Es ist ein … Die Sache mit dem Geschlecht, den Wünschen und unserem Outing

Du bist noch so klein, und veränderst schon die Welt von so vielen Menschen.
Du setzt ungeahnte Kräfte frei und lässt über Grenzen hinaus wachsen.
Du lehrst uns Geduld und das Glück im ganz, ganz Kleinen zu sehen.
Du berührst und lässt unbekannte Gefühle spüren.
Du bist noch so unwirklich und doch alles.
Du bist…
Heute hatten wir nach drei langen Wochen wieder einen Vorsorgetermin beim Arzt. Wir haben uns seit Tagen darauf so gefreut und ich konnte die letzte Nacht vor Aufregung kaum schlafen, denn wir wollten wissen, was wir erwarten: Einen Jungen oder ein Mädchen.
Mein Mann nutzte die letzte Nacht noch, um mit dem Baby zu sprechen: „Bitte zeig uns morgen, was du wirst, damit wir dein Zimmer einrichten können.“ (Schleusen natürlich offen, was sagt er auch so ‘nen Käse und macht so süßes Zeug!). Bei unserer Untersuchung stellte sich heraus: Das kleine Wesen in Mamas Bauch hat brav auf Papa gehört – die Auflösung folgt später im Text. Erst einmal ein paar Gedanken zu dem Thema:
Die große Frage: Möchten wir es wissen?
Ob man das Geschlecht des Babys vor der Geburt wissen will, ist eine wichtige Frage, die früh von werdenden Eltern diskutiert wird. Überall hört man es immer wieder: Der eine Partner möchte sich vielleicht überraschen lassen, während der andere vor Neugier fasst platzt. Eine Einigung zu finden, ist manchmal nicht leicht aber am Ende sind sich die Eltern dann doch meist einig. Es gibt unglaublich willensstarke Menschen, die ihre Neugier zügeln und sich den Zauber des Moments nicht nehmen lassen wollen: Wenn es bei der Geburt heißt: „Herzlichen Glückwunsch, es ist ein …“ Die betreffenden Frauen laufen dann in meiner Vorstellung als große Kinder-Überraschungseier durch die Gegend. Natürlich gibt hier fast jeder (gefragt oder ungefragt) seinen Tipp oder auch sein Wunschgeschlecht ab. Hierbei helfen Ammenmärchen (oh ja, es sind Ammenmärchen, die keinerlei statistische Signifikanz oder Mehrgehalt aufweisen) wie beispielsweise: Der Bauch wächst nur nach vorn – es wird ein Junge!
Oder: Der werdenden Mama geht es sehr schlecht – das machen nur Mädchen! Manche dieser medizinisch sicherlich top ausgebildeten Leute (*hust*) widersprechen auch eindeutigen Ultraschallbeweisen und tun kleine Penise als Schatten oder sonstiges ab. Nun gut. Es mag jeder glauben woran er möchte, aber doch bitte nicht einer stolzen werdenden Mami den Jungen im Bauch weg reden. Das hat keinen Sinn, meine Damen und Herren! Penis ist nun mal Penis. Von besagten Paaren habe ich jedoch schon ab und zu gehört, dass sie auf „halber Strecke“ eingeknickt sind oder der Frauenarzt es sogar ausversehen verraten hat. Ich glaube, in der heutigen Zeit bedarf es viel Willenskraft und Durchsetzungsvermögen dem Arzt und manchmal Partner gegenüber, sich diese Überraschung zu bewahren.
Dann gibt es Menschen, die in der sechsten Woche zum Frauenarzt kommen (Feststellung der Schwangerschaft) und beim Blick auf Fruchtblase und Dottersack verzückt fragen: „Oh Herr Doktor – können Sie schon sehen, was es wird?!“ Bei solchen Geschichten freue ich mich immer, dass es auch andere Menschen nicht ganz so geduldig sind wie ich. Viele Frauenärzte lassen sich vor einer bestimmten Anzahl von Wochen auch gar nicht auf eine Vermutung ein (ich habe von der 16,18,20 SSW gehört-es unterscheidet sich mitunter sehr). Das ist sicherlich auch gut so, denn man möchte ja schon eine sichere Aussage und kein „Also Frau Meier, zu 50% wird es ein Mädchen!“ hören. Gerüchten zufolge soll es ja auch immer wieder Menschen geben, die sich im Nachhinein beim Arzt über eine Fehldeutung (mit angegebener Sicherheit von 70% o.ä.) beschweren möchten. Worüber, ist mir allerdings unklar, außer natürlich es handelt sich um den werdenden Vater. Denn der hat ja bekanntlich Einfluss auf das Geschlecht des unbekannten Familienmitglieds. Ärzte sind auch nur Menschen, und auch diese können und dürfen sich irren. Doof, wenn man alles in Blau hat und doch ein Mädchen kriegt, aber vielleicht ist das dann der richtige Zeitpunkt, sein eigenes Rollenverständnis von männlich und weiblich zu überdenken.
Ich und mein Mann gehören ja zu der sehr neugierigen Sorte. Bereits beim letzten Termin in der 15 SSW haben wir eine vage Tendenz erfragt und erhalten. 
Heikles Thema: Wunschgeschlecht

Früher musste das Erstgeborene unbedingt ein Stammhalter sein. Heute bleiben viele Kinder Einzelkinder und Eltern hoffen auf ein bestimmtes Geschlecht. Ja, Menschen wie Kim Kardashian lassen sich nur die „passende“ befruchtete Eizelle einsetzen, damit das Kind auch schön in den eigenen Lebensplan passt. Kann man alles machen und möchten, muss man aber nicht. Kann man verurteilen, man kann sich die Zeit aber auch sparen, denn die Leute machen es ja eh wie sie wollen. Ist ja auch gut so, wir möchten die Dinge ja auch so handhaben, wie wir sie uns vorstellen.
Ich persönlich finde: Ein Wunsch ist legitim und natürlich. Viele Frauen haben eine Hoffnung in sich. Während die hippe Lifystyle-Muddi vielleicht gern ein kleines Mädchen möchte, wünschen sich andere sehnlichst einen Jungen. Auch Papas dürfen übrigens Wünsche haben und äußern – aber dann hört es auch schon auf. Großeltern usw. hatten ihre Chance. Die sollten sich bitte nur noch über Nachwuchs freuen. An einem Wunschgeschlecht der Eltern finde ich nichts verwerflich. Einen Wunsch in dieser Hinsicht zu haben, bedeutet ja nicht, dass man den Jungen nicht lieben kann, weil man sich ein Mädchen gewünscht hat.
Ich habe mir sehr einen Jungen gewünscht. In meiner Vorstellung vom Leben mit Kind, sah ich uns mit einem kleinen Kerlchen durch die Welt stromern. Während ich bei Mädchennamen tagelang grübeln muss, fallen mir auf Anhieb mindestens zwanzig schöne Namen für kleine Jungs ein. Jungenklamotten sagen mir mehr zu, als die für Mädchen. Hinzu kommt, dass in meiner Familie bisher fast nur Mädchen zur Welt gekommen sind. Da muss man die Jungenfront doch unterstützen! Als wir endlich schwanger wurden, war es mir im ersten Moment natürlich total egal. Aber es kam der Zeitpunkt, an dem ich mich mit meinem Wunsch auseinander gesetzt habe: Was passiert, wenn es ein Mädchen wird? Wie werde ich reagieren? Natürlich werde ich es lieben. Aber werden andere meinen anfänglichen Schmerz verstehen – und müssen sie das überhaupt?
Ich bin nach einiger Überlegung dazu gekommen, dass ich offen mit dem Thema umgehe, jeder der mich fragt, erhält die ehrliche Antwort: „Ich wünsche mir sehr einen Jungen und wäre bestimmt im ersten Moment enttäuscht, wenn es kein Junge wird.“ Blankes Entsetzen überall! Die ist doch undankbar und verrückt! … Ähm – aber wieso denn bitte? Es ist mein Leben. Mein Körper. Mein Kind. Und vor allem war es über zwei Jahre mein großer Wunsch. Da macht man sich Gedanken, man malt sich die Zukunft aus, beobachtet Kinder und denkt sich „Wird mein Kind so werden?“ (Ich denke das gilt ebenso für Frauen bzw. werdende Eltern, die nicht so lange hibbeln wie wir.) Warum sollte ich mich also verurteilen lassen, wenn ich einfach offen mit mir selbst umgehe? Es bringt nichts, den Wunsch hinunter zu schlucken und so zu tun, als wäre alles gut. Wenn andere für sich denken – es ist egal, hauptsache ein Baby! Egal was es wird, wir wünschen uns beides! Das ist doch auch eine schöne Sache. Ich habe offen gesagt, dass ich damit rechne zu weinen und erst einmal ein paar Tage brauchen würde, um das Ergebnis zu schlucken. Ich habe hier öfter gemerkt, wenn ich offen und ehrlich über meine Gefühle und Bedenken spreche, aber gleich den Wind aus den Segeln der „Boah dann liebst du wohl dein Kind gar nicht?!“ Fraktion nehme, erhält man mehr Verständnis, als man glaubt. Gott sei Dank, ist es oftmals ja so, dass man sich vorher solche emotional gefürchteten Situationen schlimmer ausmalt, als sie dann am Ende sind.
Dies war auch bei mir der Fall. Bei der ersten Tendenz habe ich zwar geschluckt, aber es war auch schnell wieder gut. Immerhin hat uns unser Baby, dieses kleine surreale Wesen auf dem Bildschirm, das angeblich in meinem Bauch sitzt?!, zu gewunken und uns all seine Liebe geschickt.
„Tante, ich wünsche mir für dich einen Jungen, weil…
du dir so sehr einen wünscht!“ Diese Sprachnotiz erhielt ich heute von meiner ältesten Nichte. Vor ein paar Wochen sagte sie noch „Aber Tante – weißt du denn nicht, dass Mädchen Kinder kriegen? Das ist doch viel schöner!“
Kindermund, tut Wahrheit kund.
Kinder haben die Gabe dir einen Satz zu sagen und damit alles gut werden zu lassen. Und meine große, kluge Nichte hat so Recht: Was auch immer passiert, man liebt dieses kleine Wesen bedingungslos. Ob nun mit Wunschgeschlecht oder nicht. Ob mit roten Haaren oder riesen Stubsnase. Es ist das eigene Fleisch und Blut. Das eigene Baby, das eigene Wunder, welches einfach alles so verändert. Und so, verändert die kleine Maus ganz nebenbei meine über Jahre sorgsam aufgebauten Vorstellungen von Tag zu Tag mehr und schenkt mir Neue. Ich freue mich sehr darauf, eine kleine Räubertochter, oder Räuberprinzessin wie meine Mama sagte, empfangen zu dürfen und gemeinsam mit ihr keine Vorstellung, sondern Erinnerungen zu erfahren. Sie wird der großartigste Mensch auf dieser Welt, und der anfängliche Schmerz darüber, dass es nun doch kein Junge ist…den wird sie hundertfach wettmachen und wer weiß, ob sie nicht irgendwann einen kleinen Bruder bekommt.
In diesem Sinne: Träumt euch eure Zukunft, wie ihr sie möchtet. Setzt euch mit möglichen Planänderungen auseinander und schämt euch nicht dafür. Wünsche darf und MUSS man haben. Wie heißt es in einem schönen Lied „Wünsche sind wichtig, man braucht sie zum (l)Leben.“ und das ist wahr.


Herzlichst, Antonia



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