollen. Dazu fällt mir immer wieder nur der Spruch „Stillen ist vielleicht nicht das Beste für jede Mama. Aber für jedes Baby.“ ein. Und jede Mama muss ihren eigenen Weg finden. Ich gehöre zwar zur Fraktion „Pro Stillen“, aber ich versuche nicht zu der Fraktion „Ich-belehre-und-verurteile-andere-Mamas“ zu gehören. Denn das möchte ich für uns auch nicht. Ich kann hier nur über meine überaus positive Erfahrung und meiner Liebe dazu berichten. Manchmal finde ich es sehr schade für meinen Mann, dass er diese tolle Erfahrung nicht machen und die Stillzeit nicht genießen kann.

Wie lange wir stillen werden, weiß ich noch nicht. Ich möchte jedoch mindestens ein Jahr stillen, gerne so lang es geht voll. Den Rest soll Greta entscheiden: Und wenn sie noch mit zwei Jahren ab und zu an die Brust möchte, möchte ich ihr das aus aktueller Sicht auch ermöglichen. (Die WHO empfiehlt übrigens eine Stillzeit von ca. zwei Jahren). Wenn sie länger möchte, soll es so sein. Will sie weniger, werde ich mich auch damit arrangieren.
Was liebt ihr am Stillen besonders? Musstet ihr üben oder waren ihr und eure Babys „Naturtalente“? Wie lange möchtet ihr diese einzigartige Beziehung aufrechterhalten?
Herzlichst, Antonia

 

3 Kommentare zu „Babyglück: Mit ein bisschen Übung…über das Stillen

  1. Huhu,
    Ein wirklich schöner Text! �� habe deinen Blog bei Eltern.de kennengelernt und schaue immer wieder mal rein. Ich bin auch Stillmama eines zehn Monate alten Jungen. Das Stillen empfinde auch ich als wunderschön, aber so langsam möchte ich doch meine Freiheit wieder haben �� zudem hat Monsieur tagsüber ohnehin viel zu viel zu tun. Ein Gezappel ohne gleichen. Aber das eine Mal stillen nachts ist iwie ja doch noch toll. Sohnemann gehörte wohl zu den Naturtalenten, Probleme hat nur das KH am Anfang gemacht. Ich musste leider dort bleiben. Kaiserschnitt nach Geburtsstillstand bei BEL. Die vier Nächte dort waren grausam und ich hab meinem Mann geschworen, dass ich mich beim nächsten Mal sehr viel schneller entlasse. Jedenfalls haben die Ärzte dort nichts besseres zu tun als mir am Heultag zu erklären mein Kind hätte zu sehr abgenommen und müsse ein Fläschchen bekommen. Gott sei dank hatte ich meine Hebi, die gleich ins KH kam und die Lage überprüfte �� nix Zufüttern, alles Käse. In diesem Sinne, euch alles Gute, LG

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  2. Hallo meine Liebe! Auch dieses Thema ist eines, was mir sehr am Herzen liegt.

    Ich habe mir vorher schon Gedanken gemacht. Ich habe sehr empfindliche Warzen und hatte richtig Angst davor. Aber ich habe mir nie Gedanken gemacht, ob ich genug Milch habe oder es nicht klappen könnte. Es hat geklappt, der Milcheinschuss kam nach 4 Tagen (Kaiserschnitt) und es lief an… Am Anfang hab ich bei jedem Stillen geweint vor Schmerzen. Es war noch schlimmer, als ich mir die Schmerzen ausgemalt habe oder andere sie beschrieben haben. Aber irgendwann, nach 2-3 Wochen war es okay und ich hatte nie Probleme mit blutigen Warzen oder Stau. Bruno hat immer gut zugenommen, ähnlich wie Greta. Doch dann kam die 12. Woche und es begann die Brustschreiphase. Eine Freundin hatte das selbe Problem. Sie hat aufgegeben. Wir haben gekämpft. 7 Wochen schrie er meine Brüste an, dockte an, dockte ab, schrie und schrie und schrie. Es war wirklich sehr belastend und ich habe viele Tränen vergossen. Ich probierte zig Positionen, ich pumpte ab, gab Flasche, auch das war nicht gut… Aber er nahm weiter zu und es ging irgendwann wieder. Manchmal haben wir jetzt noch Probleme, aber es geht. Ich wollte 6 Monate voll stillen, aber Bruno hatte soviel Gewicht und brauchte andere Nährstoffe. Also haben wir nach fünfeinhalb mit Beikost angefangen, weil die Ärztin uns gedrängt hat. Er mochte es nicht. Erst als er 6 Monate alt war, lief es langsam besser. Abendbrei gibt es seit sechseinhalb Monaten, den liebt er. Mittag ist immernoch manchmal ein Problem, vielleicht, weil ich selbst kein Mittagesser bin ;). Ich bin trotzdem froh, dass er jetzt auch andere Sachen probiert und es ist ja auch wichtig für Babys, spätestens nach 6 Monaten Beikost zu bekommen, da die Milch nicht mehr die Nährstoffe liefert, die sie brauchen. Wie lang ich stillen will… Auf jeden Fall 1 Jahr. Im Mai ersetzen wir dann noch die Nachmittagsmahlzeit, zum Einschlafen, Nachts und früh gibt es aber noch die Brust, früh gibt es dann ab Juni/Juli was, ich weiß nur noch nicht was ;). Also zum Einschlafen und Nachts wird es noch bis Oktober Brust geben. Und dann werden wir sehen, wie es weiter geht. Am schönsten wäre es für mich, wenn er sich selbst abstillt. Was jetzt noch ein Problem ist, sind die Zähnchen. Bruno bekommt nun den 2. und manchmal beißt er eben zu… Schön ist was anderes und da überleg ich manchmal schon, ganz schnell abzustillen 😉 😉 😉

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  3. Ich folge die als KleinerOlm schon länger auf instagram. Mein Tim ist ein Tag älter als Greta.
    Tim ist mein zweiter Sohn. Beim ersten klappte das Stillen nicht. Er wollte nicht an die Brust. Ich war nervös. Nach Tagen des Kampfes habe ich aufgegeben. Hab noch lange abgepumpt bis es nicht mehr ging.
    Er hatte ein zu kurzes Zungenbändchen. Dadurch konnte er nicht richtig saugen.
    Tim ist direkt an die Brust. Durch den Kaiserschnitt dauerte es etwas bis ich zu ihm konnte. Mein Mann hatte ihn da und Mühe ihn ruhig zu halten. Der kleine Finger beruhigt zwar aber sättigt nicht…. Er hat an der brust getrunken wie ein Profi. Es klappte auf Anhieb. Und klappt immer noch. Keine wunden Warzen und kein Milchstau oder ähnliches. Mein kleiner Specki nimmt mehr als genug zu.
    Ich genieße es zwar aber ab und zu wünsche ich mir doch ein Flaschenkind zu haben. Durch den großen bin ich nachmittags viel unterwegs. Ich stille nicht gerne unterwegs. Auch war mein großer mit der Flasche länger zufrieden. Und mein Mann konnte ihn mal umsorgen.
    Ich plane ca 6 Monate zu stillen und dann auf Flasche und Beikost umzustellen. Vielleicht nachts noch stillen mal sehen wie es läuft. Einen Schnuller nimmt er nicht. Ob er Flasche nimmt weiss ich nicht….
    Liebe Grüße Yvonne

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