Shoppingwahn – Scheuklappen, Internetverbot und am besten Winterschlaf (Inkl. Anschaffungsliste)

„Ein Baby kostet Geld!“ Das ist ein Satz, den man immer zu hören bekommt, wenn man von den Babyplänen erzählt. Ich weiß zwar immer noch nicht, wieso man das gesagt bekommt, aber okay! Man hört es sich halt an, ahnt es aber schon im Voraus. Klar kostet ein Kind Geld – es muss ja eingekleidet und versorgt werden. Aber ehrlich: Windeln, kleine Babykleidung und das bisschen Drumherum können doch nicht so teuer sein. Oder? Ha ha – denkste, liebe werdende und vor allem hormongesteuerte Mami! Und auch wir mussten lernen, dass man (oder viel mehr Frau) trotz noch so einem strengen, selbstauferlegten Vorsatz „Wir kaufen nur das Nötigste und schauen genau auf den Preis!“ irgendwann die Kontrolle verliert.
Während Kalorien die Tierchen sind, die nachts die Kleider enger nähen, muss es sich bei Hormonen um die Art kleiner unsichtbarer Krabbelwesen handeln, die das Vernunftzentrum im Hirn für mindestens zehn Monate völlig blockieren und vom Rest des Hirns abschneiden. Mit Umleitung, Staumeldung und einem Schild: „Hier wird für Sie gebaut – Ende der Baustelle ca. Februar 2016“. Im Kleingedruckten, auf der Rückseite des Schilds, auf einer fremden Sprache ist jedoch zu lesen „Denkste – das hört erst auf, wenn die Kinder alt genug sind sich selbst einzukleiden!“. Und das ist auch nur die Hoffnung, die ich mittlerweile hege. Denn während der Nestbautrieb inklusive Vorbereitungswahn auf das kleine, zu schützende Baby einsetzt, setzt das Hirn völlig aus. Vom Projekt Kinderzimmer und dessen Auswirkungen, habe ich euch ja bereits hierberichtet. (*klick*)
Unsere Anschaffungsliste 1/3

Bevor wir schwanger wurden, fand ich immer wieder tolle Artikel im Netz, bei anderen Mamis und im Handel, bei denen ich dachte „Oh – sowas möchte ich später für unser Kind haben!“. Ich schrieb eine Liste, zeigte meinem Mann immer mal diverse Dinge und versorgte ihn in kleinen Dosen im Durchstreifen der Babyabteilung mit winzigen Babysachen, welche ich mit einem „Oh schau doch mal wie niedlich!“ begleitete. (Ich musste ihm ja immer noch die Babyidee schmackhaft machen. Blöd nur, dass Männer irgendwie nicht so auf Babysöckchen anspringen wie Frauen, sonst wäre das leichter gewesen.) Andere, teurere Artikel (vor allem die teuren) enthielt ich ihm erstmal vor und notierte sie mir fein säuberlich auf einer Liste, die im Schreibtisch verschwand. Bloß keine Spuren hinterlassen! Als wir endlich schwanger waren, kauften wir das erste Stramplerset. In voller Vorfreude und Liebe zu dem, was da auf uns zukam. Es war ein unglaubliches Gefühl und für alle sichtbar trug ich die Sachen stolz zur Kasse. Alle sollten sehen: Wir werden jetzt Eltern. Wir erfahren das wunderbare Glück und endlich darf ich all die süßen kleinen Dinge shoppen, von denen ich lang geträumt habe! 

Er nahm mir danach das Versprechen ab, bitte nicht wie „all die anderen kaufsüchtigen Frauen mit Tunnelblick“ zu werden und uns „in den Ruin zu stürzen“. Natürlich Schatz, gar kein Problem! Ich beruhigte ihn, da er schon sichtbar im Geiste die Zahlen spielen ließ, als er auf die Preisschilder der Bodys, Socken, Jacken, Schuhe, Windeln, Spucktüchter, Kinderwagen, Tragehilfen usw. schaute. „Keine Sorge“ sagte ich ihm: „Wir vergleichen die Angebote und kaufen nur die notwendigsten Dinge. Einiges können wir gebraucht oder auf dem Flohmarkt sicher günstig kriegen und es gibt so viele Rabattangebote für Mamas! Und wir machen eine Liste!“ So war der Plan und ich war wirklich, wirklich bemüht diesen, und vor allem unsere Liste, einzuhalten.
Ich dachte mir „Markenkleidung – braucht kein Baby. Windeln? Das können auch die preiswerten der Eigenmarke vom Drogeriemarkt um die Ecke werden. Klamotten kriegt man günstig und so gut wie neu von anderen Mamas. Die wachsen doch eh so schnell raus. Man bekommt ja auch viel geschenkt. Man kann nach und nach kaufen, nicht zu viel auf einmal.“ Ich glaube, wir haben fast gegen all diese Punkte verstoßen. Mittlerweile häufen sich ganz schön viele Strampler, Höschen, Söckchen, Strumpfhosen, Jäckchen usw. in verschiedenen Größen bei uns. Natürlich befinden sich sowohl Flohmarktkleidung als auch Markenteile oder selbstgemachtes dazwischen.
 
Am Anfang steht der gute Vorsatz – danach die Panik vor dem Kartoffelsack
 
Am Ende war es natürlich so: Bei einigen Sachen haben wir nicht so sehr auf den Preis geachtet, bzw. ein höheres Budget veranschlagt (wie z.B. den Kinderwagen). Wieder andere Dinge (wie den Hochstuhl) wollte ich unbedingt von dem einen Hersteller und keinem anderen. Hier habe ich manchmal meinen Willen bekommen, und andere Male musste ich nachgeben. So ist das ja in einer guten Ehe, jeder darf mal seinen Kopf durchsetzen und jeder darf mal bestimmen bzw. sich zurück nehmen. Und in den besten fängt der Liebste voller Eifer an für seine Tochter ein Bücherregal mit viel Liebe zu bauen (und so auch noch eine Menge zu sparen und auch die Mama so glücklich zu machen). Wieder anderes – vor allem Kleidung – konnten wir günstig auf dem Flohmarkt bzw. über Kleinanzeigen ergattern. Auf dem Flohmarkt und in Bekleidungsläden haben wir uns beispielweise immer nur mit einer Liste bewegt. Vorbildlich und mit vollstem guten Vorsatz. Niemand kann also sagen, ich hätte es nicht versucht. Wirklich nicht! Und befindet man sich erst einmal zwischen Ständen oder Kleiderständern…da arbeiten die kleinen Hormone auf Hochtouren: Die restlich verbliebene Verbindung zur Vernunft, die über besagte Liste aufgebaut wurde, wurde sofort unterbrochen. Ohne Funkkontakt. Wild, blind, Sachen raffend rannte ich herum und kaufte, kaufte, kaufte. Während in meinem Gesicht vollste Entzückung zu lesen war, stand meinem Mann die nackte existentielle Panik ins Gesicht geschrieben.
 
Lass uns nur mal gucken – Die Gefahr von Instagram & Schaufensterbummel
 
Immer und immer wieder überkam (okay, und überkommt) mich mit fortschreitender

Schwangerschaft beim Durchforsten von Schaufenstern, Auslagen, Instagram und Co der Verdacht, nein eher die nackte Panik, dass wir nicht genug haben. Nicht genug Söckchen – das Baby wird kalte Füße bekommen! Nicht genug Strampler in Größe 56 – was ist wenn es erst die 50 braucht? Oder doch gleich die 62? Es wird frieren und wir müssen ihm eine Papiertüte anziehen! Die anderen Mamis haben viel mehr im Schrank. Die Kommoden und Schränke der Babys sind vollgestopft, unsere wirken dagegen leer. Also renne ich mit meiner Liste ins Babyzimmer und zähle die Strampler, schaue nach den Größen und überlege „Was brauchen wir noch?!“ Und Bücher und Spielsachen – das arme Kind braucht doch schon was im Zimmer. Wie sieht denn das sonst aus, so ohne ein Buch im Regal? Ein Greifring und Schmusetuch reichen doch nicht – was ist wenn ihr genau das nicht gefällt? „Lass uns doch nur das eine Buch mitnehmen!“ „Nur das eine Spielzeug möchte ich für sie haben.“ Ungeduldige Panikkäufe folgten: Von Klamotten, über Spielsachen bis hin zu Büchern konnte ich meinen Mann immer wieder auf kleiner Shoppingtouren entführen. Dabei findet man natürlich noch mehr Dinge, die man gerne hätte. Hier wären wohl Zensur oder plötzlich auftretende und ca. zehn Monate anhaltende Verbindungsschwierigkeiten zum Internet nicht schlecht, mag sich so mancher werdender, schwitzender Papa denken. Man könnte der guten Kugeldame an der Hand auch einfach schicke Scheuklappen umbinden oder sie daheim in eine Wanne aus Watte packen, aus der sie allein mit dem dicken Bauch nicht mehr hinauskommt. Das ist eine sicherlich nicht optimale Verwahrmöglichkeit für eine Frau im Shoppingrausch. Viele Männer haben ja auch Übung darin ihre Frauen am Einkaufen zu hindern. Müsste man meinen. Aber die Wirtschaft läuft ja gut und die Angebote und tollen Sache locken von allen Seiten.

Durchatmen…und die Umleitung zur Vernunft nehmen
 
Immer, wenn ich in solchen Situationen in die ungläubigen Augen meines Mannes blicke, kann ich

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darin lesen: „Wir haben alles auf der Liste. Wir haben schon ganz oft Sachen nachgekauft. Wir können immer noch Dinge nachkaufen, wenn das Baby da ist und wir wissen, was wirklich fehlt!“. Und merke nach einem tiefen Durchatmen, dass er Recht hat. Wir brauchen keine fünfzig Bodys, zwanzig Spucktücher, fünf Spieluhren oder dreißig Paar Söckchen. Wir haben unsere Liste abgearbeitet, einiges mehr gekauft und sind vorbereitet. Dann gibt es da noch den einen Satz, mit dem er mich auf den Boden, weg von der Angst und zurück in die pure Vorfreude geholt hat, welcher lautete: „Wir haben genug gekauft und wenn etwas fehlt, können wir gemeinsam mit unserer Tochter einkaufen gehen. Dann sehen wir, was (zu) ihr passt und wir können stolz unser Baby ausfahren.“ Und hier haben die Hormone eine andere Stelle im Hirn schlagartig gepuscht. Die tiefe Liebe und das tiefe Vertrauen in diesen Mann an meiner Seite, der meine Hand fest auf unserer Reise zum Baby hält und mich einfach mal bremst. Der mit viel Liebe ein Bücherregal für seine Tochter baut und immer mal ein Auge zudrückt und sagt „Okay, dann besorgen wir noch zwei Strumpfhosen in der 62, wenn dich das beruhigt.“. Und manchmal, manchmal gelingt es mir mittlerweile von selbst (nach einiger Zeit) zu sagen: „Okay. Damit können wir noch warten oder lassen es der Kleinen schenken.“ Diese Dinge landen mittlerweile einfach auf unserer Wishlist – die haben wir an Familie und Freunde weitergegeben, damit sie auch noch etwas zu schenken wissen.

 
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Ich bin also mittlerweile guter Dinge, dass unser Baby weder in einem Kartoffelsack noch einer braunen Papiertüte auch nur einen einzelnen Tag verbringen muss. Und bei vollgestopften Kommodenbildern versuche ich mich zu besinnen, gehe in unser Babyzimmer und betrachte voller Vorfreude all die schönen Dinge, die wir in viel Liebe für unsere Maus ausgesucht haben und kann es kaum erwarten, dass sie die Dinge endlich tragen, anfassen, nutzen und bestaunen kann. Ich glaube auch, dass es vielen, wenn nicht sogar allen, werdenden Mamas so ergeht. Man möchte einfach bestmöglich vorbereitet sein und lässt sich von all den schönen Dingen verführen. Ab und zu muss man dann einfach die Umleitung um die o.g. Baustelle nehmen, um mit Durchatmen, Besinnung und –je nach Typ- vielleicht anhand einer solchen Erstausstattungsliste bei der Vernunft anzukommen.
 
Herzlichst, Antonia
 

Ein Kommentar zu „Shoppingwahn – Scheuklappen, Internetverbot und am besten Winterschlaf (Inkl. Anschaffungsliste)

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