7 Wochen Babyglück – von Glück und Hilflosigkeit bei abendlichen Schreistunden

Ich liebe meine Tochter über alles. Ich hätte nie damit gerechnet, dass eine Liebe so tief, so innig, so in jeder einzelnen Faser meines Körpers verankert sein könnte. Und doch war es klar, da wir so lange so eng verbunden waren. Wir haben uns einen Körper geteilt, sie erwuchs in, ja irgendwie aus mir. Und ich liebe mein glückliches, zufriedenes Baby, das mich anstrahlt, ansieht und mir aufmerksam mit ihren Augen folgt. Sie war, sie ist, ein eher ruhiges Baby. An manchen Tagen jedoch, da geht es ihr scheinbar einfach nicht gut. Und manchmal sind es keine Blähungen. Kein Hunger. Keine volle Windel. Keine Müdigkeit. Kein Von-uns-entfernt-sein. Kein Nichts. Dann weint sie. Sie weint, brüllt und an vereinzelten Tagen hat sie sich bisher sogar schon richtig in Rage geschrien. Was ist da nur los mit unserem Sonnenschein?

Der Grund heißt wohl „abendliche Schreistunden“. Das heißt: Es gibt keinen –für uns ersichtlichen- Grund. Für sie muss es einen Grund geben, denn sonst würde sie sich nicht so verhalten. Und dann taumelt mal als frischgebackene Eltern zwischen Glück und absoluter Hilflosigkeit. Als dieses Verhalten das erste Mal aufgetreten ist, haben wir Bauchschmerzen im Verdacht gehabt und ihr geholfen: Wir haben ihren Bauch massiert, ihn mit einem warmen Kirschkernkissen versorgt, sind mit ihren Beinchen Fahrrad gefahren, haben die Temperatur gemessen (und versucht sie so zu stimulieren), sie im Fliegergriff oder Storchengang durch die Wohnung getragen oder in der Tragehilfe gehabt. Dann habe ich andere Dinge probiert, weil das Bauchweh unwahrscheinlich schien. Erst habe ich sie fest und dann etwas lockerer gepuckt. Wir haben sie in verschiedenen Positionen getragen, damit sie umher sehen konnte. Das Zimmer wurde gelüftet – vielleicht war es zu stickig oder zu warm. Wir haben geschaut, ob wir ihr etwas aus- oder anziehen können, damit sie sich nur wohler fühlt.
Nichts davon hat geholfen. Nichts. Wir haben es gut eine Stunde versucht. Immer wieder wurde ihr weinen weniger und wieder mehr. Immer wenn sie sich gerade beruhigt hatte und ich sie anlegen wollte, ging es von vorne los. Bis sie irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen ist und ich geweint habe: Wie konnte ich mein Kind sich in den Schlaf weinen lassen? Wie konnte ich so versagt haben? Den Großteil des Tages ist sie glücklich oder schläft ruhig. Und dann kommen alle paar Tage diese Abende – und zuletzt auch, als wir nicht viel unternommen hatten und sie Ruhe bekommen hatte.
Auch gestern Abend hat sie wieder zwei Stunden gebraucht um in einen ruhigen Schlaf zu finden. Ich lag dann einfach ruhig neben ihr, habe sie gehalten und gestreichelt und ihr immer wieder gesagt, dass ich sie liebe. Die Intervalle von Unruhe zu Ruhe wurden länger, bis sie schließlich an meiner Brust in einen ruhigen, erholsamen Schlaf glitt. Heute, als ich bei der Frührückbildung saß und Greta unruhig wurde, aber die Brust nicht wollte und der Raum schon fast leer war…weinte ich einfach los. Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten und weinte, weil ich meiner Tochter am Abend zuvor nicht hatte helfen können. Und an einigen Abenden zu vor. Meine Hebamme nahm mich in den Arm und wir redeten miteinander: Manchmal kann man einfach nichts tun, außer da sein. Irgendwas geht in diesen kleinen Wesen vor. Sie verarbeiten erlebte Dinge, aktuelle Momente, der Körper wächst, verändert sich. Sie arbeiten auf Hochtouren und kommen manchmal damit nicht klar. Einige erklären jedes Wimmern und unruhig sein mit sogenannten „Schüben“ – ich halte nichts von einem Babyjahresplan, in dem zu jeder Woche jedes Baby eine bestimmte Entwicklung durchmacht. Aber ich glaube meiner Hebamme und meiner Erfahrung, dass einfach viel erlebt und verarbeitet wird und die Kleinen sich in rasantem Tempo entwickeln. Allein in der letzten Woche hat Greta fast 300gr zugenommen – das muss der kleine Körper auch verarbeiten. Ich bin keine schlechte Mama und mein Mann kein schlechter Papa, nur weil wir manchmal nichts anderes tun können, als für unsere Tochter da zu sein.
Liebe Mamas und Papas da draußen, die ihr euch auch manchmal diesen abendlichen Schreistunden gegenüberseht und nicht wisst, was ihr tun könnt. Aus meiner Erfahrung kann ich euch sagen: Ihr könnt wohl nichts tun, außer da zu sein. Atmet durch, akzeptiert, dass es manchmal so ist und seid einfach für eure kleinen Schätze da. Nähe, Liebe und Verständnis hilft den Kleinen so viel, viel mehr als man selbst glaubt. Und doch: Auch für mich war die Nähe meiner Hebamme, eine Umarmung und ihr Verständnis heute einfach genau das was ich gebraucht habe. Denn auch mein Weinen kam erst einmal überraschend und ich konnte nicht aufhören. Da fühlte ich mich meiner Tochter erneut ganz, ganz nah: Manchmal ist diese Welt zu viel, die eigenen Gefühle zu groß und es braucht jemanden an der eigenen Seite, der einen spüren lässt, wie wertvoll man ist. Und das ist genau richtig.
Herzlichst, Antonia

4 Kommentare zu „7 Wochen Babyglück – von Glück und Hilflosigkeit bei abendlichen Schreistunden

  1. Liebe Antonia,

    ich glaube, jedes Elternteil kann deine Gefühle so gut nachvollziehen, gerade, wenn das Baby eigentlich sehr pflegeleicht ist. Auch wir hatten derlei Schreistunden, zum Glück sind diese mit der Zeit immer weniger und immer sanfter geworden, sodass wir uns jetzt wirklich auf relativ problemloses Einschlafen freuen können.
    Mir haben die Informationen über die Schübe übrigens sehr geholfen, gerade weil Love dann zum Teil sehr verändert war in seinem Wesen und ich wirklich verzweifelt war. Wenn man weiß, wieso weshalb warum er so anders war, wie er war, konnte ich damit viel besser umgehen und ihn besser unterstützen.

    Alles Liebe
    Lea

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  2. Liebe Lea,

    gestern Nacht war es bei uns wieder so harmonisch wie gewohnt. Das hat uns sehr gefreut und wir haben es in vollen Zügen genossen.
    Es ist schön, wenn du anhand der Schuberklärungen denen Love mehr verstehen und die Situation so besser annehmen konntest. Ich glaube jedoch nicht, dass jedes Baby beispielsweise um die 8. Woche herum eine festgelegte Entwicklung durchmacht. Dafür sind die Babys einfach viel zu unterschiedlich und entwickeln sich anders. Das ist, was mich daran so stört.

    Alles Liebe und bis bald 🙂
    Antonia

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