Hecheln für den guten Zweck – Der Geburtsvorbereitungskurs

Geburtsvorbereitung

Schon zeitig stand für mich fest, dass ich mich intensiv mit dem Thema Geburt auseinandersetzen und mich so gut es geht auf dieses Ereignis vorbereiten möchte und werde. Ich kann angstfreier und einfach befreiter in Situationen gehen, wenn ich diese in etwas kenne bzw. eine ungefähre Ahnung davon habe, was auf mich zukommt. Je genauer, desto sicherer fühle ich mich. Natürlich verläuft jede Geburt anders und steckt man erst einmal in dieser Situation ist sicherlich viel vom „Gelernten“ vergessen. Jedoch gibt es im Vorfeld Sicherheit und ich bin auch noch vier Wochen vor geplantem Termin angstfrei und sehe dem Ereignis mit freudiger Erwartung entgegen.

Das mein Partner mit muss, war ebenfalls für mich klar. Mein Mann war anfangs nicht begeistert: „Ich hab keine Lust auf so einen Hechelkurs! Kannst du das nicht alleine machen?“ „Tja Pech – mitgehangen, mit gefangen. Wir machen das zusammen!“ Kurz gesagt: Ääättsch! Manchmal brauchen die Herren der Schöpfung einfach ´ne Ansage und müssen ihre Po-Bäckchen zusammen kneifen. Ich glaube auch nicht, dass so ein Wunsch zu viel verlangt ist, und das war es ja auch nicht. Mir zu Liebe hat er es auf sich genommen. Ob sich seine Sicht am Ende geändert hat, werdet ihr hier erfahren.
Wo? Wann? Wie? Was?
Nun war die Frage, wo wir einen solchen Kurs belegen. Es gibt viele Möglichkeiten: Krankenhaus, Hebamme, Geburtshaus usw. Dazu kommen unterschiedliche Formen. Es gibt Kurse die über mehrere Wochen gehen, Wochenend-, Feierabend und Kompaktkurse. Kurse allein für Frauen, für Paare und auch Mischungen daraus. Die Kurse finden auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten während der Schwangerschaft statt. Manchmal ist vorgeschrieben, wann man teilnehmen darf und bei anderen Anbietern darf man sich einfach eintragen, wie man es für richtig hält. Wir wollten die Geburtsvorbereitung in einem vertrauten Rahmen absolvieren und haben uns für einen Kurs in unserem Geburtshaus entschieden. Auch wenn wir die Kursleiterin nicht kannten, wussten wir jedoch, dass wir gut aufgehoben sein würden. Wir haben uns einen Feierabendkurs (2 Wochenenden, jeweils Freitagabend und Samstagvormittag) ausgesucht. So war es beruflich machbar und ich fand den Gedanken gut, alles „in einem Wisch“ abzuarbeiten. Ein wöchentlicher Kurs hat natürlich auch seine Vorteile – die Paare lernen sich, denke ich, intensiver über die längere gemeinsame Zeit kennen und sicher entsteht eine andere Intimität, als bei solchen kurzen Intermezzi. Zum Zeitpunkt des Kurses war ich in der 27./28. Woche, also im 7. Monat. Für mich brachte dieser eher frühe Termin auch die Sicherheit, den Kurs komplett „abzuschließen“ bevor sich unser Baby auf den Weg macht.
Unsere Erwartungen und Hoffnungen an den Kurs
Mein Mann erwartete –wie der Titel vermuten lässt- einen „Hechelkurs“ und das ist sicherlich auch etwas, woran viele denken, wenn sie von einer solchen Schulung hören. Ich weiß nicht, ob sich vor einiger Zeit (oder auch aktuell) wirklich acht Paare im Kreis gegenüber saßen und fleißig schnaubten, hechelten und sich über den Boden wälzten. Falls es so war bzw. noch ist, kann ich eine gewisse Skepsis gegenüber diesem Zeitvertreib gut verstehen. Mehr erwartete er glaub ich nicht, als einfach an meiner Seite zu sein und zuzuhören.
Freitagabend war es nun soweit, neun Paare unterschiedlichen Alters trafen sich mit einer erfahrenen Hebamme auf Matten und Gymnastikbällen im Geburtshaus. In der Vorstellungsrunde erfuhren wir, wann und wo die Babys kommen sollten. In einer weiteren Runde durften wir äußern, was wir vom Kurs erwarten und uns erhofften.
Ich äußerte, dass mir die Geburt keine Angst mache, ich aber gern den genauen Ablauf verstehen würde: Wie tritt das Baby aus? Wie kann ich ihm mit meinem Körper dabei helfen? Welche Position ist für mich die Beste – können wir das probieren? Wie bemerke ich, dass es wirklich los geht und Zeit ist die Hebamme zu rufen? Und auch: Wie kann ich diese Situation mit meinem Partner meistern und zwar so, dass es meinem Mann nicht zu viel wird? Die Vorstellung meinen Partner leiden zu sehen und ihm nicht helfen zu können, macht mich persönlich sehr betroffen. Ich ertrage es nicht, ihn leiden oder trauern zu sehen und zu wissen „Ich kann es nicht ändern“. Das wollte ich meinem Liebsten einfach ersparen, ihm helfen bzw. geholfen wissen und trotzdem Unterstützung von ihm erfahren. Wie kann ich mit anstatt gegen die Wehen arbeiten? Wie kann ich atmen, damit es leichter ist? Hier wünschte ich mir konkret eine praktische Anleitung für mich und meinen Mann. Und woran denken wir vielleicht gar nicht, was aber bei der Geburt passiert? Meine persönliche Hoffnung bestand noch darin andere Mamis kennenzulernen und einen bleibenden Kontakt aufbauen zu können. So kann man sich nach der Geburt austauschen, verabreden und es entstehen vielleicht sogar Freundschaften.
Der Kursverlauf – Themen und Eindrücke
Dann ging es auch schon los. Unsere Wünsche und Fragen wurden sehr gut im Kurs aufgefasst und integriert. Manchmal wurden sie an eine spätere, passendere Stelle gerückt, aber doch immer beantwortet. Wir starteten mit dem Thema „Männerjob“ – wie können uns die werdenden Papas unterstützen, für uns vor Schwestern und Ärzten einstehen und entlasten. Wann müssen sie welche Knöpfe auf dem Telefon oder unserem Rücken drücken und uns zu Bewegung oder Ruhe motivieren? Wir starteten dann auch mit einer Atemübung zum Arbeiten mit der Wehe, welche das befürchtete „hecheln“ vermissen ließ und wirklich angenehm war. (Denn diese Sorge teilten einige Männer im Kurs – bloß nicht hecheln und lächerlich machen!). Ganz über uns schwebte der Rat „Ja“ zur Wehe zu sagen und mit ihr, anstatt gegen sie zu arbeiten. Das hat mir sehr gut gefallen und diese Atemübung absolvieren wir nun, da der Termin immer näher rückt und die Übungs- und Senkwehen häufiger werden, immer öfter. Solche Atemübungen helfen übrigens auch super vor Ultraschalluntersuchungen, um das Baby zu wecken und so schöne Bilder zu bekommen. Bei uns hat es super funktioniert!
Wir sprachen über den Aufbau der Gebärmutter, Plazenta, Fruchtblase, wie das Baby darin liegt, versorgt wird und wie sich die Gebärmutter mit welchem Nutzen zusammenzieht. Die verschiedenen Arten der Wehen, die auftreten können (aber nicht müssen), wurden ebenso genau besprochen und erklärt. Das war ein Thema das mich insgesamt sehr interessiert hat und wozu ich mir einiges an Notizen gemacht habe. Ich war übrigens die Einzige, die sich Notizen gemacht hat. Irgendwie typisch, aber so kann ich jetzt immer wieder nachsehen, was wir besprochen haben und falls ich etwas vergessen habe, kann ich in mein schlaues Buch sehen.
Die Themen wie Erstausstattung, Kliniktasche und Ablauf in der Klinik waren für uns weniger interessant. Jedoch wurde in Zusammenhang mit dem Thema Klinik auch das Thema Geburtsplan angesprochen. Hier hatten sich vereinzelt andere werdende Mamas (übrigens handelte es sich bei allen um Erstgebärende) bereits viele Gedanken gemacht und so konnten wir einige Punkte im Plenum besprechen und wir manche Ideen für unseren Plan mitnehmen. Dieser Geburtsplan dient dazu im Krankenhaus bei der Anmeldung genau sagen zu können, welche Dinge man möchte und welche man nicht. Wir haben für den Fall „Klinik“ einen solchen erstellt und mit unserer Hebamme besprochen. So wissen sowohl mein Mann, als auch unsere vertraute Hebamme Bescheid und beide können mich unterstützen und für mich einstehen, wenn ich dazu nicht gerade in der Lage bin. Denn unter Wehenschmerzen lässt es sich scheinbar nicht gut diskutieren 😉
Natürlich kamen auch Themen zu Sprache, die einigen KursteilnehmerInnen einen Anflug Schrecken bereitet haben (Dammmassage, Dammschnitt/-riss, Wochenfluss usw.). Doch auch hier konnten konkret Fragen gestellt werden und das in einem geschützten Raum ohne jegliches Schamgefühl. Das war zum Glück trotz der Kürze des Kurses möglich. In den Pausen tauschten wir uns mit den anderen Paaren aus, konnten uns beschnuppern und unterhalten. So fielen einige Fragen dann leichter. Ich würde auch sagen, dass mir das Schamgefühl hier eher egal war: Es geht ja darum sich bestmöglich auf die Geburt vorzubereiten und nicht von anderen Menschen, die ich ggf. nie wieder sehe, in einer bestimmten Art und Weise gesehen zu werden. Ich glaube auch, dass die meisten anderen in unserer Runde ungezwungen miteinander umgegangen sind und so einfach eine gute Atmosphäre entstanden war.
Andere Themen die zur Sprache kamen waren noch beispielsweise das Stillen, Wochenbett, Tragen, gemeinsam praktizierte Entspannungsübungen (die fand ich allerdings eher blöd ;-)), der Ablauf der Geburt (wie das Baby in das Becken ein- und austritt), einige Fragen zum Thema Babypflege und Tipps wie beispielsweise den Mann ein Kreissaaltagebuch führen zu lassen, damit man sich später an alles erinnern kann und es möglich ist noch mal über alles zu sprechen und die Geburt für sich zu verarbeiten. Wir schauten auch das Geburtszimmer im Geburtshaus an und durften unterschiedliche Gebärpositionen ausprobieren (Hocker, Ball, kniend, am Seil/Tuch). Hier hätte ich mir allerdings weniger TeilnehmerInnen und mehr Zeit gewünscht.
Am Ende des Kurses kam noch ein anderes Paar zu einer Frage- und Gesprächsrunde in unsere Mitte. Die Beiden wurden von der Kursleiterin betreut und berichteten von zwei Geburten: Dem geplanten Kaiserschnitt beim ersten Kind und der spontanen Geburt im Krankenhaus beim zweiten. Sie hatten zwischen zwei Arten einen direkten Vergleich und die Frau konnte sehr nachvollziehbar ihre Gefühlswelt darstellen, in der sie sich bei und nach der jeweiligen Geburtsart befunden hat. Diese frischen Erfahrungen aus erster Hand waren sehr interessant und wir konnten noch einige Fragen loswerden. Den ganzen Kursverlauf über berichtete die Hebamme immer wieder von persönlichen und beruflichen Erfahrungen, was ich sehr gut und authentisch fand. Mir wurde nochmal klar wie unterschiedlich Geburten verlaufen können und was am Ende doch allen gleich bleibt.
Fazit
Am Ende des ersten Tages meinte mein Mann zu mir: „Mensch, jetzt wird das alles viel realer. Gut dass wir das gemeinsam machen.“ Aha, soso 😉 Diesen Meinungsumschwung behielt er dann auch bei. Wir besprachen nach den Terminen die Inhalte nochmals miteinander und waren beide fasziniert und interessiert. Wir beide waren froh eine solche Erfahrung gemeinsam gemacht zu haben. Wir noch viel Wissen für uns mitnehmen. Seien es nun theoretische Aspekte einer Geburt oder Tipps wie das Kreissaaltagebuch oder zwischen den Wehen sich mit z.B. UNO-spielen abzulenken. Ich weiß nicht, ob ich bei einem zweiten Kind noch einmal einen solchen Kurs besuchen würde, aber mir als Erstgebärende hat es eine Menge Sicherheit gegeben und offene Fragen beantwortet. Und vor allem fühlten und fühlen wir uns als Paar in unserer Entscheidung für das Geburtshaus (Wieso, weshalb, warum findetihr hier – *klick*) sehr bestärkt und sind froh auf jeden Fall eine vertraute (Beleg-)Hebamme bei uns zu haben (auch wenn wir doch noch in die Klinik fahren sollten). Auch wenn einige Themen weniger interessant waren, so haben uns andere doch sehr gefesselt. Die Darstellung wie ein Baby aus einem Becken austritt (anhand eines Modells) war sehr einbrennend und die Atemübungen werden mir hoffentlich bei der Geburt helfen. Mein Mann kennt nun quasi seine Aufgaben – aber die hätte er auch davor erahnt. Nun sind sie allerdings konkreter und ich glaube das wird uns beiden bei der Geburt helfen.
Geburtsvorbereitung Geburtskurs
Hecheln für den guten Zweck

Ich weiß nicht, ob jeder Kurs so läuft wie unserer. Ob die Themen der TeilnehmerInnen so gut aufgefasst und eingearbeitet werden, ob es wirklich Hechelkurse gibt oder gar Leiterinnen die nicht so mit Herz bei der Sache sind, wie es bei uns glücklicherweise der Fall war. Ich kann euch einen solchen Kurs bei einer erfahrenen Hebamme nur ans Herz legen. Leider erfüllte sich die Hoffnung bzgl. engeren Kontakts zu den anderen nicht. Wir tauschten am Ende zwar alle unsere E-Mail Adressen aus und stehen ab und zu in lockerem Kontakt miteinander, aber richtige „Weggefährten“ fanden wir nicht. Trifft man sich jedoch, unterhält man sich nett und das ist ja auch schon viel wert.

Fragen an euch!
Habt ihr vor einen Kurs zu besuchen, vielleicht sogar beim zweiten oder dritten Kind? Wollt ihr diesen mit oder ohne Partner besuchen? Habt ihr ihn vielleicht schon hinter euch und könnt eure Erfahrungen hier teilen? Gibt es Frauen, die absolut unzufrieden oder am Ende sogar unsicherer als vorher waren? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen – teilt sie doch mit uns einfach unten in den Kommentaren!
Herzlichst, Antonia

2 Kommentare zu „Hecheln für den guten Zweck – Der Geburtsvorbereitungskurs

  1. Hej ho liebe Antonia,

    wir haben den GVK (ein Wochenende war es bei uns) auch in dem Geburtshaus gemacht, wo wir entbinden sollten (was ja dann leider nicht geklappt hat). Auch den Rückbildungskurs mache ich jetzt dort und ebenso die Babymassage und Schwangerenyoga habe ich dort auch schon besucht. Ich finde es auch total praktisch, wenn man dort alles an einem Ort hat, die Hebammen kennt und v.a. auch irgendwann Mütter mit ihren Kindern. Leider habe ich auch nicht so wirklich Kontakt knüpfen können, also nichts was über den eigentlichen Kurs hinausgeht. Ich tue mich damit recht schwer, mal sehen, was die Zeit bringt.
    Ich habe den Kurs auch für uns so als Vorbereitung auf den ganzen Vorgang und das Wochenbett gesehen, gerade mein Mann hat sich viele Infos zur Zeit im Wochenbett gewünscht, was er da alles machen kann und soll, das kam leider zum Schluss ein wenig kurz, aber im Großen und Ganzen hat uns dieser Wochenendkurs sehr gut gefallen, die Hebamme war auch sehr gut und ist jetzt dieselbe, die uns im Rückbildungskurs sportlich wieder an den Rand der Verzweiflung bringt 😉
    Ich war auch in der „Luxussituation“, dass ich keinerlei Angst vor der Geburt hatte und dafür einfach nur tierisch neugierig war und mich total drauf gefreut habe. Das ist übrigens bis zum Schluss so geblieben, auch während des ganzen Geburtsverlaufs war ich niemals unsicher oder habe mich unwohl gefühlt. Ich wünsche Euch nur das allerbeste!

    Viele liebe Grüße
    Lea

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  2. Liebe Lea,

    danke für deinen ausführlichen Kommentar und das Teilen deiner Meinung und Erfahrung! Es ist ja toll, dass du auch alles in deinem Geburtshaus machen konntest. Schade, dass die Entbindung dort nicht geklappt hat.
    Wie schön, dass auch euer Kurs für euch das richtige war und ihr -vor allem dein Mann- viel mitnehmen konntet. So fühlt man sich doch gleich sicherer, oder? 🙂
    Ich finde es beeindruckend und wundervoll, dass du keinerlei Angst vor der Geburt hattest und bis zur „Stunde Null“ dir diese Haltung bewahren konntest. So wünscht man es jeder Frau!

    Liebe Grüße,
    Antonia

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