Rückblick – Teil I: 140 Tage Aufregung, Angst und Übelkeit

Rückblick – Teil I: 140 Tage Aufregung, Angst und Übelkeit

In der vergangenen Woche haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht: Wir haben Halbzeit! Das heißt, dass 140 Tage Schwangerschaft hinter uns liegen und (wenn sich die kleine Maus an genau 40 Schwangerschaftswochen (SSW) hält) die Schwangerschaft noch weitere 140 Tage dauert. 

Heute möchte ich einfach nochmal zurück blicken auf diese bewegte Zeit. In den letzten Wochen und Monaten ist so unglaublich viel und wichtiges passiert. Sie waren geprägt von Aufregung, Stress, rauschartigen Glückszuständen, teilweise auch Ängsten, sowie Übelkeit, Mattheit und Kraftlosigkeit. 

Die ersten, kritischen Wochen der Schwangerschaft und die Angst

Da ich schon längere Zeit in einem Forum im intensiven Austausch mit anderen Hibbeldamen stand, habe ich öfter mit bekommen, dass einige Schwangerschaften leider nicht gut ausgegangen sind. In den ersten 12 Wochen kann viel passieren, einige Diagnosen, die das schwanger werden schon erschweren, machen es den kleinen Krümeln auch oftmals schwer, sich einzunisten und ordentlich festzubeißen. Wir haben miteinander gehibbelt schwanger zu werden und teilweise auch, dass erst einmal die Möglichkeit gegeben ist ein Kind zu empfangen. Wir haben miteinander gelacht, gelitten, geweint, gewütet und waren immer füreinander da. Leise oder laut. Eng verbunden in einer (virtuellen) Umarmung oder still nebeneinander stehend, sitzend und einfach die Nähe des anderen spürend.

Schwanger werden, heißt leider nicht immer schwanger bleiben. 

Ich möchte hier allen Frauen mein großes Mitgefühl ausdrücken: Ihr seid so unglaublich stark, dass ihr nach einem Frühabbort, einer Fehlgeburt und negativen Schwangerschaftsverlauf immer wieder aufstehen und weiter machen könnt. Ihr seid unglaublich stark und zu gleich so im Innersten verletzt, zerrissen und erschüttert. Ich bewundere euch, die ihr immer wieder aufsteht und erneut die Möglichkeit auf euch nehmt, dass es wieder nicht gut ausgeht. Ich wünsche euch, dass ihr alle eure Wunder empfangen und austragen dürft. Ich wünsche euch so sehr, dass ihr mit euren lang ersehnten Sonnenkindern gesegnet werdet und eure Sternenkinder immer im Herzen tragen könnt! (Das wünsche ich natürlich auch den Männern an eurer Seite!) Der Austausch tat mir immer sehr gut. Es war gut jemanden zu wissen, der mit gehibbelt hat, mit getrauert und sich am Ende mit gefreut hat. Ich genieße diese Gemeinschaft noch immer sehr und kann es nur empfehlen, vor allem aber den Frauen, die Schwierigkeiten haben und vielleicht in ihrer unmittelbaren Umgebung niemanden haben, der so viel Verständnis und Mitgefühl aufbringen kann.

Zu Beginn unserer Schwangerschaft waren wir unter doppelter Beobachtung: In erster Linie war es die Kinderwunschklinik, die uns beobachtet hat und mit Rat und Tat zu Seite stand. Dort wurde die Schwangerschaft festgestellt und die ersten Ultraschall (US) fanden statt. Wir haben hier den ersten Blick auf unser lang ersehntes Wunder werfen dürfen, den ersten Herzschlag und das erste Zappeln unseres Gummibärchens erleben dürfen. In der 9 SSW haben wir uns dann auch bei unserem normalen Frauenarzt (FA) vorgestellt, welche dann nach einiger Zeit die alleinige Betreuung übernommen hat. Das gab Sicherheit und beruhigte uns sehr. Wir wurden engmaschig kontrolliert und zum US gebeten. So konnten wir unser Baby zu Beginn oft sehen und immer wieder merken, wie stark sein Herz schlägt und wie großartig es sich entwickelt.

Am Tage unserer Hochzeit.

Auch zu Beginn meiner Schwangerschaft hatte ich nie das Gefühl, dass es schief gehen könnte. Ich ahnte, spürte, wusste – jetzt funktioniert mein Körper. Jetzt hat es geklappt. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Uns wurde genau dieses Kind geschickt und auch der Zeitpunkt war – im Nachhinein betrachtet – genau richtig und perfekt. Kurz vor unserer Hochzeit erfuhren wir von unserem Liebling: So warteten wir auch nicht wie viele andere die ersten 12 SSW ab, um die frohe Botschaft zu verkünden. Ich musste es in die Welt hinaus rufen und alle an unserem Glück teilhaben lassen. Auch meinen Arbeitgeber habe ich sofort von der Schwangerschaft in Kenntnis gesetzt, denn so konnte schnell eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes und das Aussprechen des Beschäftigungsverbotes erfolgen. Auf der einen Seite war ich sehr traurig, dass ich meine Arbeit, die ich sehr gerne mache, nicht mehr ausüben durfte – auf der anderen Seite hatte ich Angst in Situationen zu kommen, die mein Baby gefährden konnten. 

Nur an einem einzigen Tag packte mich die Angst kurz aber dafür kräftig im Nacken und schüttelte mich so stark, dass es auch mein Mann mit der Angst zu tun bekam: Ich hatte ganz leichte Blutungen. Ich hatte in diesem Moment verdrängt, dass dies in den ersten 12 SSW durchaus sein kann und nichts schlimmes heißen muss. Da es kein frisches Blut war und keine Gewebestücke enthielt, schafften wir es uns allein zu beruhigen und den FA Termin drei Tage später abzuwarten.

Ich habe auch gemerkt, dass ich von Beginn an meinen Bauch immer fleißig gestreichelt habe und trotz meiner inneren Gewissheit Angst vor nicht kontrollierbaren Situationen hatte. Schnelleres Autofahren zum Beispiel ist mir immer noch ein Graus, sonst fahre ich gerne Autobahn und auch mal schneller, aber aktuell nicht. Die Geschwindigkeit macht mich nervös und das kann bereits ab 60 km/h passieren.

Wenn mir schwindlig wird oder die Puste ausgeht, hänge ich mich sofort an meinen Mann und will gerettet werden. In solchen Momenten würde ich am liebsten auf ihn klettern und von ihm nach Hause, in unsere sichere Höhle, getragen werden. Aber irgendwie sieht er das nicht so! Auch mein Mann achtet sehr auf mich – er hat ständig Sorge, ich hebe zu schwer, strecke mich zu doll oder überanstrenge mich. Wenn ich wieder mal sehr blass bin, werde ich sofort umsorgt und am Abend steht er gefühlte fünfzehn Mal auf, um mir etwas zu trinken oder zu essen zu holen.

 

Von Übelkeit und Kraftlosigkeit

Die erste kritische Zeit verflog für uns wie im Flug. Nach der Hochzeit, als der Stress der Planung und die Aufregung vorüber waren, ging es für uns direkt in die Flitterwochen und ab hier hatte mich die Übelkeit dann auch richtig im Griff. Auf gut Deutsch fanden die Mäusemadame und ich den Urlaub zum kotzen 😉 Am meisten machte mir die alltägliche Dauerübelkeit sowie Kraftlosigkeit zu schaffen.

Es gab Tage, an denen ich es kaum vom Bett zum Sofa schaffte. An Spaziergänge mit den Hunden oder gar den Haushalt war für mich gar nicht zu denken. Aufgrund des Beschäftigungsverbots musste ich mir über die Arbeit zum Glück keine Gedanken machen und war wirklich froh, dass ich weder das Haus verlassen noch mich irgendwie anstrengend musste. In diesen Wochen habe ich immer mal zu hören bekommen, ich würde mich „anstellen“ oder „es schlimmer machen, als es sei“. Und ich wünschte ich hätte mich nur angestellt, aber ich konnte keine Bäume ausreißen wie meine Mama beispielsweise oder die Frühschwangerschaft genießen wie andere. Mein treuer Freund – der blaue Plastikeimer – begleitete mich durch meinen Tag und ich war froh, wenn ich Tee und etwas zu Essen bei mir halten konnte. Mein Mann war während dieser Zeit unglaublich. Er kümmerte sich um alles. Wirklich alles. Manchmal habe ich es zwar geschafft den Geschirrspüler aus- bzw. einzuräumen und den Staubsaugerroboter (oh was liebe ich diesen kleinen Kerl!) einzuschalten, aber er versorgte die Hunde, kaufte meist allein ein und sorgte sich immer um mich. Ich möchte hier einfach: Danke sagen! Danke mein Liebster, du bist einfach wundervoll und ich fühle mich so geliebt wie nie zuvor in meinem Leben.

Immer als ich dachte, es ginge besser und mehr unternahm – mit einkaufen fuhr, die Schwiegereltern besuchte oder kochte, hatte ich am darauffolgenden Tag die Quittung. Von meiner FA bekam ich zwar Tabletten gegen die Übelkeit, doch oft erbrach ich diese schon kurz nach der Einnahme.


Eine Schwangerschaft kann also echt anstrengend und kräftezehrend sein. Ich bewundere alle Frauen, denen es schlecht geht und die trotzdem arbeiten müssen und gehen, die Kleinkinder zu versorgen und den Haushalt zu schmeißen haben. Die es irgendwie schaffen wochenlang über ihre Kräfte zu arbeiten und trotzdem auf ihr Ungeborenes achten. Ich bin einfach keine Heldin. Ich bin, wenn ich krank bin, wie ein Mann: Leidlich und mitunter unerträglich. Ja, so kann man das gut zusammenfassen. Die Erkältung die ich zwischendurch hatte, war noch das leichteste das ich ertragen konnte. Übelkeit und Kraftlosigkeit sind echt nicht mein Ding und nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ging es dann endlich bergauf. Zwar deutlich nach der 12 SSW, aber immerhin hat es endlich aufgehört.  

Ich achte nun penibel darauf, dass ich wirklich genug trinke und über den Tag verteilt viele kleine Mahlzeiten zu mir nehme. Sobald ich merke, dass mir etwas zu viel wird, ruhe ich mich auch aus oder mache ein Schläfchen.

Man muss sich wirklich genug Ruhe und Pausen gönnen, darf weder Trinken noch Essen vergessen und muss sich bewusst sein, dass man nicht mehr so viel powern kann, wie normal. Der Körper vollbringt einen Kraftakt: Er lässt einen Körper im eigenen entstehen. Ein kleines Leben wächst heran und da ist es klar, dass sich Körper und Geist daran gewöhnen müssen: Die Hormone lassen sowohl den Körper leiden (Übelkeit, Zahnfleischbluten, Ausschlag usw.), als auch den Geist ungeahnte Ängste erleben.

Im nächsten Teil des Rückblicks soll es darum gehen, sich (nicht) verrückt zu machen, bzw. machen zu lassen und ich möchte (für mich) sinnvolle Begleiter der Schwangerschaft vorstellen.

 

Herzlichst, Antonia


Den zweiten Teil findet ihr hier.

Von Ausschlag bis Zahnfleischbluten – Hier habe ich über meine Beschwerden und Wehwehchen geschrieben

Über das Gefühlschaos einer Schwangeren könnt ihr euch hier belesen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s